Schienenverkehrsl?rm

Güterzüge auf einem Rangierbahnhofzum Vergr??ern anklicken
Schienenverkehr hat ?kologische Vorteile – laut ist er trotzdem.
Quelle: Rick Sargeant / Fotolia

Bei der ansonsten umweltschonender Bahn ist der L?rm das gravierendste Umweltproblem. Er wird zunehmend zum Hemmschuh für den Ausbau des Schienennetzes und gef?hrdet das politische Ziel, mehr Verkehr von der Stra?e auf die Schiene zu verlagern.

Inhaltsverzeichnis

 

Was ist Schienenverkehrsl?rm?

Schienenverkehrsl?rm ist der L?rm der durch den Betrieb von Fahrzeugen auf Schienenwegen (Schienenwege der Eisenbahnen und Stra?enbahnen, auch Rangier- und Umschlagbahnh?fe), entsteht. L?rm von abgestellten Schienenfahrzeugen oder Ger?usche von Betriebs- oder Werksgel?nden z?hlen nicht zum Schienenverkehr. Dieser L?rm ist Gewerbel?rm. Eine Unterscheidung der L?rmquellen findet sich im Umweltleitfaden VI des Eisenbahn-Bundesamtes.

 

Ger?uschbelastung durch Schienenverkehr

Der Schienenverkehr ist eine bedeutende L?rmquelle in Deutschland. über ein Drittel der deutschen Bev?lkerung fühlt sich durch Schienenverkehrsl?rm gest?rt oder bel?stigt. Das geht aus der repr?sentativen Umfrage mit etwa 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum ?Umweltbewusstsein in Deutschland 2018“ hervor. Problematisch sind vor allem ?Hotspots“ entlang der europ?ischen Güterverkehrskorridore, mit r?umlich konzentrierten, extrem hohen Belastungen - z.B. im Mittelrhein- oder im Elbtal.

Mit der EU-Umgebungsl?rmrichtlinie wurde 2017 die Ger?uschbelastung der Bev?lkerung?durch Eisenbahnstrecken in Ballungsr?umen mit mindestens 100.000 Einwohnern und an Bahnlinien mit einem ⁠Verkehrsaufkommen⁠ von mindestens 30.000 Zügen pro Jahr erfasst. Demnach sind rund 1,0 Million Menschen in Deutschland ganztags Pegeln von mehr als 65 dB(A) ausgesetzt. Nachts sind über 2,0 Millionen Menschen mit Pegeln von mehr als 55 dB(A) belastet (siehe Indikator).

Die Kartierung der EU-Umgebungsl?rmrichtlinie erfasst jedoch nicht alle Belastungen durch den Schienenverkehrsl?rm. Das Eisenbahn-Bundesamt kartiert L?rm, der von Schienenwegen von Eisenbahnen des Bundes ausgeht und es werden nur die Verkehrszahlen, nicht jedoch die Verkehrsarten (Güter- beziehungsweise Personenverkehr) betrachtet. Dies kann beispielsweise an reinen Güterverkehrsstrecken dazu führen, dass diese trotz hoher Ger?uschbelastung nicht kartiert werden.

 

L?rmschutz beim Neubau oder der wesentlichen ?nderung eines Schienenweges

Eine generelle Regelung zum Schutz vor Schienenverkehrsl?rm gibt es in Deutschland nicht. Lediglich beim Neubau oder einer wesentlichen ?nderung eines Schienenweges, wenn zum Beispiel der Schienenweg um ein durchgehendes Gleis baulich erweitert wird, sind die in der Verkehrsl?rmschutzverordnung festgelegten Immissionsgrenzwerte einzuhalten (L?rmvorsorge). Die Verordnung enth?lt auch die Vorschrift, nach der die Ger?uschbelastung vor den Geb?uden der Betroffenen berechnet wird (Beurteilungsverfahren). Die Berechnung nach der Richtlinie zur Berechnung der Schallimmissionen von Schienenwegen (Schall 03) ist zwingend vorgeschrieben, Messungen sind nicht vorgesehen.

Einfluss auf den L?rm haben unter anderem die Anzahl und Art der Schienenfahrzeuge, deren Geschwindigkeit, die Fahrbahnart (z.B. Schwellengleis, Feste Fahrbahn) und der Abstand von Geb?uden zum Schienenweg. Ger?uschbelastungen, die von Rangier- und Umschlagbahnh?fen stammen, werden seit dem 1. Januar 2015 ebenfalls nach der Schall 03 berechnet.

überschreitet die errechnete Belastung (Beurteilungspegel) die festgelegten Grenzwerte, sind Schallschutzma?nahmen erforderlich, z.B. Schallschutzw?nde, Schallschutzw?lle oder Schallschutzfenster. Bauliche Schallschutzma?nahmen am Schienenweg haben Vorrang. Wenn allerdings die Kosten für diese Schutzma?nahmen unverh?ltnism??ig hoch sind, sind Schallschutzma?nahmen an den betroffenen Geb?uden als letzte M?glichkeit vorzusehen. Die abschirmende Wirkung von Schallschutzw?nden oder -w?llen wird auch nach der Schall 03 berechnet. Die Berechnung der erforderlichen Schalld?mmung der Au?enw?nde und Fenster erfolgt nach der Verkehrswege-Schallschutzma?nahmenverordnung.

Neubau und oft auch erhebliche bauliche Eingriffe erfordern ein Planfeststellungsverfahren. In diesem Verfahren k?nnen die von der ⁠Planfeststellung⁠ betroffenen Personen ihre Rechte und Interessen geltend machen. Dabei sind Fristen zu beachten.

