RESCUE – Wege in eine ressourcenschonende Treibhausgasneutralit?t

Grafik, die mit Piktogrammen und Pfeilen Zusammenh?nge zwischen Rohstoffkonsum und Treibhausgasaussto? symbolisiertzum Vergr??ern anklicken
Rohstoffkonsum verursacht Treibhausgase – aber auch klimafreundliche Techniken ben?tigen Rohstoffe.
Quelle: Umweltbundesamt

Das Umweltbundesamt untersucht im Projekt RESCUE die Zusammenh?nge zwischen Klimaschutz und Ressourcennutzung. Dazu wurden sechs Szenarien erarbeitet, um L?sungen zu entwickeln, wie Rohstoffinanspruchnahme und Treibhausgasemissionen in Deutschland in Zukunft deutlich gesenkt werden k?nnen.

Inhaltsverzeichnis

 

Hintergrund

Die wechselseitigen Abh?ngigkeiten und Rückkoppelungen zwischen Rohstoffnutzung und ⁠Klimaschutz⁠ zu erforschen, verlangt einen systemischen Ansatz. Die Produktion von Gütern und der entsprechende Konsum sind die treibenden Kr?fte für die Energie- und Rohstoffnutzung. Werden Energietr?ger genutzt, die nicht umweltvertr?glich sind, wie zum Beispiel fossile oder nukleare Brennstoffe, dann sind Abbau und Verbrauch dieser Rohstoffe und damit einhergehende negative Umwelteffekte die Folge. Ein herk?mmliches Energiesystem ben?tigt neben Rohstoffen für den Kraftwerksbau fortlaufend fossile oder nukleare Brennstoffe als Prim?renergietr?ger, die aktuell einen gro?en Anteil des Rohstoffverbrauchs ausmachen. Einmal eingesetzt, sind diese für die weitere Nutzung verloren.?

In einem Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien dagegen verbleibt der gr??te Teil der verwendeten Rohstoffe im anthropogenen Lager, also verbaut in Windenergie-, Photovoltaik- und anderen Anlagen. Als Prim?renergietr?ger dienen erneuerbare Ressourcen wie Wind oder solare Strahlung, im laufenden Betrieb werden damit keine Rohstoffe verbraucht. Die Materialien für die Anlagen k?nnen in einer Kreislaufwirtschaft zum Teil weiter genutzt werden. Das bietet langfristig Chancen, die Wertsch?pfung zu steigern, sofern Recycling- und Produktionsanlagen innerhalb einer Volkswirtschaft angesiedelt sind und weniger Rohstoffe importiert werden müssen.

 

Treibhausgasneutrales Deutschland 2050 als Ausgangspunkt

In der Studie ?Treibhausgasneutrales Deutschland“ aus dem Jahr?2013 hat das ⁠UBA⁠ gezeigt, dass es auch für ein Industrieland wie Deutschland technisch m?glich ist, seine Treibhausgasemissionen um 95 Prozent (gegenüber dem Jahr 1990) zu reduzieren. Für einen erfolgreichen Transformationsprozess muss die Perspektive über die unmittelbaren Minderungsoptionen für Treibhausgase (THG) hinaus erweitert werden. Insbesondere sollten die für die Transformation notwendigen Rohstoffe und Ressourcen betrachtet werden. Dies umfasst neben den biotischen und abiotischen Rohstoffen (Metalle, nicht-metallische Mineralien und ⁠Biomasse⁠) auch Fl?che, Wasser, Boden, Luft, str?mende Ressourcen wie Erdw?rme, Wind-, Gezeiten- und Sonnenenergie und ⁠?kosystemleistungen⁠. Dabei sollten sowohl die Entwicklung des Bedarfs im Zeitverlauf als auch die Wechselwirkung der Sektoren (bspw. Energiewirtschaft, Industrie, Bauen und Wohnen) und des Energiesystems mit der Ressourcennutzung quantifiziert werden.?

 

Forschungsfragen

Aus diesen überlegungen ergaben sich folgende Forschungsfragen für das Projekt:

  • Was sind plausible und nachhaltige Wege zu einem treibhausgasneutralen, post-fossilen und m?glichst ressourcenschonenden Deutschland??
  • Welche Ma?nahmen braucht es dafür im Einzelnen??
  • Wie entwickelt sich der Rohstoffbedarf für ein treibhausgasneutrales Deutschland 2050 im Zeitverlauf??
  • Wie beeinflussen sich ⁠Klima⁠-und Ressourcenschutz??
  • Welche Ans?tze für eine treibhausgasneutrale Wirtschaft sparen Rohstoffe und Ressourcen??
 

