H?ufige Fragen zur Energiewende

Wortwolke mit Begriffen zur Energiewende, wie Windkraft, Netzausbau oder Speicherungzum Vergr??ern anklicken
Die Energiewende ist richtig und wichtig - wirft aber auch viele Fragen auf. Wir beantworten sie.
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Deutschland steckt mitten in der Energiewende. Energie aus erneuerbaren Quellen, wie Sonne und Wind, soll Energie aus fossilien Energietr?gern, wie Kohle, und Kernenergie abl?sen. Die h?ufigsten Fragen, die diese Wende mit sich bringt, haben wir hier zusammen mit unseren Antworten für Sie zusammengestellt.

Inhaltsverzeichnis

 

Ziele, Wege und Instrumente

Warum brauchen wir die Energiewende?

Die Art und Weise wie wir gegenw?rtig Energie erzeugen und nutzen ist nicht nachhaltig. Die dabei entstehenden Treibhausgasemissionen und der immense Ressourcenverbrauch gef?hrden unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Deshalb müssen wir unseren Lebensstandard vom Energieverbrauch entkoppeln. Darüber hinaus hat die Katastrophe in Fukushima wieder einmal gezeigt, dass auch die Atomkraft zu viele Risiken in sich birgt. Wir brauchen einen grundlegenden Umbau der Energieversorgungssysteme auf eine nachhaltige Energieerzeugung und eine effizientere Energienutzung. Die Energiewende bietet darüber hinaus die gro?e Chance einer grundlegenden wirtschaftlichen Modernisierung. So rüstet sich Deutschland vor steigenden Preisen für fossile Energien, schafft neue Arbeitspl?tze und wird zur führenden Exportnation umweltschonender Technologien.

Was sind die zentralen Handlungsfelder der Energiewende?

Energieeffizienz

Energieeffizienz ist die gr??te Energiequelle. Die Steigerung der Energieeffizienz ist für eine vollst?ndige Umstellung auf erneuerbare Energien unverzichtbar. Sie l?sst sich auch am einfachsten und am schnellsten erschlie?en. Energieeffizienz ist nicht nur für die Umwelt gut, sondern auch für den Geldbeutel. Ein gro?er Teil der vermiedenen Energiekosten übersteigt die Investitionskosten innerhalb weniger Monate oder maximal nach fünf Jahren.

Erneuerbare Energien

Die tragende S?ule der zukünftigen, energieeffizienten Energieversorgung bilden die erneuerbaren Energien. Diese Energiequellen speisen sich aus der Energie, die uns Sonne, Gravitation und Erdw?rme bieten. Sie sind, im Gegensatz zu den fossilen Energietr?gern und Uran, im menschlichen Ermessen unendlich verfügbar und das potentielle Angebot übersteigt den Weltenergiebedarf um ein Vielfaches. Doch auch diese Ressourcen k?nnen nur in Verbindung mit einer effizienten Nutzung und Erzeugung nachhaltig genutzt werden. Wenn Energie effizienter genutzt wird, müssen beispielsweise auch weniger Windr?der aufgestellt werden.

Netzausbau und intelligente Netze

Der Strom aus erneuerbaren Energien wird in Zukunft zunehmend dezentral erzeugt werden. Die weit verzweigten Erzeugungsanlagen – vom Kleinwasserkraftwerkt in den Alpen bis zu den Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee – müssen intelligent miteinander vernetzt werden. Deshalb muss der Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Netzausbau Hand in Hand gehen.

Energiespeicher

Ein weiterer wesentlicher Baustein sind die Energiespeicher. Wenn aus Wind und Sonne mehr Energie erzeugt als gebraucht wird, muss die überschüssige Energie für die Zeit, in der kein Wind weht und die Sonne nicht scheint, gespeichert werden.

Was ist bisher passiert, um die Energiewende einzuleiten?

Die Bundesregierung hat mit dem Energiekonzept die langfristigen Ziele und Aufgaben für den Umbau des Energiesystems vorgegeben. Seitdem wurden bereits eine ganze Reihe von Gesetzen und Verordnungen verabschiedet, um diesen Umbau voranzubringen. So gab es zum Beispiel im Sommer 2011 eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG), das u.a. die Planung und Genehmigung neuer Stromnetze beschleunigen soll, den Einsatz intelligenter Stromz?hler besser regelt und Anreize dafür vorsieht, wenn ein Betreiber seine stromverbrauchenden Anlagen für eine vorübergehende Abschaltung durch den Netzbetreiber zur Verfügung stellt, um Nachfragespitzen abzud?mpfen. Weiter wurde in einer ?nderung des Erneuerbaren Energien Gesetzes die Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energien neu geregelt und Anreize für eine Direktvermarktung des EE-Stroms am Energiemarkt geschaffen. Mit einer ?nderung in der Stromnetzentgeltverordnung werden jene Verbraucher, die Strom vor allem in Zeiten mit schwacher Stromnachfrage beziehen, auf Antrag von den Netzentgelten befreit. Diese Regelung soll einen Anreiz für die Entlastung der Stromnetze geben. Im Atomgesetz wurde festgelegt, wie lange die Betriebsgenehmigungen der noch am Netz befindlichen Atomkraftwerke noch gültig sein werden.

Wie k?nnen wir feststellen, ob wir mit der Energiewende auf einem guten Weg sind?

Die Bundesregierung wird j?hrlich kurze, faktenorientierte Berichte erarbeiten und sie dem Bundestag und der ?ffentlichkeit vorstellen. Diese Berichte sollen vor allem erl?utern, wie es um das Erreichen der Ziele aus dem Energiekonzept steht. Dazu werden Fragen beantwortet, wie bspw.: Wie haben sich die Treibhausgasemissionen, der Energieverbrauch oder der Ausbau der erneuerbaren Energien bisher entwickelt?

