Klima der Arktis

Abschmelzen des Muir Gletschers in Alaska 1941 und 2004zum Vergr??ern anklicken
Abschmelzen des Muir Gletschers in Alaska, linkes Bild 13. August 1941, rechtes Bild 31. August 2004
Quelle: 1941 U. W. O. Field 2004 B. F. Molnia und Glacier Photograph Collection National Snow and Ice Data Center/World Data Center for Glaciology

Da die Arktis keine klar festgelegten Au?engrenzen hat, wird sie oft über klimatische Kriterien definiert: Alle Gebiete n?rdlich einer Temperaturlinie an der die mittlere Monatstemperatur im Juli die 10°-Celsius-Marke nicht überschreitet, werden als arktische bezeichnet. Doch selbst innerhalb dieser Grenze ist das Klima der Arktis nicht überall gleich – und es ist extrem anf?llig für St?rungen.

Inhaltsverzeichnis

 

Klima des ewigen Frostes

Die n?rdliche Polkappe ist eine Eiswüste und durch ein ?Klima des ewigen Frostes“ gepr?gt. W?hrend des Polarwinters steigt die Sonne oft wochenlang nicht über den Horizont, das Nordpolarmeer ist mit Eis bedeckt und der Boden tiefgründig gefroren (⁠Permafrost⁠). W?hrend des relativ kurzen Sommers erreichen die Sonnenstrahlen die Erdoberfl?che auch nur in einem flachen Winkel – es reicht jedoch aus, um den Boden oberfl?chlich tauen zu lassen und das Meereis in gro?en Teilen zu schmelzen. In der Hocharktis – den n?rdlichsten Meeres- und Landgebieten – jedoch bleiben Land und Meer nahezu ganzj?hrig von Schnee und Eis bedeckt. W?hrend des Winters kommt es durch kalte Festlandsluftmassen zu Temperaturen von bis zu -50°C. Im Sommer hingegen werden vor allem in der Tundra auch Temperaturen um 20°C erreicht.

 

Gro?e regionale Unterschiede

Schwankungen im ⁠Wetter⁠- und Klimageschehen sind in der Arktis keine Seltenheit. Hinsichtlich der Temperaturen gibt es gro?e regionale Unterschiede, die von vielen Faktoren abh?ngen: der L?nge der Polarnacht und des Polartages, damit verbunden dem Einfallswinkel der Sonnenstrahlen, der N?he zum Meer mit warmen und kalten Meeresstr?mungen, der Niederschlagsmenge, und nicht zuletzt der Absorption der Sonnenstrahlen bedingt durch die hohe Albedo von Eis. Der k?lteste Punkt der Arktis ist daher nicht der Nordpol, sondern mit -77,8°C der nordostsibirische Ort Oimjakon. Auf der Eiskappe Gr?nlands herrscht im Winter eine Durchschnittstemperatur von -33°C – verglichen damit ist es in den angrenzenden Küstengebieten zur gleichen Zeit mit durchschnittlich -7°C relativ warm.

In gem??igten Breiten fallen durchschnittlich Jahresniederschl?ge von 400 mm – in der Hohen Arktis sind es dagegen nicht mehr als 200 mm, der überdies als Schnee auf die Erde f?llt.?

Für das ⁠Klima⁠ der Arktis spielen vor allem der Druck an der Oberfl?che und die angrenzenden Ozeane eine bedeutende Rolle. Luftdruckzentren über dem Meer und dem Land beeinflussen das Wetter. Besonders w?hrend der Wintermonate sorgen die unterschiedlichen Temperaturen von Wasser und Landmassen im Nordpazifik und Nordatlantik für starke Stürme, da sich das Land im Winter schneller abkühlt, wohingegen das Wasser W?rme l?nger speichern kann.

Ein typisches Ph?nomen der Arktis sind Nebelb?nke. Diese treten besonders im Bereich der sogenannten Arktischen Konvergenz auf. In dieser Zone sinkt das k?ltere arktische Meerwasser unter das w?rmere subarktische Meerwasser.

