Nutzung und Belastungen

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Yachthafen Sassnitz
Quelle: Wera Leujak / UBA

Unsere Meere unterliegen einer vielf?ltigen und intensiven Nutzung durch den Menschen. Eine übernutzung hat negativen Auswirkungen auf die empfindlichen Meeres?kosysteme. Um diese zu begrenzen und die stetig wachsenden Nutzungsansprüche mit dem Schutz der Meere in Einklang zu bringen bedarf es "?kologischer Leitplanken".

Nutzung und Belastung

Die überfischung gilt als der gravierendste Eingriff in die Meeres?kosysteme. Zu hohe Fangmengen und nicht nachhaltige Fangmethoden greifen teilweise massiv in die marinen Nahrungsnetze ein. Ohne ein verbessertes Fischereimanagement mit reduzierten Fangquoten drohen die Meere als eine der weltweit wichtigsten Nahrungsquellen zunehmend beeintr?chtigt zu werden.

Ein weiteres gro?es Problem für die ?kologie der Ozeane, das weltweit auftritt, ist der hohe Eintrag von N?hr- und Schadstoffen. Diese gelangen über Flüsse, direkte Einleitungen oder über die Luft in die Meere. Die N?hrstoffe führen zur überdüngung (⁠Eutrophierung⁠), die Schadstoffe reichern sich im Nahrungsnetz an und k?nnen sich, wenn Fisch aus belasteten Regionen gegessen wird, auch auf die menschliche Gesundheit auswirken. Die ?kosysteme reagieren nur sehr langsam auf eine Reduktion der Stoffeintr?ge.

Erhebliche Mengen an Stickstoff, Schwefel und anderen? Schadstoffen stammen aus der Seeschifffahrt. Sie belasten die ⁠Atmosph?re⁠, gelangen zu einem nicht unerheblichen Teil aber auch in die Ozeane. Hinzu kommen immer wieder Havarien von Schiffen und Erd?l- oder Erdgas-Plattformen, die lokal und regional schwere ?kologische Sch?den verursachen. Bek?mpfungsma?nahmen greifen oftmals erst zu sp?t, wie die Katastrophe um die ?lplattform ?Deep Water Horizon“ im Golf von Mexiko gezeigt hat.

Versch?rft wird die Belastung der Ozeane durch den weltweit st?ndig steigenden Bedarf an Ressourcen. Er l?sst mittlerweile Rohstoff-Vorkommen in der Tiefsee ?konomisch attraktiv werden, deren Abbau allerdings ?kologisch besonders risikoreich ist. Hier sind anspruchsvolle Auflagen zum Schutz der betroffenen ?kosysteme erforderlich.

Ein weiteres Problem ist der Müll, der sich in den Weltmeeren ansammelt. Besonders sch?dlich ist hier langlebiges Plastikmaterial, dessen Abbau Jahrhunderte ben?tigt. Es verschandelt nicht nur Str?nde, sondern gef?hrdet Meereslebewesen, die es mit Nahrung verwechseln und verschlucken, sich darin verheddern und stranguliert werden. Bei der Zersetzung geben Kunststoffe giftige und hormonell wirksame Zusatzstoffe wie Weichmacher ab, die in den Organismus gelangen k?nnen, der sie aufnimmt. Auch aus diesen Gründen hat Müll im Meer inzwischen weltweit gro?e Aufmerksamkeit erlangt.

Meere werden aber nicht nur noch immer als Senke für Schadstoffe und Müll missbraucht, auch die L?rmbelastungen nehmen zu – durch Schifffahrt und Fischerei, Erd?l- und Erdgas-Bohrungen, Abbau von Rohstoffen sowie Errichtung und Betrieb von Anlagen zur Energiegewinnung im Meer. Die Informationslage dazu wird durch L?rmkartierungen verbessert. Sie zeigen unmissverst?ndlich: Einen ?stillen Ozean“ gibt es nicht.

Einfluss auf den Zustand der Meere hat auch der ⁠Klimawandel⁠. Die steigende ⁠CO2⁠-Konzentration in der Atmosph?re führt zur ⁠Versauerung⁠ in empfindlichen Meeresgebieten mit negativen Auswirkungen auf kalkbildende Organismen – darunter Kieselalgen, Meeresschnecken und Korallenriffe. Die steigenden Wassertemperaturen führen zudem schon seit l?ngerem zu Ver?nderungen in den Lebensgemeinschaften der Weltmeere, wie die Wanderungsbewegungen k?lteliebender Arten nach Norden signalisieren. Zudem beeinflusst der Klimawandel besonders empfindliche Gebiete wie die Arktis. Der Rückgang des Eises erm?glicht dort zum Beispiel die Einrichtung neuer Schifffahrtsrouten, auch wird auf leichteren Zugang zu Rohstoffen spekuliert. Für die betroffenen Regionen ist das mit gro?en? ?kologischen Risiken verbunden.

Auch bei der Bek?mpfung des Klimawandels spielen die Meere eine Rolle. Viele Staaten, darunter auch Deutschland, setzen auf den Ausbau der Offshore-Windkraft, um die Energieversorgung ?kologisch umzubauen. Dies ist grunds?tzlich zu befürworten. Allerdings sind dabei anspruchsvolle ?kologische ?Leitplanken“ erforderlich, um zum Beispiel Meeress?uger und V?gel zu schützen.

Deutlich skeptischer werden Konzepte des Geo-Engineering bewertet, die darauf zielen, die Kapazit?t der Meere als ?CO2-Senke“ zu st?rken. Die ?Ozeandüngung“ wird seit l?ngerem als eine derartige Ma?nahme diskutiert. Sie soll das Wachstum von Mikro-Algen f?rdern, die Kohlendioxid fixieren und es nach der Algenblüte und ihrem Absinken zum Meeresgrund zumindest für eine gewisse Zeit aus der Atmosph?re entfernen. Die Zweifel an der Durchführbarkeit und Unbedenklichkeit solcher Manipulationen sind unver?ndert gro?.

Für die meisten der genannten Problemfelder sind – regional bis global – vielversprechende L?sungsans?tze erarbeitet worden. Bei der Umsetzung gibt es Fortschritte, allerdings reichen sie bisher für eine Trendwende nicht aus. Die Umsetzung der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie , die einen ?guten Zustand“ der Meeresumwelt bis 2020 fordert, wird zeigen, ob es gelingt, die Belastungen auf ein ?kosystemvertr?gliches Ausma? zu reduzieren.