Zus?tzlich wird es alle drei Jahre einen umfassenden Bericht geben, in dem auch die Ma?nahmen der Bundesregierung – also Gesetze, Verordnungen, F?rderprogramme – auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Dieser Bericht wird – falls erforderlich – auch Vorschl?ge für eine Verbesserung der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Energiewende enthalten.??

Zust?ndig für die Berichterstattung ist eine Monitoringgruppe, die aus Vertretern der beteiligten Ministerien, dem Umweltbundesamt und der Bundesnetzagentur besteht. Ein unabh?ngiger Expertenrat unterstützt die Monitoringgruppe.

Wie kann ich selbst zur Energiewende beitragen?

Durchforsten Sie Ihren Energiebedarf – für elektrische Ger?te, Heizung und Mobilit?t – nach Einsparpotentialen. Berücksichtigen Sie dabei auch, dass Sie durch ?nderungen Ihres Verhaltens – z. B. richtiges Heizen und Lüften oder Fahrrad- statt Autofahren auf kurzen Strecken – Energie sparen k?nnen. Denn jede nicht ben?tigte Energieeinheit schont nicht nur Ihren Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Decken Sie Ihren verbleibenden Energiebedarf soweit es geht aus umweltfreundlich erzeugten erneuerbaren Energien, in dem Sie z. B. umweltfreundlich erzeugten ?kostrom beziehen.

Wie viel wird die Energiewende kosten?

Auch ohne Energiewende besteht in Deutschland ein hoher Investitionsbedarf in die Energieinfrastruktur. Die Frage muss daher korrekterweise lauten: Was kostet die Energiewende zus?tzlich?

Kurzfristig entstehen durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien Zusatzkosten, weil in den Neubau der Anlagen investiert werden muss. Langfristig besitzt eine auf erneuerbaren Energien basierende Stromerzeugung deutliche Kostenvorteile gegenüber einer konventionellen Stromerzeugung auf Basis fossiler Brennstoffe. Nach vorliegenden Sch?tzungen werden die durchschnittlichen Kosten für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050 auf ca. 6 – 7.7 ct/kWh sinken. Die Erzeugungskosten für Strom aus fossilen Energien werden dagegen stark ansteigen – nach vorliegenden Studien von 6 ct/kWh 2010 auf 15 ct/kWh 2050. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist also auch ?konomisch sinnvoll.

Die Energiewende tr?gt durch die Verbesserung der Energieeffizienz auch dazu bei, dass für dieselbe ?Energiedienstleistung“ – z. B. beleuchtete oder geheizte R?ume – weniger Energie eingesetzt werden muss. Auch das wirkt kostend?mpfend.

N?here Informationen über die preissenkende Wirkung der erneuerbaren Energien finden Sie in unserem Hintergrundpapier "Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien - klimafreundlich und ?konomisch sinnvoll"

 

Energieeffizienz im Fokus

Was bedeutet ?Energieeffizienz“?

Energieeffizienz beschreibt allgemein das Verh?ltnis eines bestimmten Nutzens – zum Beispiel die Bereitstellung von Licht oder W?rme – zu dessen Energieeinsatz. Je weniger Energie eingesetzt werden muss, umso?energieeffizienter ist ein Produkt oder eine Dienstleistung.

Im Zusammenhang mit der Energiewende ist aber nicht allein die Energieeffizienz entscheidend, sondern eine Verringerung unseres absoluten Energiebedarfs. Auch dies ist ein Beitrag zum Umweltschutz, weil bei der Umwandlung und Nutzung von Energie, v.a. aus fossilen Energietr?gern, immer auch Schadstoffe entstehen, die Luft, ⁠Klima⁠, Wasser und Boden belasten. So hat sich die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept das Ziel gestellt, den Stromverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 10 % und bis zum Jahr 2050 um 25 % - verglichen mit dem Stromverbrauch im Jahr 2008 - zu verringern. Auch im Verkehr sollen bis 2050 40% der Endenergie – verglichen mit dem Energieverbrauch im Jahr 2005 – eingespart werden.

Wie tr?gt Energieeffizienz zur Energiewende bei?

Energieeffizienz und Energiesparen sind für das Gelingen der Energiewende unverzichtbar. Auch angesichts des wachsenden Energiehungers auf der Welt und steigender Energiepreise gilt: Energie ist zu kostbar, um sie zu verschwenden. Energieeffizienz bildet den Grundstein auf dem der Ausbau erneuerbaren Energien erfolgt. Auch die erneuerbaren Energien sind mit Umwelteinwirkungen verbunden. Deshalb ist die umweltschonendste Energie die, die man gar nicht erst verbraucht.

Die Treibhausgasemissionen k?nnen durch Energieeffizienz bis 2020 um bis zu 130 Millionen Tonnen gesenkt werden. Mehr als die H?lfte davon (etwa 70 Millionen Tonnen) entf?llt auf Stromsparm?glichkeiten von etwa 110 TWh. Doch es gibt immer noch zahlreiche Hemmnisse. Die Energiewende braucht deshalb effektive Instrumente, die einerseits Energieeffizienzma?nahmen f?rdern und andererseits Energieeinsparungen verbindlich fordern.

N?heres finden Sie in unserem ?Statusbericht zur Umsetzung des Integrierten Energie- und Klimaschutzprogramms der Bundesregierung“.

Was k?nnte alles energieeffizienter sein?

Alle Ger?te und Anwendungen, die Energie – in Form von Strom, W?rme oder Kraftstoff – verbrauchen; neben elektrischen Ger?ten also z. B. auch Heizungsanlagen, Produktionsst?tten und Kraftfahrzeuge.

über die Energieeffizienz elektrischer und stromverbrauchsrelevanter Ger?te müssen Anbieter von Haushalts- und Fernsehger?ten mit der Energieverbrauchskennzeichnung informieren.

Wo gibt es das gr??te Einsparpotential?

