Sonderbericht des Weltklimarates über Klimawandel und Landsysteme

abwechslungsreiche, hügelige Landschaft mit Wiese, B?umen und Gebüschenzum Vergr??ern anklicken
Land?kosysteme bilden unser Lebensgrundlage und spielen eine wichtige Rolle im globalen Klimasystem.
Quelle: Kati Mattern / UBA

Der IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL) vom August 2019 fasst den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Klimawandel, Wüstenbildung, Landdegradierung, nachhaltigem Landmanagement, Ern?hrungssicherheit und Treibhausgasflüssen in Landsystemen zusammen.

Inhaltsverzeichnis

 

Warum wurde dieser Sonderbericht vom IPCC erstellt?

Der Sonderbericht über ⁠Klimawandel⁠ und Landsysteme (SRCCL) stellt neue gesicherte Erkenntnisse zur Bedeutung der Landsysteme, wie beispielsweise W?lder, Moore und Ackerfl?chen, für das ⁠Klimasystem⁠ bereit. Er erfüllt das Bedürfnis, unter anderem von besonders von Wüstenbildung (Desertifikation) betroffenen L?ndern der Erde, Erkenntnisse zum Zustand und ⁠Trend⁠ mensch-gemachter ⁠Degradierung⁠ der Landsysteme auf globaler Ebene und deren Ver?nderung durch den Klimawandel zu erhalten. Zum anderen haben Staaten, die Aufforstungsprojekte im Rahmen der multi- und bilateralen Klimafinanzierung unter dem ⁠REDD-Mechanismus⁠ unterstützen, Interesse an einem Bericht über die Effektivit?t von Aufforstungen als Klimaschutzma?nahme gezeigt. Der Bericht wird helfen, besser zu verstehen, welche Rolle Landsysteme im ⁠Klimaschutz⁠ spielen und wie ihre Nutzung unter Berücksichtigung dessen nachhaltig gestaltet werden sollte.

 

Was vermittelt der Sonderbericht?

Aus der Sicht des Umweltbundesamtes (⁠UBA⁠) enth?lt der Bericht wichtige Botschaften:

  • Landsysteme sind die Grundlage menschlichen Lebens, aber der Mensch setzt sie durch die Zerst?rung der W?lder, die ⁠Degradierung⁠ der B?den und zus?tzlich durch den ⁠Klimawandel⁠ enorm unter Druck.
  • Landsysteme sind – je nach Art, Umfang und Intensit?t der Nutzung – sowohl Quelle als auch Senke für Treibhausgase.?
  • Der Klimawandel versch?rft die bereits vorhandenen Belastungen der Landsysteme durch Permafrostabbau, Desertifikation und Landdegradierung infolge von Temperaturanstieg, aber auch durch die Wirkungen von Extremereignissen. Die Landdegradierung selbst wird ebenfalls zum Treiber des Klimawandels, etwa weil in entw?sserten Mooren erhebliche Mengen an Treibhausgasen freigesetzt werden.
  • Nachhaltige Entwicklungspfade mit einer verringerten Energienachfrage (z. B. durch eine fleisch-arme Lebensweise) und geringeren Treibhausgasemissionen verringern die Risiken des Klimawandels.?
  • Eine Reihe von land-basierten Handlungsoptionen bieten hohe Treibhausgasminderunspotenziale und minimieren Konflikte zwischen unterschiedlichen Zielen der ⁠Nachhaltigkeit⁠. Bestandteil der Handlungsoptionen sind? unter anderem nachfrageorientierte Ma?nahmen, wie Agroforstwirtschaft, ein verbessertes Bodenkohlenstoffmanagement sowie der Stopp von Entwaldung und Walddegradierung.
  • Landbasierte Klimaschutzma?nahmen sind ein wichtiger Baustein für das 1,5-°C-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens. Die meisten umfassen sowohl gro?fl?chige Aufforstungen als auch den massiven Ausbau von Bioenergie (oft verbunden mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS)). Solche landbasierten Klimaschutzma?nahmen k?nnen den Druck auf Landfl?chen erh?hen und mit negativen Auswirkungen auf Landdegradierung und Ern?hrungssicherung zu Zielkonflikten führen.?
  • Die Rahmenbedingungen für nachhaltige landbasierte Klimaschutzma?nahmen (?gute Regierungsführung“; Governance) müssen in Richtung eines Mehrebenen-Ansatzes auf allen Ebenen und mit allen Stakeholdern, durch die legale Absicherung der Landrechte von Kleinbauern und indigenen Bev?lkerungsgruppen vor allem im globalen Süden, durch die Einpreisung von Umweltkosten und durch die Umlenkung von Investitionsstr?men schnell und effizient umgestaltet werden.
 

Welche Bedeutung hat der Sonderbericht für die internationale, europ?ische und deutsche Klimapolitik?

