Zu erwartende Klima?nderungen bis 2100

Atmosph?re, halbe Erdkugel vom Weltall aus gesehenzum Vergr??ern anklicken
Modellrechnungen zeigen die M?glichkeit gravierender Klima?nderungen in diesem Jahrhundert.
Quelle: Kobes / Fotolia.com

Zur Untersuchung denkbarer Entwicklungen des Klimas in der Zukunft werden detaillierte numerische Klimamodelle genutzt. Damit führen die Fachleute umfangreiche Simulationen auf der Basis unterschiedlicher Emissionsszenarien durch. Die Ergebnisse derartiger Simulationen werden als Klimaprojektionen bezeichnet. Sie erm?glichen Aussagen über eine Bandbreite m?glicher künftiger Klima?nderungen.

Globale Klima?nderungen bis 2100

Der anthropogene ?Treibhauseffekt? verursacht Ver?nderungen im ?Klimasystem?. Deren Ausma?e und Auswirkungen für die Zukunft k?nnen nur durch Modellrechnungen nachgebildet werden, da vielf?ltige und komplexe Wechselwirkungen berücksichtigt werden müssen. Aus Szenarien-Rechnungen lassen sich folgende m?gliche zu erwartende Klima?nderungen für das 21. Jahrhunderts ableiten.

Bis zum Jahr 2100 wird – abh?ngig von den zukünftigen Treibhausgasemissionen – von einem mittleren globalen Temperaturanstieg zwischen 1,6 und 4,7 Grad Celsius gegenüber dem Zeitraum 1850-1900 ausgegangen (IPCC, 2014). Eine solche Temperatur?nderung w?re gr??er als alle w?hrend der letzten Jahrhunderte beobachteten natürlichen Temperaturschwankungen. Sie erfolgt mit einer Schnelligkeit, wie sie in den letzten 10. 000 Jahren nicht vorkam.

Werden die Treibhausgasemissionen nicht verringert, ist eine Erw?rmung um 0,2 Grad Celsius pro Dekade für die n?chsten 30 Jahre sehr wahrscheinlich. Selbst bei einer Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen bis 2100 wird sich das ⁠Klima⁠ über das 21.? Jahrhundert hinaus ?ndern und insbesondere der Meeresspiegel weiter steigen. Der Meeresspiegel reagiert wegen der gro?en W?rmeaufnahmekapazit?t langsamer auf den ⁠Klimawandel⁠. Einmal eingetretene Ver?nderungen werden dann aber über viele Jahrhunderte anhalten. Im Vergleich zum Zeitraum von 1980 bis 1999 wird bis zum Ende des 21.? Jahrhunderts von einem Anstieg des Meeresspiegels für ein niedrigeres ⁠Szenario⁠ zwischen 18 und 59 Zentimetern und für ein h?heres Szenario zwischen 26 und 59 Zentimetern ausgegangen (IPCC, 2007). Aktuelle Beobachtungen zeigen beschleunigte Eisdynamik in polaren Gebieten, die noch nicht in den Klimamodellen berücksichtigt sind. In jüngeren Fachver?ffentlichungen (nach dem IPCC Bericht 2007) weisen die Projektionen h?here Werte auf. So wird nach Erkenntnissen des AMAP (Arctic ⁠Monitoring⁠ and Assessment Program, Mai 2011) bis 2100 mit einem Anstieg von 0,90 bis 1,60 Metern gerechnet. Insgesamt sind die Aussagen über die zu erwartende Entwicklung des Meeresspiegels noch immer sehr unsicher.

Ganze Kontinente und Meeresbecken weisen deutliche Klima?nderungen auf. Modelle zeigen, dass sich diese Trends auch im 21.? Jahrhundert fortsetzen.

  • Arktis: Die durchschnittlichen Temperaturen stiegen in den vergangenen 100 Jahren doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.
  • Meereis: Satellitendaten zeigen seit 1978, dass die durchschnittliche j?hrliche Ausdehnung um 2,7 Prozent pro Jahrzehnt geschrumpft ist, im Sommer sogar um 7,4 Prozent.
  • Niederschl?ge: Von 1900 bis 2005 wurden in vielen Regionen langfristige Ver?nderungen beobachtet, Zunahme der Niederschl?ge wie auch Austrocknung und Dürren.
  • Meteorologische Extremereignisse: Die H?ufigkeit von Starkniederschl?gen hat zugenommen. Kalte Tage und N?chte sowie Frost sind seltener und hei?e Tage und N?chte sowie Hitzewellen sind h?ufiger geworden.
  • Regionale ⁠Klima?nderung⁠: Die r?umliche Verteilung des Erw?rmungstrends der letzten 50? Jahre wird sich ohne ⁠Klimaschutz⁠ fortsetzen, insbesondere die Landmassen und die hohen n?rdlichen Breiten sind betroffen. Danach steigen die Temperaturen dort st?rker als im globalen Durchschnitt. Damit würde die für den gr?nl?ndischen Eisschild kritische Temperaturschwelle erheblich überschritten. Er würde bei anhaltend hoher Erw?rmung komplett abschmelzen und den Meeresspiegel langfristig um sieben Meter steigen lassen. Die pal?oklimatische Information hierzu ist verl?sslich: Eine ?hnlich hohe Temperatur herrschte in dieser Region vor 125.000 Jahren in der letzten Zwischeneiszeit. Gerade aus der pal?oklimatischen Perspektive hat die jüngste, rasche Erw?rmung binnen 150 Jahren einen ?unnatürlichen Charakter“.