In allen Sektoren des Energieverbrauchs, von W?rme über Strom bis hin zum Verkehr, l?sst sich noch Energie sparen. Die gr??ten Potenziale liegen im Geb?udebereich. Immerhin werden in Deutschland rund 40% der Endenergie in Geb?uden verbraucht, vorwiegend für Heizung und Warmwasser. Nach wie vor gelten 24 Millionen Wohneinheiten als sanierungsbedürftig. Hier hat die ⁠KfW⁠ mit ihren F?rderprogrammen gute M?glichkeiten, die weitere Sanierung des Altbaubestands voranzutreiben und so den Energieverbrauch unmittelbar und nachhaltig zu reduzieren.

Wo liegen die gr??ten Hebel beim Energiesparen?

Im Haushalt ist es grunds?tzlich sinnvoll, bei der Anschaffung neuer elektrischer Ger?te auf deren Stromverbrauch zu achten. Orientierungshilfe bietet die sogenannte Energieverbrauchskennzeichnung, zu der wir weitere Informationen geben. Die Internetseite EcoTopTen ?informiert zu vielen Energieanwendungen im Haushalt über die energiesparendsten und wirtschaftlichsten Ger?te.

Standbyverbr?uche – also den Stromverbrauch elektrischer Ger?te, die im Bereitschaftsmodus stehen und nicht richtig ?aus‘ sind – k?nnen zum Beispiel mit abschaltbaren Steckerleisten reduziert werden.

Energiesparen kann man auch beim Heizen. Schon ein geringfügiges Absenken der Raumtemperatur um ein Grad wirkt sich spürbar auf den Energiebedarf aus.?

Auch das Auto bietet Ansatzpunkte zum Energiesparen.

Bei einer genaueren Analyse Ihrer pers?nlichen Einsparpotentiale hilft Ihnen das Beratungsportal CO2-Online mit seinen Energiespar-Ratgebern.

Genauso k?nnen Firmen und Betriebe Energie sparen, indem sie effiziente Elektromotoren, Ventilatoren und Pumpen einsetzen, Abw?rme nutzen (W?rmerückgewinnung) oder mit Druckluft sparsam umgehen. Energiemanagementsysteme helfen Unternehmen, systematisch und wirtschaftlich Energie zu sparen.

Unser stetig angestiegener Stromverbrauch macht viele Klimaschutzerfolge wieder zunichte. Obwohl der Stromverbrauch nur ein Fünftel des gesamten Endenergieverbrauches ausmacht, verursacht er – über die Emissionen der Kraftwerke – fast die H?lfte aller energiebedingten ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen in Deutschland. 30 neue Kraftwerke müssten nicht gebaut werden, wenn wir alle, auch die Industrie als gr??ter Stromverbraucher, die wirtschaftlichen M?glichkeiten zum Stromsparen aussch?pfen würden. Mehr über die Stromsparm?glichkeiten, ob in der Industrie oder im Privathaushalt, k?nnen Sie im UBA-Positionspapier Stromsparen: weniger Kosten, weniger Kraftwerke, weniger CO 2 - Fakten und Argumente für das Handeln auf der Verbraucherseite lesen.

 

Energiewende und Umweltschutz

Schützt die Energiewende nicht nur das ⁠Klima⁠, sondern auch die Umwelt?

Die Energiewende braucht ?kologische Leitplanken. Jede Art der Energieversorgung muss sich an den wesentlichen Kriterien der ⁠Nachhaltigkeit⁠ (Gesundheits-, Umwelt- und Naturvertr?glichkeit sowie Risikoarmut) messen lassen.

Unsere gegenw?rtige Energienutzung verletzt alle diese Kriterien. Erneuerbaren Energien verursachen im Gegensatz wesentlich weniger ⁠Treibhausgas⁠- und andere sch?dliche Emissionen, und es gibt keine Risiken durch St?rf?lle oder Endlagerung von Atommüll. Schlie?lich müssen aber auch beim Umstieg auf erneuerbare Energien Umwelt- und Naturbelastungen minimiert werden. Die Eingriffe in die ?kosysteme müssen auch reversibel sein, d.h. anders als beim ⁠Klimawandel⁠ oder bei nuklearen Katastrophen müssen sich Folgesch?den rückg?ngig machen lassen.

Wie sind Umweltschutz und Windenergie an Land vereinbar?

Für die Nutzung der Windenergie an Land gilt: Mindestabstand muss sein. Die Auswirkungen auf die natürliche Umwelt müssen sorgf?ltig untersucht werden. Die Wirkungen von Windenergieanlagen auf den Menschen (L?rm, Schattenwurf und Befeuerung durch Lichtsignale) sowie auf Natur und Landschaft (Beeintr?chtigung für V?gel und Flederm?use) bewertet die Zulassungsbeh?rde.

Es gibt viele M?glichkeiten die Wirkungen zu reduzieren. So k?nnen Detektoren die Lichter der Anlagen nur bei N?herung eines Flugzeugs einschalten. Wenn Flederm?use vermehrt aktiv sind, k?nnen einzelne Windr?der vorübergehend abgeschaltet werden. Um die Akzeptanz insgesamt zu erh?hen, ist es zudem wichtig, die betroffenen Bürgerinnen und Bürger frühzeitig und aktiv in die Planungen und Gestaltung ihrer Umwelt einzubinden.

Wie sind Umweltschutz und Windenergie auf See vereinbar?

Um Erfahrungen mi den ?kologischen Auswirkungen von Windenergie auf See (Offshore) sammeln zu k?nnen, werden bislang maximal 80 Anlagen pro Windpark zugelassen. Ein breit angelegtes Untersuchungsprogramm der ?kologischen Auswirkungen w?hrend Bau und Betrieb der Anlagen soll dabei helfen zu entscheiden, wo und wie Offshore-Anlagen weiter ausgebaut werden sollen. Rast- und Nahrungsgebiete für V?gel müssen geschützt werden, Zugv?gel müssen m?glichst ungest?rt bleiben und marine S?ugetiere wie Schweinswale sollen nicht vertrieben werden.