 

L?rmsanierung

Auch wenn für den L?rmschutz an bestehenden Schienenwegen explizit keine verbindlichen Regelungen vorhanden sind, bestehen gegebenenfalls M?glichkeiten, L?rmschutzma?nahmen durchzuführen. L?rmschutz an bestehenden Schienenwegen wird als L?rmsanierung bezeichnet. Sie wird als freiwillige Leistung des Bundes nach Haushaltsrecht gew?hrt.

Im Gegensatz zur Vorsorge beim Neubau oder der wesentlichen ?nderung von Schienenwegen sind die Immissionswerte bei der L?rmsanierung nicht so anspruchsvoll. Die Immissionsgrenzwerte der Richtlinien für den Verkehrsl?rmschutz an Bundesfernstra?en in der Baulast des Bundes (siehe Dokumente rechte Spalte) werden auch für die L?rmsanierung beim Schienenverkehr herangezogen. Die Art der L?rmschutzma?nahmen entspricht denen der L?rmvorsorge.

 

Ger?uschgrenzwerte für Schienenfahrzeuge

Europaweit einheitliche Ger?uschgrenzwerte für neue Schienenfahrzeuge sind in der ?Technischen Spezifikation für die Interoperabilit?t zum Teilsystem ?Fahrzeuge – L?rm“ (TSI Noise 2019) festgelegt. Für Schienenfahrzeuge, die vor dem Inkrafttreten der ersten TSI Noise 2006 in Betrieb genommen wurden, existieren keine Ger?uschgrenzwerte. Auf Basis der Interoperabilit?ts-Richtlinie behalten die Inbetriebnahme-Genehmigungen für diese Fahrzeuge bis auf Weiteres ihre Gültigkeit. Für Bestandsfahrzeuge gilt die aktuelle TSI Noise bisher nicht, jedoch gibt es zur Zeit seitens der EU Bestrebungen, die TSI Noise auch auf Bestandsfahrzeuge auszuweiten.

Der Koalitionsvertrag der Regierungsparteien aus dem Jahre 2013 befasst sich zudem mit dem Thema der l?rmmindernden Bremsen. Bis zum Jahre 2020 sollen keine Graugu?-gebremsten Güterwagen mehr auf dem deutschen Schienennetz verkehren. Dazu plant die Bundesregierung ein Gesetz, welches ab dem Fahrplanwechsel 2020/2021 die lauten Wagen verbietet.?Diese Bremssohlen sollen durch neue Verbundstoffsohlen (K- oder LL-Sohlen) ersetzt werden. Dies kann bei entsprechender Gleispflege (z.B. Besonders überwachtes Gleis – BüG) zu einer L?rmverringerung bis zu 10 dB(A) führen. Weitere Anreize für l?rm?rmere Schienenfahrzeuge k?nnte eine st?rkere Spreizung der l?rmabh?ngigen Trassenpreise bieten, die finanzielle Vorteile für leisere Fahrzeuge gew?hrt.

 

L?rmminderung im Schienenverkehr

Für eine effektive L?rmminderung müssen verschiedene Ma?nahmen kombiniert werden. Die Rollger?usche sind bei den üblichen Geschwindigkeiten die dominierende L?rmquelle. Um diese zu mindern – nach der Philosophie ?glattes Rad auf glatter Schiene“ – müssen verschiedene Aspekte beachtet werden:

Die Schiene ...

  • muss glatt sein (dies wird z.B. durch akustisches Schienenschleifen wie beim ?besonders überwachten Gleis“ (BüG) oder dem Hochgeschwindigkeitsschleifen erreicht, siehe auch in der rechten Spalte unter Publikationen: "Weiterentwicklung der Prognoseverfahren der Verkehrsl?rmschutz-Verordnung (16. ⁠BImSchV⁠)"),
  • darf nur wenig Schall abstrahlen (Schienenstegd?mpfer, Schienenstegabschirmungen, niedrige Schallschutzw?nde etc.).

Die beste Schiene kann ihr Potenzial aber nur voll entfalten, wenn auch die Fahrzeuge eine hohe akustische Qualit?t aufweisen – und umgekehrt genauso. Deshalb gilt:

Die R?der ...

  • müssen glatt sein (Scheibenbremsen, K- oder LL-Sohlen statt Grauguss-Sohlen, Radpflege)
  • sollen wenig Schall abstrahlen (günstige Radformen, Radabsorber, Radabschirmungen) – ebenso wie der Rest des Fahrzeugaufbaus.

L?rmminderungsma?nahmen am Ausbreitungsweg sollten erst nach den Ma?nahmen am Fahrzeug und Gleis genutzt werden, um die L?rmimmissionen weiter zu verringern. Dazu z?hlen Schallschutzw?nde, -w?lle und -fenster. Die gezielte Verkehrslenkung zur Entlastung von Hot-Spots kann ebenfalls dazu beitragen, den L?rm durch den Schienenverkehr zu mindern.

 

Ansprechpartner bei L?rmproblemen

Ansprechpartner ist der jeweilige Eisenbahnverkehrsbetreiber (z. B. Deutsche Bahn), ?der jeweilige Infrastrukturbetreiber (z. B. DB-Netz) und das jeweilige Landesumweltamt der einzelnen Bundesl?nder. Bei Stra?enbahnen k?nnen Sie sich an die zust?ndige Verkehrsgesellschaft wenden. Bei ?ffentlichen Schienenwegen der Eisenbahn ist der Ansprechpartner auch noch die jeweilige Au?enstelle des Eisenbahn-Bundesamtes.