Vor dem Hintergrund der bisher unzureichenden nationalen Klimabeitr?ge (NDCs) zur Umsetzung des Pariser Abkommens bekr?ftigten die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention auf der COP24 in Kattowitz 2018, dass global mehr Klimaschutzma?nahmen umgesetzt werden müssen. Damit kommen auch die Landsysteme als wichtiger Baustein für die Einhaltung der 1,5 °C-Obergrenze st?rker in den Fokus der Klimapolitik.?

Die Botschaften dieses Sonderberichtes k?nnen dazu beitragen, die NDCs bzw. Ziele und Ma?nahmen sowie langfristige Klimastrategien der Staaten den neuesten Erkenntnissen entsprechend anzupassen.

Der Sonderbericht liefert wichtige Erkenntnisse zur Bestimmung der derzeitigen und zukünftigen CO2-Senken in Landsystemen. Aufgrund der Standortabh?ngigkeit der Senken- und Quellenfunktion und deren negativer oder positiver Beeinflussung durch Art, Umfang und Intensit?t unserer ⁠Landnutzung⁠ ist die Quantifizierung der künftigen globalen Kohlenstoffsenke mit Unsicherheiten verbunden. Dennoch macht der Bericht deutlich, dass Optionen zur Nutzung des Treibhausgasminderungspotenzials für die Einhaltung der 1,5 °C-Obergrenze verfügbar sind, etwa durch die Erhaltung und Verbesserung des Zustandes von natürlichen Kohlenstoffsenken.?

Im vorherigen Sonderbericht zu 1,5°C globaler Erw?rmung (SR1.5) wurden Modellierungen zu CO2-Minderungspotenzialen für verschiedene sozio?konomische Entwicklungspfade vorgelegt, von denen einige auf dem gro?fl?chigen Einsatz von Kohlenstoffentzug durch Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -speicherung (BECCS) und gro?fl?chiger Aufforstung beruhen. Erg?nzend dazu zeigt dieser Sonderbericht auf sehr differenzierte Weise die Minderungspotenziale von Ans?tzen der nachhaltigen Landbewirtschaftung auf, wie beispielsweise Moorschutz und -renaturierung und Walderhalt sowie nachhaltige Landbewirtschaftung, z. B. durch bodenschonende und humusmehrende Bodenbewirtschaftung, ?kolandbau und Agroforstwirtschaft. Die Wirkung dieser lokal differenziert umzusetzenden Ma?nahmenbündel lassen sich nicht ohne weiteres durch fl?chendeckende globale Modellierungen abbilden und quantifizieren. Dieser Sonderbericht hat insofern eine besondere Bedeutung, als er das gro?e Potenzial und die Synergieeffekte dieser lokal angepassten Ma?nahmen mit weiteren Nachhaltigkeitszielen in das Bewusstsein der politischen Entscheidungstr?ger rückt.?

Der Bericht verfeinert damit die im SR1.5 aufgezeigten Handlungsoptionen. Mit der Bezugnahme auf lokal umsetzbare integrierte Handlungsoptionen knüpft der SRCCL auch direkt an die Botschaften des Globalen Berichts zum Zustand der biologischen Vielfalt des Weltbiodiversit?tsrates (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services; IPBES) vom 6. Mai 2019 an.?

Informationsangebot des Umweltbundesamtes zum Sonderbericht

Politikberatung

  • UBA-Webinar für die Politikberatung

    Das Umweltbundesamt und Fachexperten stellten ausgew?hlte Botschaften des IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL) im klima- und umweltpolitischen Kontext in einem deutsch-sprachigen Webinar vor. Diese Webinare richteten sich an die Zielgruppe der Expertinnen und Experten aus Deutschland mit Vorwissen zu Klimaschutz und Landnutzung, die in der Information und Beratung von Entscheidungstr?gerinnen und Entscheidungstr?gern in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft für den Umwelt- und Klimaschutz t?tig sind. Fragen der Teilnehmenden wurden im Webinar mündlich beantwortet.

    Informationen zum Webinar

  • überblicksinformation: Inhalt des Webinars für die nationale Politikberatung

    Die Pr?sentation zum deutschsprachigen Webinar für Politikberatende ?Politikrelevante Erkenntnisse des IPCC-Sonderberichtes über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL)“ vom 06. September 2019 zeigt die für diese Zielgruppe vom UBA ausgew?hlten und pr?sentierten Informationen aus dem SRCCL. Sie enth?lt Hinweise des UBA zu den Implikationen der wissenschaftlichen Botschaften des IPCC für die deutsche und europ?ische Klimapolitik.

    Pr?sentation UBA-Webinar Politikberatung zum SRCCL vom 06.09.2019

  • Detailinformationen

    Das Webinar für Politikberatende kann hier in voller L?nge angesehen werden.

    Mitschnitt des Webinars anschauen (youtube-Video)