Wie h?ngen Umweltschutz und Geothermie zusammen?

Zur Nutzung der Geothermie ist ein Eingriff in das natürliche Gleichgewicht der oberen Erdkruste erforderlich. Die Auswirkungen sind aber lokal begrenzt und beherrschbar. Es k?nnen kleine Erdbewegungen, ausgel?st werden. Um diese zu vermeiden oder die potentielle St?rke dieser ?Mini-Erdbeben“ vorherzugsagen muss der natürliche Spannungszustand der Erdkruste in den jeweiligen Gebieten erforscht werden. Meist entstehen Gef?hrdungen durch mangelhafte Planung und Durchführung von Bohrungen. Schutzma?nahmen sind aber bekannt und die Risiken beherrschbar. Schwierig beurteilen lassen sich die Umwelteffekte durch Temperaturver?nderungen im Grundwasser. Dort bestehen noch Wissenslücken, die das Umweltbundesamt gerade untersucht.

Gibt es Konflikte zwischen Umweltschutz und Sonnenenergie?

Die Sonnenenergie ist mit vergleichsweise geringen Umweltwirkungen verbunden. Für die Standortwahl k?nnen dennoch Umweltkriterien relevant sein. Bereits bebaute und versiegelte Fl?chen, v.a. D?cher, sind aus ?kologischer Sicht unproblematisch. Gro?fl?chige Solaranlagen wirken dagegen quasi wie eine Bebauung, sodass hier im Einzelfall Umweltschutz und Nutzung gegeneinander abgewogen werden müssen. In Schutzgebieten sollten keine Anlagen errichtet werden.

Ist Wasserkraft ?kologisch?

Alle Flüsse in Deutschland sind von der Wasserkraftnutzung betroffen. Nur neun Prozent erreichen aber derzeit das angestrebte EU-Ziel im Gew?sserschutz, den ?guten ?kologischen Zustand“. Der Aufstau ist mit gravierenden Wirkungen und ?nderungen der Lebensr?ume verbunden. Die Flie?gew?sser sind für Tiere und Feststoffe nicht mehr durchg?ngig. Fische geraten h?ufig in die Turbinen und an Rechen. Ohne begleitende Ma?nahmen wie der Errichtung von Fischwanderhilfen kann das zu negativen Auswirkungen auf die Fischpopulation führen.

Das technisch-wirtschaftliche und ?kologisch sinnvoll nutzbare Potential ist zum gr??ten Teil erschlossen. Deshalb ist der Neubau von Wasserkraftanlagen kritisch zu bewerten. Den Vorzug müssen die Modernisierung und die Leistungserh?hung an vorhandenen Standorten erhalten. Die Ziele des Gew?sserschutzes und der ⁠Klimaschutz⁠ müssen immer abgewogen werden.

Wie muss bei der Nutzung von Energie aus ⁠Biomasse⁠ auf den Umweltschutz geachtet werden?

Die Bereitstellung von Biomasse und deren energetische Nutzung k?nnen mit negativen Umwelteffekten verknüpft sein. Es kann zu intensivere Nutzung von Anbaufl?chen und Nutzung neuer Fl?chen kommen. Das kann zu einer Zunahme von überdüngung und ⁠Versauerung⁠ der B?den und der Gew?sser, aber auch zu h?heren Emissionen von Klimagasen (v.a. Lachgas) führen. Der Verlust von ⁠Biodiversit?t⁠ und Bodenfruchtbarkeit sowie der natürlichen Filterfunktion der B?den und Kohlenstoffspeicherfunktion von B?den und W?ldern w?ren weitere Umweltfolgen. Die Produktion von ausschlie?lich energetisch genutzter Biomasse kann auch eine Konkurrenz zur Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln sein.

Bei der Nutzung von Anbaubiomasse muss die Ern?hrung und stoffliche Nutzung (M?bel, Bauholz, Biokunststoffe) nach M?glichkeit immer einer energetischen Verwertung vorgezogen werden. Rodungen von Waldfl?chen zur Gewinnung von Biomasse muss in jedem Fall vermieden werden.

Organische Reststoffe sollen mit fortschrittlicher Anlagentechnik verwertet werden.

 

Klimaschutz und Versorgungssicherheit

Wann wird der Atomausstieg vollzogen sein?

In einer ?nderung des Atomgesetzes im Jahr 2011 wurde den am Netz verbliebenen Atomkraftwerken in Deutschland Strommengen zugeteilt, die sie noch erzeugen dürfen – danach erlischt ihre Betriebserlaubnis. Den Verbrauch dieser Reststrommengen kontrolliert die Bundesnetzagentur – sie informiert darüber auch die ?ffentlichkeit. Zus?tzlich wurde für jedes Atomkraftwerk ein genauer Zeitpunkt festgelegt, zu dem seine Betriebserlaubnis sp?testens erlischt. Nach dieser Vorgabe? werden Ende 2022 mit den Anlagen Isar2, Emsland und Neckarwestheim die letzten drei Atomkraftwerke abgeschaltet.

Kann Deutschland trotz Atomausstieg die Klimaziele erreichen?

Das Umweltbundesamt erstellt regelm??ig Szenarien, wie sich die Treibhausgasemissionen in Deutschland unter bestimmten Rahmenbedingungen entwickeln werden. Diese Projektionen zeigen, dass trotz Atomausstieg die Klimaziele erreicht werden k?nnen. Legen wir die aktuellen geltenden rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen zu Grunde, erreichen wir bis 2020 nur eine THG-Vermeidung in der Gr??enordnung von etwa 35% - das Ziel von 40% würde damit verfehlt.

