Gew?ssertyp 2014 - Tiefer, n?hrstoffarmer See Norddeutschlands

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Grubensee
Quelle: Dr. Bj?rn Grüneberg

Die ?Tiefen, n?hrstoffarmen Seen Norddeutschlands“ sind der Gew?ssertyp des jahres 2014. Fachleute bezeichnen diese Seen als ?Geschichtete Tieflandseen mit relativ kleinem Einzugsgebiet“ (Typ 13). Sie kommen im Jungmor?nengebiet von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt vor.

Inhaltsverzeichnis

 

Kurzbeschreibung

Im Kartendienst zum Gew?ssertyp des Jahres finden Sie alle Flie?gew?sser, Seen, ?stuare (⁠übergangsgew?sser⁠) und Küstengew?sser. Alle ?Tiefen, n?hrstoffarmen Seen Norddeutschlands“ in Deutschland und ihr festgestellter Zustand sind dort farbig hervorgehoben. Sie k?nnen sich für das Gew?sser, das Sie interessiert, weitere Angaben zum Zustand der Gew?sserflora und -fauna abrufen. Vielleicht geh?rt ja ein Gew?sser, das Sie kennen, zum Gew?ssertyp des Jahres.

Steckbrief

  • Einzugsgebietsgr??e 10-500 km2, meist < 100 km2
  • Mittlere Tiefe 3-15 m
  • Maximale Tiefe 7-72 m
  • Mittlere Sichttiefe mehr als 3,5 m
  • Sommerliche H?chsttemperaturen17-27 °C
  • Wasserverweilzeiten 1-10 Jahre
  • Seebeckenmaterial: vorwiegend Feinmaterial (Sande, Tone), selten Kiese oder Steine
  • Natürlicherweise typische Habitate, Gew?sserform (Ufer, Umfeld): flache bis tiefe, h?ufig steile Rinnenseen, Geh?lzs?ume, Schilf an flachen Ufern, an windigen Stellen teils vegetationsfreie Ufer; W?lder, Feuchtgebiete und Moore auf sandigen und kalkreichen B?den; ohne nennenswerte oberirdische Zul?ufe
  • Lebensgemeinschaft: Typisch sind ausgedehnte unterseeische Rasen von Armleuchteralgen, sehr vielf?ltige Planktongemeinschaft, Vielzahl unterschiedlicher Wasserinsekten, typische Fischarten sind Kleine Mar?ne, Barsch und Pl?tze, im Uferbereich Hecht
  • Hauptbelastungsfaktoren: N?hrstoffeintr?ge aus den Einzugsgebieten, Tourismus, Bootsverkehr, Verlust von naturnahen Uferfl?chen.
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Lebensraum

Dieser Seentyp befindet sich im Jungmor?nengebiet Norddeutschlands. Jungmor?nen sind Landschaftsformen der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit).Vor rund 15.000 Jahren tauten die aus Nordeuropa vorgedrungenen Gletscher ab und hinterlie?en tiefe Rinnen und Becken. Wichtige Formen sind die Zungenbeckenseen, wie der Breite Luzin, und die Toteisseen, wie der Stechlin. Zungenbeckenseen entstanden durch Schmelzwasserstr?me unter dem Inlandeis und werden seitlich und vorn von Aufschüttungen des Eises – der Endmor?ne – begrenzt, so dass sie sich nach Rückzug des Eises mit Wasser füllten. Toteisseen verdanken ihre Entstehung dem Zerfall des Inlandeises beim allm?hlichen Abschmelzen in sogenannte Toteisbl?cke. Diese Toteisbl?cke wurden mit Sedimenten überdeckt und tauten langsam ab, wodurch die Sedimente nachsackten und sich an der Oberfl?che gr??ere Becken oder kleinere Toteisl?cher (S?lle) bildeten, die sich mit Grundwasser füllten.