Neben diesen allm?hlichen klimatischen Ver?nderungen k?nnten auch schnelle ?nderungen im ⁠Klimasystem⁠ erfolgen, die als abrupte Klima?nderungen bezeichnet werden. Sie gehen mit gravierenden Auswirkungen einher. Nach heutigem Wissensstand wird das Eintreten eines solchen Ereignisses für die n?chsten Jahrzehnte als gering wahrscheinlich eingesch?tzt. Das tats?chliche Risiko für das Eintreten einer abrupten Klima?nderung l?sst sich allerdings schwer einsch?tzen, da es sich um nichtlineare Prozesse handelt und die kritischen Grenzen nicht exakt bekannt werden k?nnen. Beispiele m?glicher Ereignisse abrupter Klima?nderungen sind:

  • Zusammenbruch der thermohalinen Zirkulation (Abbruch des Golfstroms) infolge Erw?rmung oder Verdünnung des salzreichen Wassers im Nordatlantik,
  • Zerfall des West-Antarktischen Eisschildes und damit einhergehender Meeresspiegelanstieg um einige Meter,
  • beschleunigtes Abschmelzen des Gr?nl?ndischen Eisschildes und damit Einleitung eines irreversiblen Abschmelzprozesses,
  • steigendes Risiko des Auftauens von Permafrostb?den und damit Freisetzung gro?er Methanmengen durch zunehmende Erw?rmung,
  • zus?tzliche Freisetzung von Kohlendioxid und damit Verst?rkung des Klimawandels durch gro?fl?chiges Absterben des Regenwaldes zum Beispiel im Amazonasgebiet.

Um eine gef?hrliche anthropogene St?rung des Klimasystems zu verhindern, ist es erforderlich, die globale Temperaturerh?hung langfristig auf maximal zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, wie beispielsweise der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltver?nderungen (WBGU) in seinem Sondergutachten zeigt (WBGU, 2003). Wissenschaftliche Ergebnisse (IPCC, 2004) weisen darauf hin, dass dieses Temperaturlimit mit hinl?nglich gro?er Sicherheit nur unterschritten werden k?nnte, falls es gel?nge, die Treibhausgaskonzentration bei 400? ⁠ppm⁠ CO2-?quivalenten zu stabilisieren. Um eine derartige Stabilisierung zu erreichen, ist es erforderlich, dass die globalen Emissionen noch h?chstens etwa bis zum Zeitraum 2015 bis 2020 steigen dürfen, um dann bis 2050 auf unter die H?lfte des Niveaus von 1990 zu sinken. Nach dem Sondergutachten des WBGU (WBGU, 2003) müssen deutliche Minderungen nicht nur von Kohlendioxid, sondern auch der anderen Treibhausgase (insbesondere von Methan und Lachgas sowie der fluorierten Verbindungen) und anderer indirekt klimawirksamer Stoffe (zum Beispiel Ru?) erfolgen.

Damit diese Lasten fair verteilt werden, ist es notwendig, dass die Industriel?nder ihre Treibhausgasemissionen um 80 Prozent bis 2050 gegenüber 1990 mindern.

Klima?nderungen in Europa bis 2100

Aus Szenarienrechnungen werden folgende wesentliche Klima?nderungen abgeleitet:

  • Mittlere Temperaturzunahmen von 1990 bis Ende des 21. Jahrhunderts um 1,0 bis 5,5 Grad Celsius, wobei die Erw?rmung in Ost- und Nordeuropa im Winter und in Südwesteuropa und dem Mittelmeerraum im Sommer am st?rksten ausf?llt (EEA, 2008),
  • Die Temperaturzunahme kann in Teilen Frankreichs und der Iberischen Halbinsel sechs Grad Celsius übersteigen (EEA, 2008),
  • Allgemein nehmen die j?hrlichen Niederschl?ge in Nordeuropa zu und in Südeuropa ab. Jahreszeitlich werden insbesondere im Winter zunehmende Niederschl?ge für Mittel- und Nordeuropa projiziert, w?hrend die Projektionen für viele Teile Europas trockenere Sommer zeigen.
  • Hitzewellen werden h?ufiger, intensiver und dauern l?nger. Im Winter nehmen die kalten und Frosttage weiter ab. Am st?rksten werden die Iberische Halbinsel, Mitteleuropa einschlie?lich des Alpenraumes, Ostküste der Adria und Südgriechenland durch extreme Temperaturen beeinflusst.
  • Starkniederschlagsereignisse nehmen in ganz Europa weiterhin zu. Besonders in Südeuropa nehmen Dürreperioden in ihrer Andauer und H?ufigkeit zu.

Insgesamt ist zu erwarten, dass vor allem der Süden Europas durch negative Effekte als Folge von Klima?nderungen betroffen sein wird. Besonders in mediterranen Regionen werden Wüstenbildung, Wasserknappheit und Waldbr?nde zunehmen.