Um es zu erreichen, müssen wir im Jahr 2020 etwa 70 Mio t CO 2(eq) weniger emittieren als im Modell berechnet. M?glichkeiten, dieses Ziel doch noch zu erreichen, sind vielf?ltig – durch eine strengere Deckelung der Emissionsmenge im europ?ischen Emissionshandel, zus?tzliche Anreize für eine effizientere Stromnutzung oder h?here Standards für den Energieverbrauch in Geb?uden.

Steigen die CO 2 -Emissionen durch die Energiewende?

Die Kernelemente der Energiewende sind der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz. Durch beide Ma?nahmen steigt der Anteil erneuerbarer Energien an der Energieversorgung kontinuierlich, w?hrend der Anstieg des Energieverbrauchs begrenzt wird. Das führt zu einem geringeren Aussto? von Treibhausgasen. Ziel der Energiewende ist es, langfristig den Aussto? klimasch?dlicher Emissionen um 80 bis 95% zu verringern.

Ist Atomstrom wirklich CO2-frei?

Atomstrom ist keineswegs CO2-neutral. Atomkraftwerke verursachen im Betrieb keine CO 2 -Emissionen. Die Treibhausgasemissionen sind gr??tenteils der Stromproduktion vor- und nachgelagert. Betrachtet man den gesamten Lebensweg – von Uranabbau, Brennelementherstellung, Kraftwerksbau und -rückbau bis zur Endlagerung – so ist in den einzelnen Stufen des Zyklus zum Teil ein hoher Energieaufwand n?tig, wobei Treibhausgase emittiert werden.

Atomkraft verursacht deutlich weniger CO2-Emissionen als Kohlekraftwerke, aber mehr als die erneuerbaren Energien.

Die CO 2 -Bilanz der Kernenergie untersuchte u.a. das ?ko-Institut.

Importiert Deutschland nach dem Atomausstieg nun Atomstrom aus dem Ausland?

Nach den Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen blieb Deutschland auch im zurückliegenden Jahr 2011 ein Stromexporteur. Daran hat sich nach der Stilllegung von acht Atomkraftwerken im letzen Frühjahr bisher nichts Grunds?tzliches ge?ndert – allerdings ist der Umfang der Exporte zurückgegangen. Natürlich ist Deutschland zeitweise auch Stromimporteur – das ist in einem liberalisierten EU-Energiemarkt keineswegs ungew?hnlich. Gekauft wird Strom da, wo er gerade am günstigsten verfügbar ist – das ist manchmal bei den Anbietern von Wind- und Solarstrom und manchmal auch bei Atom- oder Kohlekraftwerken.

Nach den vorl?ufigen Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen importierte Deutschland im Jahr 2011 50 Mrd kWh Strom, der Stromexport belief sich auf 56 Mrd. kWh. Deutschland verkauft als immer noch mehr Strom ins Ausland, als es Strom einkaufen muss. Beim letzten Wintereinbruch im Februar hat Deutschland sogar Strom ins Atomstromland Frankreich exportiert.

Begibt sich Deutschland mit dem Atomausstieg auf einen ?Sonderweg“, w?hrend in anderen L?ndern neue Atomkraftwerke gebaut werden sollen?

Auch in anderen Staaten ist der Kurs in Sachen Atomenergie durchaus umstritten. Betrachten wir einige unserer Nachbarn in der EU: In Italien, D?nemark, Schweden, Irland und Polen sind keine Atomkraftwerke im Betrieb. In ?sterreich sind Bau und Inbetriebnahme von Anlagen zur Energiegewinnung durch Kernspaltung bereits seit 1978 verboten. Neben Deutschland haben auch Belgien und die Schweiz beschlossen, aus der Nutzung der Atomenergie auszusteigen.
Selbst innerhalb der ?Atomenergiebefürworterstaaten“ gibt es Meinungsverschiedenheiten: W?hrend zum Beispiel die Regierung Gro?britanniens den Bau neuer Atomkraftwerke vorantreibt, hat die schottische Regierung die Errichtung neuer Atomkraftwerke auf ihrem Gebiet ausgeschlossen.
Die Zahl der Reaktoren wird in den n?chsten Jahrzehnten nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit zurückgehen. Nach einer Studie, die im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz erstellt wurde, werden mehr AKW altersbedingt vom Netz gehen, als neue in Betrieb genommen werden. Viele Staaten kündigten zwar den Bau neuer Reaktoren an. Die meisten der angekündigten Neubauprojekte werden aber voraussichtlich, v.a. aus finanziellen Gründen, nie realisiert werden.

Bleibt die Energieversorgung trotz Atomausstieg sichergestellt?

Die Stromversorgung in Deutschland? ist und bleibt sicher. Der deutsche fossile Kraftwerkspark hatte vor dem Moratorium gro?e Kapazit?tsreserven. So stehen Reservekapazit?ten von rund 10 GW Leistung zur Verfügung, um im Notfall alle Verbraucher versorgen zu k?nnen. Deutschland hat derzeit genügend eigene Stromerzeugungskapazit?ten um eine Eigenversorgung zu gew?hrleisten. Nach Abschaltung von acht Atomkraftwerken, werden auch die verbleibenden neun AKW in den n?chsten Jahren nach und nach durch den Zuwachs erneuerbarer Energien, einer effizienteren Stromnutzung und zum Teil durch neue effizientere fossile Kraftwerke? ersetzt.

Auf Grund der starken Umstrukturierung in der Stromerzeugung ist aber für die mittel- und langfristige Versorgungssicherheit ein forcierter Netzausbau notwendig.

Für unwahrscheinliche Stromengp?sse (bspw. in Folge eines extrem kalten Wintereinbruchs)? hat die Bundesnetzagentur darüber hinaus mehrere? Reserven organisiert. In Notf?llen k?nnen diese schnell aktiviert werden. Auch im atomstromfreien ?sterreich stehen Reserven als Importalternative zur Verfügung.

