Umweltbewusstsein in Deutschland

Menschen gehen in einem Park spazieren.zum Vergr??ern anklicken
Zu einem guten Leben geh?rt für die meisten Menschen eine intakte Umwelt unbedingt dazu.
Quelle: LauraTara / pixabay.com

Für zwei Drittel der Bev?lkerung stellt der Umwelt- und Klimaschutz eine grundlegende Bedingung dar, um Zukunftsaufgaben zu bew?ltigen. Es gibt gro?e Zustimmung für mehr Umwelt- und Klimaschutz in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Verkehr. Die Daten zu Umwelteinstellungen und -verhalten werden im Zweijahresrhythmus erhoben und in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen gestellt.

Umwelt- und ⁠Klimaschutz⁠ als zentrale Herausforderung

Zus?tzlich zu der turnusgem??en Befragung im Jahr 2018 fand im Frühsommer 2019 eine Zwischenerhebung mit zentralen Zeitreihen-Fragen statt.
Unter den Problemen, denen sich Deutschland sowohl im Jahr 2018 als auch 2019 gegenübersieht, sind Umwelt- und Klimaschutz für die Menschen eine priorit?re Herausforderung.
Im Vergleich zur Vorg?ngerstudie l?sst sich erkennen, dass die Bedeutung in den Augen der Bev?lkerung zugenommen hat: W?hrend 2016 rund die H?lfte aller Befragten angaben, dass Umwelt- und Klimaschutz eine sehr wichtige Herausforderung sei, sind es 2018 mit 64 Prozent sowie 2019 mit 68 Prozent deutlich mehr.
Auch die Priorisierung weiterer Herausforderungen hat sich signifikant ge?ndert. Im Jahr 2016 wurden Kriege und Terrorismus, Zuwanderung und Migration, Kriminalit?t und ?ffentliche Sicherheit sowie soziale Gerechtigkeit als wichtigste Probleme benannt. Im Jahr 2019 dagegen sch?tzen die Befragten neben sozialer Gerechtigkeit (63 Prozent; 2018: 65 Prozent) den Zustand des Bildungswesens (65 Prozent; 2018: 69 Prozent) und den Umwelt- und Klimaschutz als wichtigste Herausforderungen ein.

Sorgen um die Umweltqualit?t

Die Umweltqualit?t in Deutschland wird im Vergleich zu früheren Studien schlechter eingesch?tzt. So bewerten in 2019 insgesamt 76 Prozent der Befragten die Umweltqualit?t in ihrer eigenen Stadt oder Gemeinde als sehr gut oder recht gut, in Bezug auf ganz Deutschland sind es 60 Prozent. Sowohl die lokale als auch die bundesweite Bewertung ist in 2019 und 2018 im Vergleich zu 2016 um einige Prozentpunkte geringer ausgefallen.
Besonders divergiert die Bewertung der Umweltqualit?t zwischen Inland und Ausland. So sch?tzen nur 7 Prozent die weltweite Umweltqualit?t als gut ein, w?hrend 93 Prozent sie als eher schlecht oder schlecht einstufen.

Kritische Bewertung der Leistung relevanter Akteure

Das Engagement zentraler Akteure für den Umwelt- und Klimaschutz wurde 2018 und 2019 deutlich schlechter bewertet als in den früheren Erhebungen. Nur 18 Prozent der Befragten meinten 2019, dass die Bundesregierung genug für den Umwelt- und Klimaschutz tue. Elf Prozent sind der Auffassung, die Industrie tue genug, und 27 Prozent der Befragten meinen, dass die Bürgerinnen und Bürger genug tuen, um die Umwelt zu schützen.
Mit Ausnahme der Umweltverb?nde zeigt sich eine gro?e Unzufriedenheit der Menschen mit dem umweltpolitischen Engagement relevanter Akteure. Zwar gab es auch bei den Umweltverb?nden einen Rückgang um zehn Prozentpunkte gegenüber 2016. Aber mit 70 Prozent der Befragten gibt es in 2019 – wie auch in den Vorjahren – mehrheitlich die Ansicht, die Umweltverb?nde tuen genug für den Umwelt- und Klimaschutz.

Dringlichkeit der Energiewende

Ein Gro?teil der Befragten ist im Jahr 2018 der Ansicht, dass die Energiewende in Deutschland zu langsam vorangeht und ihre Kosten zu ungleich verteilt sind. 60 Prozent der Befragten stimmen zu, dass die Energiewende dazu beitr?gt, den Aussto? von Treibhausgasen in Deutschland zu senken. Den Befragten sind bezüglich der Energiewende folgende drei Aspekte in absteigender Reihenfolge am wichtigsten: Ein deutlicher und schneller Rückgang des Treibhausgasaussto?es in Deutschland, eine gerechte Verteilung der Kosten und positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.
Rund 90 Prozent der Befragten finden es in Ordnung, wenn durch die Energiewende bestimmte Industriezweige umstrukturiert werden, zum Beispiel der Kohlebergbau. Etwa ebenso viele befürworten die Schaffung neuer Arbeitspl?tze in Regionen, die von einem Kohleausstieg betroffen w?ren. ?nderungen der ?konomischen Rahmenbedingungen, zum Beispiel den Abbau klimasch?dlicher Subventionen oder die Verteuerung der ⁠CO2⁠-Emissionsrechte, werden als Ma?nahmen der Energiewende ebenfalls stark befürwortet.
Am meisten dazu beitragen, dass die Energiewende in Deutschland gelingt, k?nnen nach Einsch?tzung der Befragten die Regierungen von Bund und L?ndern, jede und jeder Einzelne sowie energieintensive Industrieunternehmen. Die Energiewende wird also als Gemeinschaftswerk von Staat, Wirtschaft und Bev?lkerung gesehen.