 

Die Arktis als ?Frühwarnsystem“ für den Klimawandel

Die Arktis ist eine der am st?rksten vom ⁠Klimawandel⁠ betroffenen Regionen: Luft- und Wassertemperatur steigen deutlich schneller als im globalen Durchschnitt. Im Mittel betrug der Temperaturanstieg im 20. Jahrhundert in der Arktis etwa 2° C – in manchen Regionen sind die Lufttemperaturen sogar um 5°C gestiegen. Auch für die Zeit bis 2100 gehen Klimaforscher von einer weiteren Erw?rmung bis etwa 6° C aus. Die Folgen dieser Erw?rmung sind weitreichend: In den letzten Jahrzehnten ist ein drastischer Rückgang des arktischen Meereises zu beobachten. Die ?Eisdecke des Nordpolarmeeres schrumpft w?hrend der Sommermonate nicht nur in ihrer Ausdehnung, sondern auch in ihrer Dicke. Im September 2012 betrug die Meereisausdehnung 3,41 Millionen Quadratkilometern – das bisherige absolute Minimum und gleichzeitig in etwa nur die H?lfte der durchschnittlichen Ausdehnung der Jahre 1979 bis 2000 zur Zeit des j?hrlichen Minimums. Auch die Dicke des Eises hat Auswirkungen: Dünnes Eis bricht – beispielsweise bei Stürmen – leichter auf und schmilzt schneller. Dementsprechend sinkt auch der Anteil an mehrj?hrigem Eis auf der Meeresoberfl?che. Setzt sich dieser ⁠Trend⁠ auf lange Sicht fort, ist davon auszugehen, dass in wenigen Jahrzehnten der Arktische Ozean zumindest w?hrend der Sommermonate weitgehend eisfrei sein wird. Bereits jetzt sind Nordost- und Nordwestpassage w?hrend der Sommermonate teilweise mit Schiffen befahrbar.

Weitere Folgen des globalen Klimawandels sind ein langsames Auftauen der Permafrostb?den: Seit 1990 hat sich die maximale Fl?che an gefrorenem Boden auf der Nordhalbkugel um sieben Prozent verringert. Dadurch k?nnen Küstengebiete erodieren und neue Feuchtgebiete entstehen. Aus dem tauenden Boden entweicht zudem mehr ⁠CO2⁠ und Methan, was den Klimawandel weiter vorantreibt. Darüber hinaus nehmen Niederschl?ge – vor allem in Form von Regen – seit Jahren zu. Wenn Regen auf Schnee f?llt, wird dadurch eine schnellere Schneeschmelze verursacht. Laut einem Bericht zu den Auswirkungen des Arktischen Klimas (Arctic Climate Impact Assessment), den der Arktische Rat in Auftrag gegeben hat, werden die Niederschl?ge in den kommenden Jahrzehnten insgesamt – besonders jedoch w?hrend der Herbst- und Wintermonate – zunehmen.

Nicht zuletzt wirken sich die steigenden Temperaturen auch auf die Gletscher der Arktis aus, die sich gr??tenteils auf Gr?nland befinden. Nach der Antarktis weist Gr?nland den zweitgr??ten Eisschild der Erde auf. In Folge des Klimawandels schmilzt derzeit auf einem Viertel der Insel das Eis, ohne dass dieses vollst?ndig nachgebildet wird, was zu einem enormen Massenverlust von mehreren Milliarden Tonnen Eis pro Jahr führt.

Insgesamt führen die Auswirkungen der Klimaver?nderung zu diversen Rückkoppelungsmechanismen – das hei?t, durch die Erw?rmung bedingte Folgen haben wiederum Auswirkungen auf den Umfang der weiteren Erw?rmung. So bewirkt beispielsweise ein Abschmelzen des Meereises auf dem Arktischen Ozean, dass dieser sich durch Sonneneinstrahlung schneller erw?rmen kann, was wiederum zur schnelleren Eisschmelze auf dem Ozean beitr?gt.

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