Wo befinden sich Kraftwerksreserven in Deutschland?

Die Kraftwerksreserve besteht aus Anlagen, die eine Betriebserlaubnis haben, die aber – meist aus wirtschaftlichen Gründen – vorübergehend oder auch für l?ngere Zeit nicht zur Stromerzeugung genutzt werden. Solche und andere Kapazit?tsreserven zur Stromerzeugung hatte die Bundesnetzagentur im letzten Sommer vorsorglich für die Winter 2011/2012 und 2012/2013 ausfindig gemacht, um nach der Stilllegung der Atomkraftwerke vor allem in Süddeutschland auch in kritischen Situationen einen sicheren Netzbetrieb gew?hrleisten zu k?nnen. Denn wenn die Stromnachfrage steigt, muss auch die Stromeinspeisung zeitgleich angepasst werden, um einen Black-Out zu verhindern.

Werden nach dem Atomausstieg nun fossile Energietr?ger wieder eine gr??ere Rolle für die Energieversorgung spielen?

Die vorl?ufigen statistischen Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen für das vergangene Jahr 2011 zeigen folgendes Bild:
Es galt, 2011 den Wegfall von gut 31 Mrd. kWh Kernenergie-Strom zu kompensieren. Diese Kompensation erfolgte zum überwiegendem Teil durch den starken Zuwachs der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (+19 Mrd. kWh). Au?erdem wurden die in den Vorjahren stetig gestiegenen Stromexportüberschüsse reduziert (fast 12 Mrd. kWh). Weiterhin gab es einen Zuwachs der Stromerzeugung aus Braunkohle um 7 Mrd. kWh, der in der Gesamtbetrachtung als moderat zu bezeichnen ist. Gleichzeitig ist die Stromerzeugung aus Steinkohle um 2,5 Mrd. kWh und aus Erdgas und ?l um 4 Mrd. kWh zurückgegangen. Von einer gr??eren Rolle der fossilen Energietr?ger k?nnen wir also für das vergangene Jahr nicht sprechen. Für die Zukunft kommt es darauf an, wie zügig der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter geht und wie wir durch eine bessere Energieeffizienz den Gesamtverbrauch begrenzen k?nnen. ?

Welchen Beitrag sollen Offshore-Windparks leisten?

Windenergieanlagen vor den Küsten der Nord- und Ostsee k?nnen und sollen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des zukünftigen Energiesystems spielen. Offshore-Windparks versprechen enorme Energiepotenziale, weil hier der Wind mit weitaus h?heren mittleren Windgeschwindigkeiten weht als im Binnenland. Bis 2030 sollen Offshore-Windenergieanlagen nach Pl?nen der Bundesregierung ca. 25.000 MW elektrische Leistung bereitstellen. Das entspricht der Leistung von ca. 17 Atomkraftwerken.

Wie viel Potenzial steckt in der Geothermie?

Das Potenzial zur energetischen Nutzung der Geothermie ist sehr gro?. Das Büro für Technikfolgen-Absch?tzung (TAB) beim Bundestag rechnet mit einem j?hrlichen technischen Angebotspotenzial für die geothermische Stromerzeugung in Deutschland in H?he von 312?TWh pro Jahr über einen gesch?tzten Nutzungszeitraum von 1.000 Jahren. Derzeit sind 18 tiefe Geothermieanlagen mit rund 7,3 MW elektrischer und rund 188 MW thermischer Leistung in Betrieb, die im Jahr 2010 etwa 0,028 TWh Strom erzeugen. Darüber hinaus befinden sich 13 Anlagen im Bau und 81 Anlagen in Planung. Die Bereitstellung von W?rme aus Geothermie stieg von 1,5 TWh im Jahr 2000 auf 5,6 TWh im Jahr 2010.

Der weitere Ausbau h?ngt vom Stand der Technik, der Wirtschaftlichkeit und der Umweltvertr?glichkeit ab. Die Geothermie ist immer noch eine sehr teure Technologie. Die notwendigen Explorationsma?nahmen und insbesondere die aufw?ndigen Bohrungen begrenzen den Ausbau. Au?erdem bestehen einige ?kologische Hindernisse. So scheiden bereits genutzte Fl?chen – wie z. B. Siedlungen oder Verkehrswege – zur Nutzung der Geothermie aus. Wasserschutzgebiete sowie der Erhalt wertvoller Naturr?umen – wie Moore oder Waldgebiete – schr?nken die Zahl der geeigneten Standorte weiter ein.

Im ?Energieziel 2050: 100% erneuerbare Energien“ hat das Umweltbundesamt die Potenziale der Geothermie für die zukünftige Energieversorgung berücksichtigt. Trotz der genannten Einschr?nkungen ergibt sich ein erschlie?bares technisch-?kologisches Potenzial im Jahr 2050 von ca. 50 TWh pro Jahr bei einer installierten Netto-Leistung von 6,4 GWel. Die Geothermie birgt daher nach Wind und Sonne das gr??te Ausbaupotenzial, um unsere Energieversorgung bis 2050 zu 100% aus erneuerbaren Energien zu decken.

Wie kann Strom aus erneuerbaren Energien gespeichert werden?

Strom aus Sonnenkollektoren oder auch Windanlagen l?sst sich schon heute v.a. in Pumpspeicherkraftwerken speichern. Bei Angebotsspitzen verwendet man den überschüssigen Strom, um damit Wasser in ein Becken bergauf zu pumpen. Wird wieder Strom ben?tigt, l?sst man das Wasser wieder ab und eine Turbine erzeugt Strom. Pumpspeicherkraftwerke sind sehr effizient, aber die in Frage kommenden Standorte sind begrenzt. Langfristig werden chemische Speicher in Form von Wasserstoff oder Methan, welche aus regenerativem Strom erzeugt werden k?nnen, an Bedeutung gewinnen.