Die Rolle der Landwirtschaft

Die Auswirkungen der Landwirtschaft auf Umwelt und Natur sehen viele der Befragten in 2018 kritisch. So wird von 65 Prozent der Rückgang der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren und von 63 Prozent die Umweltbelastungen durch Pflanzenschutzmittel als sehr gro?e Problem eingesch?tzt. 56 beziehungsweise 53 Prozent der Befragten nennen die Belastung von Gew?ssern und Trinkwasser durch überdüngung oder das Aufbringen von Gülle sowie die Beeintr?chtigung der Bodenqualit?t, zum Beispiel durch Monokulturen, als sehr problematisch.
Gefragt nach ihren Pr?ferenzen für die zukünftige Landwirtschaft – in Form einer Rangfolge – geben 45 Prozent an, dass ihnen m?glichst geringe Umwelt- und Klimabelastungen am wichtigsten sind. 43 Prozent nennen die Versorgung der Menschen mit einer Vielfalt an hochwertigen und gesunden Lebensmitteln als oberste Priorit?t.
Allerdings haben die Befragten mehrheitlich (86 Prozent) den Eindruck, dass sich die Landwirtschaftspolitik an den Interessen der Industrie orientiert. Dass sich die aktuelle Agrarpolitik am Umwelt- und Klimaschutz orientiert, meinen nur 22 Prozent der Befragten.
Strengere Regelungen beim Tierschutz und bei Verst??en gegen Umweltgesetze sowie h?here Umweltauflagen bei Pflanzenschutz- und Düngemitteln werden deutlich befürwortet.
Laut mehrheitlicher Auffassung der Befragten ist der Staat einer der drei Akteure, der die gr??te Einflussm?glichkeit für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft besitzt. Als zweitwichtigster Akteur für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft wird, noch vor den Landwirtinnen und Landwirten, jeder und jede Einzelne genannt.

Notwendigkeit einer Verkehrswende

Auch in der Verkehrspolitik sollte der Schutz von Umwelt und ⁠Klima⁠ nach mehrheitlicher Meinung der Befragten (53 Prozent) eine übergeordnete Bedeutung einnehmen. So geben im Jahr 2018 50 Prozent der Befragten an, dass eine geringe Belastung des Klimas und der Umwelt die h?chste Priorit?t bei der zukünftigen Verkehrsplanung einnehmen sollte. Mit 40 Prozent wird am zweith?ufigsten die kostengünstige Mobilit?t und mit 10 Prozent die wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerbsf?higkeit genannt.
über 80 Prozent der Befragten meinen, dass die Verringerung von L?rm, Abgasen und Feinstaub im Stra?enverkehr sowie die Erhaltung von Naturfl?chen wichtig sind.
Die zentralen Motive, die Wege im Alltag mit ?ffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen, sind mit jeweils 55 Prozent, die Fahrzeit sinnvoll nutzen zu k?nnen und damit etwas für den Umwelt- und Klimaschutz zu tun. Jeweils rund 80 Prozent der Befragten geben als zentrale Motive, das Fahrrad für die Wege im Alltag zu nutzen, Spa? und gesundheitliche Aspekte an. Für zwei Drittel sind die geringen Kosten sowie der Klima- und Umweltschutz Beweggründe.
Drei Gründe, das Auto für Wege im Alltag zu verwenden, werden von jeweils gut 60 Prozent der Befragten genannt: Dass mit dem Auto mehrere im Alltag notwendige Wege verbunden werden k?nnen, Ziele mit anderen Verkehrsmitteln nur schlecht erreichbar sind und durch die Nutzung des Autos Zeit gespart wird.
Der Studie zufolge stimmt rund die H?lfte der Bev?lkerung voll und ganz zu, dass der ?ffentliche Nahverkehr viel kostengünstiger werden muss, mehr für diesen getan werden sollte und die Fahrradwege ausgebaut und sicherer werden müssen.

Regelm??ige Repr?sentativbefragungen zum Umweltbewusstsein der deutschen Bev?lkerung

Im Mai 2018 ver?ffentlichte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (⁠BMU⁠) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt (⁠UBA⁠) zum zw?lften Mal die Ergebnisse seiner Repr?sentativumfrage zum Umweltbewusstsein in Deutschland. Im Zweijahresrhythmus werden seit 1996 Daten zu Umwelteinstellungen und -verhalten erhoben und in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen gestellt. Diese sind eine wichtige Grundlage für die Gestaltung von Umweltpolitik und Umweltkommunikation. Für die Repr?sentativerhebung wurden zwei Erhebungswellen mit jeweils rund 2000 Befragten sowie ein Pre-Test mit 500 Teilnehmenden durchgeführt. Die Befragung erfolgte anhand eines standardisierten Online-Fragebogens durch das Feldinstitut Forsa.
Für das Jahr 2019 fand eine zus?tzliche Zwischenerhebung zu zentralen Zeitreihen-Fragen bei einer repr?sentativen Stichprobe von rund 2000 Personen statt.
Im Rahmen der Umweltbewusstseinsstudie 2018 wurde ein Messinstrument entwickelt, das drei zentrale Dimensionen des Umweltbewusstseins abbildet: Umweltaffekt, Umweltkognition sowie Umweltverhalten – also die emotionale Beteiligung, die rationale Einsch?tzung sowie das aktive Handeln. Mit diesem Messinstrument kann das Umweltbewusstsein zukünftig in kompakten Kennziffern auszudrückt und einheitlich erhoben werden.

<>