Die sechs Green-Szenarien der RESCUE-Studie

Um sich diesen Fragen zu n?hern, wurden sechs Szenarien erarbeitet. Sie haben gemeinsam, dass Deutschland bis zum Jahr 2050 treibhausgasneutral oder nahezu treibhausgasneutral wird. Der Rohstoffbedarf und die Entwicklung der Treibhausgasemissionen bis zur Treibhausgasneutralit?t in 2050 dagegen variieren deutlich.

GreenEe1 & 2: Germany – resource efficient and greenhouse gas neutral – Energy efficiency (GreenEe)

Basierend auf dem Projekt “Treibhausgasneutrales Deutschland 2050” und den darin getroffenen Annahmen zur Transformation Deutschlands bis 2050 werden im RESCUE-Projekt die Entwicklung der THG-Emissionen bis 2050 und die damit einhergehende Rohstoffinanspruchnahme (⁠Biomasse⁠, Metallerze, nicht-metallische Mineralien, fossile Energietr?ger) modelliert. Der Schwerpunkt dieser Szenarien besteht darin, dass die Energieeffizienzpotenziale in allen Anwendungsbereichen weitgehend erschlossen werden.?

W?hrend in GreenEe1 die Industrie insgesamt ihre Produktionskapazit?ten kontinuierlich steigert und die Exporte weiter ansteigen, erfolgt in GreenEe2 ein ausgeglichenerer globaler Handel, so dass die nationalen Produktionskapazit?ten in weiten Bereichen rückl?ufig sind.

GreenLate: Germany – resource efficient and GHG neutral – late transition?

Auch dieses ⁠Szenario⁠ kommt der Treibhausgasneutralit?t nahe. Die dafür notwendigen Klimaschutzma?nahmen werden aber im Vergleich zu GreenEe erst zu einem sp?teren Zeitpunkt intensiviert und sind bei der Energieeffizienz mit einem geringeren Ambitionsniveau verbunden.?

GreenMe: Germany – resource efficient and GHG neutral – Material efficiency?

Erg?nzend zu den GreenEe-Szenarien wird hier zus?tzlich ein hohes technisches Ambitionsniveau bei der Erschlie?ung der Rohstoffeffizienzpotenziale in allen Bereichen unterstellt, etwa durch die Nutzung von Recyclingbaustoffen, verbesserten Rezyklatraten, Leichtbauweisen im Verkehr oder der Umstellung auf langlebigere Produkte.?

GreenLife: Germany – resource efficient and GHG neutral – lifestyle changes?

In GreenLife wird analysiert, welchen Beitrag Verhaltens?nderungen – erg?nzend zu den Ma?nahmen in GreenEe und GreenMe – zu Treibhausgasminderung und Ressourcenschonung leisten k?nnen. Dabei werden heute erkennbare Trends und ausgew?hlte Nischenans?tze des umweltbewussten Verhaltens ambitioniert fortgeschrieben, etwa verst?rktes Car- und Ride-Sharing.….

GreenSupreme: Germany – resource efficient and GHG neutral – Minimierung von THG-Emissionen und Rohstoffverbrauch im Betrachtungszeitraum

Hier soll ein schneller Transformationspfad in Verbindung mit den wirksamsten Annahmen aus den vorgenannten Szenarien aufgezeigt werden, um die kumulierten Treibhausgasemissionen und Rohstoffinanspruchnahme zu verringern.

 

Zentrale Ergebnisse der RESCUE-Studie

Die Green-Szenarien sind in der RESCUE-Studie ver?ffentlicht und wurden im November 2019 auf einer internationalen Konferenz vorgestellt.

Die RESCUE-Studie zeigt, dass Treibhausgasneutralit?t in Deutschland bei gleichzeitiger Reduktion der Prim?rrohstoffinanspruchnahme durch ambitioniertes Handeln m?glich ist. Dazu muss auf allen Ebenen gemeinschaftlich ambitioniert und auf einander abgestimmt vorangeschritten werden. Es reicht dabei nicht aus, dass nur die technischen M?glichkeiten zur Treibhausgasminderung und Reduzierung des Rohstoffkonsums genutzt werden. Es bedarf vielmehr einer breiten Kombination an Strategien zur:

  1. Substitution: Ersetzen von treibhausgas- und ressourcenintensiven Techniken und Produkten durch treibhausgasneutrale bzw. treibhausgas- und ressourcenarme Alternativen.
  2. Vermeidung: Durch Effizienz, Suffizienz und zunehmende Kreislaufführung von Materialien reduzierter Verbrauch von Produkten und Aktivit?ten, die zu geringen Treibhausgasemissionen und niedriger Prim?rrohstoffinanspruchnahme und Ressourcenbeanspruchung führen.?
  3. Senken: Die Entnahme von bereits emittiertem ⁠CO2⁠ aus der ⁠Atmosph?re⁠ durch Kohlenstoffsenken, wie W?lder zur Treibhausgasminderung.