Wie wichtig sind Energiespeicher für die Energiewende?

Energiespeicher dienen zum Ausgleich zwischen dem schwankenden Energieangebot und der sich ver?ndernden Energienachfrage. In Bezug auf die Stromversorgung muss zu jedem Zeitpunkt in den elektrischen Netzen Angebot und Nachfrage ausgeglichen sein. Dies kann durch die Steuerung der Stromerzeugung, der Stromnachfrage oder durch eine Zwischenspeicherung erfolgen. Bei einer zunehmend auf fluktuierenden Energien basierenden Stromversorgung sind Energiespeicher mittel- und langfristig für die Energiewende unverzichtbar.

Eine Komplettversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien – ist das m?glich?

Diese Frage hat das Umweltbundesamt in seiner Studie ?Energieziel 2050: 100% erneuerbare Energien“ untersucht. Wir haben simuliert, wie hoch der Strombedarf in Deutschland ist, wenn nur noch die effizientesten Technologien zur Stromnutzung eingesetzt werden, die es aktuell schon gibt. Dann haben wir für ein ganzes Jahr stundengenau mit echten Wetterdaten vergangener Jahre simuliert, wie viel Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden kann. Diese Studie zeigte uns, dass das Problem der Fluktuationen erneuerbarer Energien – also die schwankende Verfügbarkeit von Strom aus Wind und Sonne – gel?st werden kann. Die unterschiedlichen Erzeugungsarten der erneuerbaren Energien, die Speicher und das Lastmanagement erg?nzen sich so, dass die Nachfrage jederzeit gedeckt werden konnte.

 

Netzausbau und intelligente Netze

Wieso brauchen wir neue Stromnetze?

Der Stromverbrauch ist in Deutschland nicht gleichm??ig verteilt: gro?e Industriezentren verbrauchen erheblich mehr Strom als l?ndliche Gebiete. In der Vergangenheit wurden gro?e Kraftwerke tendenziell in der N?he der Verbraucher errichtet – entsprechend kurz waren die Transportwege – und die Stromnetze bildeten eine Einbahnstra?e vom Kraftwerk zum Kunden. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien ?ndert sich das: Das Potential für Windkraftnutzung ist z. B. im Norden Deutschland am gr??ten – die gro?en Stromverbraucher konzentrieren sich aber eher im Süden des Landes. Dazu kommt, dass Strom aus erneuerbaren Energien vor allem dezentral produziert und in den unteren Netzebenen eingespeist wird. Statt weniger gro?er Atom- und Kohlekraftwerke wird es in Zukunft? eine Vielzahl an Klein- und Kleinstkraftwerken geben, von denen der Strom zum Verbraucher transportiert werden muss.

Was ist ein ?Smart-Grid“?

Intelligente Stromnetze (Smart-Grids) kombinieren Erzeugung, Speicherung und Verbrauch. Eine zentrale Steuerung stimmt sie optimal aufeinander ab und gleicht somit Leistungsschwankungen – insbesondere durch fluktuierende erneuerbare Energien – im Netz aus. Die Vernetzung erfolgt dabei durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie dezentral organisierter Energiemanagementsysteme zur Koordination der einzelnen Komponenten. Das bedeutet, dass in einem Smart-Grid nicht nur Energie sondern auch Daten transportiert werden, sodass Netzbetreiber in kurzen Abst?nden Informationen zur Energieproduktion und -verbrauch erhalten. Bisher hatten die Netzbetreiber weder Kontrolle noch Kenntnis, wann und wo eine dezentrale Erzeugungsanlage Strom ins Netz einspeist. Wird der Anteil solcher ?unkoordinierten“ Erzeuger zu hoch, steigt das Risiko von instabilen Netzzust?nden.

Durch intelligente Vernetzung, Lastmanagement und Nachfrageflexibilisierung k?nnen somit eine effiziente Nutzung und Integration der erneuerbaren Energien sowie eine Optimierung der Netzauslastung erreicht werden.

Kann ich ?Smart-Meter“ zuhause nutzen?

Der erste Schritt zu einem Smart-Grid ist die Einführung von intelligenten Z?hlern (Smart-Meter) – als Schnittstelle zwischen den Haushalten und dem intelligenten Netz. Im Gegensatz zu den bisherigen analogen Ferraris-Z?hlern z?hlen Smart Meter den Stromverbrauch elektronisch und zeichnen Daten auf. Damit k?nnen sie dem jeweiligen Kunden in Echtzeit den tats?chlichen Energieverbrauch und die tats?chliche Nutzungszeit anzeigen. Die erhobenen Daten werden automatisch an das Energieversorgungsunternehmen übertragen. Die j?hrliche Ablesung wir dadurch überflüssig.

Die Kenntnis des Endkunden über seinen aktuellen Stromverbrauch kann ihm einen bewussteren Umgang mit Energie erm?glichen. Gekoppelt mit einem Preissignal, das die aktuelle Einspeise- und Nachfragesituation im Netz widerspiegelt, kann der Endkunde seinen Verbrauch entsprechend anpassen – also gerade dann Ger?te einschalten, wenn der Preis besonders niedrig ist. Zur Informationsbereitstellung k?nnen in der Wohnung installierte Displays, Informationsportale im Internet oder mobile Apps für Smart Phones dienen.

 

"?kostrom"

Soll ich zu einem ?kostromanbieter wechseln?

Der Begriff ??kostrom“ ist weder gesetzlich definiert noch rechtlich geschützt. Deshalb empfehlen wir genau hinzuschauen, was ein bestimmter Anbieter mit dem Etikett ??kostrom“ anbietet.

Das Umweltbundesamt stellt an umweltgerecht erzeugten Strom folgende Anforderungen:

  1. Er soll aus erneuerbaren Energiequellen stammen.
  2. Der Anbieter sollte mit seinem Produkt zum Ausbau der erneuerbaren Energien beitragen.
  3. Auch bei der Nutzung erneuerbarer Energien sollte auf die Umweltvertr?glichkeit geachtet werden.

So erzeugter Strom tr?gt dazu bei, die Umwelt insgesamt – nicht allein das ⁠Klima⁠ – zu schonen. Je früher wir alle darauf umsteigen, desto besser. Der Wechsel zum grünen Strom ist ganz einfach und für den Verbraucher v?llig kostenlos. N?here Informationen zum Thema ?kostrom gibt es zum Beispiel hier: www.atomausstieg-selber-machen.de.

Kommt ?kostrom auch wirklich aus der Steckdose, wenn ich ?kostrom bestelle?

Ein eigenes Netz für ?kostrom gibt es nicht. Daher ist es unm?glich ?kostrom getrennt von konventionellem Strom zu liefern. Strom wird über ein Stromnetz transportiert, an das alle Stromerzeugungsanlagen und alle Stromverbraucher angeschlossen sind – egal ob Windrad oder Kohlekraftwerk, egal ob ?kostromkunde oder Kunde mit konventionellem Tarif. ?

Bildlich kann man sich das wie ein gro?es Wasserbecken vorstellen: Es gibt verschiedene Zuflüsse, die das Wasserbecken füllen, und verschiedene Abflüsse, über die das Wasser direkt aus dem Becken entnommen wird. über das Stromnetz wird also immer ?gemischter“ Strom aus konventionellen Kraftwerken und aus EE-Anlagen verteilt. Eine kWh ?kostrom und eine kWh Atomstrom sind dabei physikalisch nicht zu unterscheiden. Der ?kologische Unterschied liegt also nicht im Produkt selbst (Strom ist Strom), sondern in der Herstellungsweise.

Der gr??te Anteil des Stroms aus der Steckdose kommt zumeist aus einem nahen Zufluss, d.h. dem n?chstgelegenen Kraftwerk. Das kann beispielsweise ein Wasser-, aber auch ein Atomkraftwerk sein. ?

Wichtig für den Umweltschutz ist, dass m?glichst alle Verbraucher dafür sorgen, dass die von ihnen verbrauchte Strommenge umweltfreundlich erzeugt und ins Netz eingespeist wird. ?kostromkunden sorgen für den Zuwachs von ?kostrom, wenn sie darauf achten, dass der Anbieter von ?kostrom mit seinem Produkt für einen zus?tzlichen Bau von neuen umweltschonenden Energieerzeugungsanlagen für Erneuerbare sorgt. So wird der Strom im Netz insgesamt ?grüner“ und die Umweltbelastung durch die Stromerzeugung geringer.

Kann ich mit einem Wechsel zu einem ?kostromanbieter zur Energiewende beitragen?

Der Energieversorger muss genau so viel ?kostrom ins Netz einspeisen, wie von den Verbrauchern nachgefragt wird. Steigt die Nachfrage nach ?kostrom, so muss der Versorger auch mehr ?kostrom einspeisen. Mit einem Wechsel zu einem ?kostromanbieter kann so Druck auf einen Ausbau der erneuerbaren Energien ausgeübt werden.

K?nnen wir unseren ?kostrom auch selbst produzieren? Wie geht das?

Einige Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie stehen auch als Klein- oder Kleinstanlage zur Verfügung. Solaranlagen zur Stromerzeugung sind heute ein allt?glicher Anblick. Sogenannte Bürgerwindparks sind Eigentum von Genossenschaften, zu denen sich Bewohner einer Region zusammengeschlossen haben. Eine wachsende Anzahl von Kommunen entwickelt Konzepte, um die Potentiale zur Energieerzeugung vor Ort besser zu nutzen, statt Strom und W?rme von ?au?erhalb‘ einzukaufen.

Eine sichere Versorgung kann man aus der Nutzung einer oder weniger Kleinanlagen kaum gew?hrleisten, wenn diese von unregelm??ig verfügbaren Energiequellen wie Wind oder Sonne abh?ngig sind. Erst ein Netz, das viele Einspeiser und Verbraucher verbindet, das Speicherkapazit?ten bereitstellt und einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herstellen kann, gew?hrleistet eine sichere Stromversorgung. So kann mit den Klein- und Kleinstanlagen auch ein Beitrag für die gesamte Versorgungssicherheit gew?hrleistet werden.

Eine autarke Versorgung jedes einzelnen Verbrauchers mit Strom – also die eigene Herstellung des selbst verbrauchten Stroms – ist ?konomisch und auch technisch extrem aufwendig und deshalb nicht sinnvoll.

Welchen Beitrag kann die Photovoltaik in Deutschland denn leisten?

Das Potential der Photovoltaik h?ngt nicht nur von den Sonnenstrahlen, sondern auch von der verfügbaren Fl?che für das Aufstellen von Solarmodulen und der verfügbaren Technik ab. Nutzbare Fl?chen findet man vor allem auf Dach- und Fassadenfl?chen sowie sonstigen Siedlungsfl?chen wie Parkplatzüberdachungen oder L?rmschutzw?nden.

Der Stromertrag durch Photovoltaik liegt derzeit bei 12 TWh, mit stark steigender Tendenz. Für jedes installierte Kilowatt wird in Deutschland eine Fl?che von 5,88 Quadratmetern ben?tigt. Würde man die gesamte zur Verfügung stehende Fl?che mit Solarmodulen mit derzeit verfügbarer Technik belegen, so st?nde eine installierte Leistung von 275 Gigawatt (GW) zur Verfügung. Es erg?be sich ein Stromertrag von ca. 248 Terrawattstunden (TWh). Das w?re etwa die 20-fache Menge gegenüber dem heutigen Ertrag. Die Photovoltaik soll und kann – auch im relativ ?sonnenarmen“ Deutschland – einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Stromversorgung beitragen.