Für einen erfolgreichen ⁠Klimaschutz⁠ müssen natürliche Senken st?rker genutzt werden. Sie stellen jedoch keinen Ersatz für Substitution und Vermeidung dar.?Schon heute besteht so die M?glichkeit einer nachhaltigen CO2-Entnahme aus der Atmosph?re und der M?glichkeit, Synergien zu weiteren Herausforderungen in der Umweltpolitik, bspw. Biodiversit?tsschutz, zu heben.?

Die RESCUE-Studie zeigt, dass für einen angemessenen Beitrag Deutschlands zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 °C und für eine global gerechtere Rohstoffnutzung sehr hohe nationale Anstrengungen entsprechend dem GreenSupreme-⁠Szenario⁠ n?tig sind. Je früher und ambitionierter gehandelt wird, desto ausgewogener ist die Balance zwischen den Strategien Substitution, Vermeidung und Senken für die Gestaltung von ⁠Klima⁠- und Ressourcenschutz. Andernfalls wird ein Punkt überschritten, jenseits dessen das Ziel der Treibhausgasneutralit?t nicht mehr rechtzeitig erreicht werden kann.?

Für eine Entwicklung Deutschlands, die sich am Klima-übereinkommen von Paris orientiert, sind die nationalen Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 1990 um rund 70 % zu mindern. Die aktuellen Politiken und Zielsetzungen der Bundesregierung reichen nicht aus, dass Deutschland seiner Verantwortung gerecht wird. Es ist eine deutliche Ambitionssteigerung der Treibhausgasminderung bis 2030 in Deutschland erforderlich.?

Die Wechselwirkungen zwischen Klima- und Ressourcenschutz erfordern ein übergreifendes Denken und integriertes Handeln. Alle Green-Szenarien vollziehen den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien in allen Bereichen, also Strom, Brennstoffe, Kraftstoffe und Rohstoffe (Ausgangsstoffe) für die chemische Industrie. Der zeitweise Mehrbedarf an Rohstoffen zum Umbau des Energiesystems sollte durch einen Technologiemix und entsprechende technologische Entwicklungen verringert werden. Zus?tzlich sollte der Ausbau der erneuerbaren Energien global koordiniert erfolgen, um Bedarfsspitzen nach einzelnen Materialien m?glichst gering zu halten.

Der Ausstieg aus der Kohleverstromung sollte bis 2030, der vollst?ndige Ausstieg aus der Kohlenutzung (also auch W?rme und Rohstoff in der Industrie) sollte bis sp?testens 2040 erfolgen. Auf die Nutzung fossiler Energietr?ger sollte bis sp?testens 2050 vollst?ndig verzichtet werden.?

Ein gesellschaftliches Umdenken ist notwendig, um ein umweltbewussteres Handeln sowohl bei der Nachfrage als auch beim Angebot sicherzustellen. Hierfür sind politisch die erforderlichen ordnungsrechtlichen, sozialen und ?komischen Rahmenbedingungen zu schaffen sowie bildungspolitische Ma?nahmen zu ergreifen.?

Seitens der Politik bedarf es eines klaren Bekenntnisses zu einer ambitionierten Klima- und Ressourcenschutzpolitik. Es müssen nicht nur ambitionierte Ziele im Klima- und Ressourcenschutz gesetzt werden, sondern es muss der Rahmen dafür geschaffen werden, dass diese auch sicher erreicht werden. Erg?nzend sind entsprechende europ?ische und internationale Entwicklungen erforderlich, die sich am übereinkommen von Paris und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung orientieren. So bedarf es insbesondere der Verankerung von Ressourcenschonung in bi- und multilateralen Abkommen (z.B. Rohstoffpartnerschaften, Handelsabkommen, der Dialog mit multilateralen Organisationen und Plattformen (G7/G20, EU, ⁠UNEP⁠, etc.) sowie der Vereinbarung von international verbindlichen Zielen zur Rohstoffinanspruchnahme bzw. Rohstoffeffizienz.

Deutschland muss Ma?nahmen ergreifen, um globale Treibhausgasminderungen und eine Minderung der Rohstoffinanspruchnahme durch finanzielle, technologische Hilfen und Wissenstransfer zu unterstützen. Der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energietr?ger sowie der Schutz und Ausbau der natürlichen Senken sollte dabei im Fokus stehen. In Deutschland in Verkehr gebrachte Produkte (auch importierte Produkte) sollten hohen Anforderungen an geringen Treibhausgasemissionen und der Materialeffizienz, bezogen auf die gesamte Lieferkette, gerecht werden, um so auch den globalen Wandel zu Klima- und Ressourcenschutz zu st?rken.

Es muss jetzt breit gehandelt werden! Und jeder Beitrag, sowohl in Produktion als auch bei der Nutzung ist wichtig!?

Hier finden sie eine detailliertere Darstellung der zentralen Studienergebnisse.