Typische Bewohner

Schellente (Bucephala clangula)

Die schwarzwei? gef?rbte Schellente geh?rt zu den Tauchenten, die sich am Gew?ssergrund ern?hren. Sie tauchen fast senkrecht bis in Tiefen von acht Metern und bleiben etwa 30 Sekunden unter Wasser. Sie fressen Wasserinsekten, wie zum Beispiel K?cher- und Eintagsfliegenlarven, aber auch Schnecken, Muscheln, kleine Fr?sche und Fische sowie Pflanzenteile. Die Nahrung finden sie, in dem sie Steine am Seegrund umdrehen und den Armleuchteralgenrasen durchk?mmen, wobei das Wasser zum Auffinden der Beute entsprechend klar sein muss. Schellenten sind H?hlenbrüter und damit auf Altholzbest?nde mit Baumh?hlen (z. B. Schwarzspechth?hlen) in Gew?ssern?he angewiesen. Die Brutzeit dauert etwa 30 Tage und die Jungen springen relativ bald nach dem Schlupf aus ihrer Bruth?hle. Der Name Schellente leitet sich von dem pfeifenden Flügelschlag ab. Im Englischen werden sie wegen ihres goldenen Augenringes ?Golden Eye“ genannt. Schellenten sind Zugv?gel und verbringen den Winter teils auf dem Meer in geschützten Buchten oder Lagunen der Ost- und Nordsee oder des Mittelmeeres, teils auch auf Binnenseen. Im Vergleich zu den Schwimmenten, die nach ihrer Nahrung von der Wasseroberfl?che aus gründeln, haben sich Schellenten an das Tauchen angepasst: Ihr gedrungener K?rper hat einen kurzen Hals und weit hinten sitzende Fü?e. Er hat einen relativ geringen Auftrieb und liegt dadurch tiefer im Wasser.

Hecht (Esox lucius)

Hechte werden 100 bis 180 Zentimeter lang und bis zu 35 Kilogramm schwer. Als Standfische mit festen Revieren lauern sie in den mit Wasserpflanzen bewachsenen Uferbereichen von klaren Seen und Flüssen. Sie stürzen sich blitzschnell auf vorbeischwimmende Beutetiere. W?hrend sich die Jungtiere von Zooplankton (Wasserfl?hen und Ruderfu?krebsen) ern?hren, fressen ?ltere Tiere Fische und Amphibien, sehr gro?e Hechte sogar ⁠Kleins?uger⁠ und Jungv?gel. Von Februar bis Mai laichen Hechte in den flachen, verkrauteten Uferzonen, Altarmen und auf überschwemmten Wiesen. Dabei wird ein Weibchen meist von mehreren M?nnchen begleitet und heftet die klebrigen Eier an Wasserpflanzen. Nach dem Schlupf heften sich die jungen Hechtlarven mit ihren am Kopf sitzenden Klebdrüsen an den Wasserpflanzen fest und zehren von ihrem Dottersack. Durch den Ausbau der Gew?sser sind die Laichpl?tze vielfach verschwunden, so dass die Hechtbest?nde bundesweit stark zurückgegangen sind und es nur noch wenige Best?nde gibt, die sich natürlich ohne Besatzma?nahmen erhalten k?nnen.

H?rnchenalge (Ceratium cornutum)

Eine typische Gruppe der frei im Wasser schwebenden Algen (Phytoplankton) sind die Dinoflagellaten oder Panzergei?ler, zu denen die circa 0,1 Millimeter gro?e H?rnchenalge geh?rt. Diese Einzeller haben eine Quer- und eine L?ngsfurche, in denen jeweils eine Gei?el (Flagellum) liegt. Das Zusammenspiel beider Gei?eln ergibt die typisch taumelnde Fortbewegung der Dinoflagellaten. Die H?rnchenalge besitzt ein langes und zwei kurze H?rner und Zellw?nde, die durch zellulosehaltige Platten panzerartig verst?rkt sind. Sie pflanzt sich durch Zellteilung fort. Dabei werden die Platten gesprengt und die fehlende H?lfte wird wieder neu gebildet. Bei ungünstigen Bedingungen k?nnen Ruhestadien gebildet werden, die in ihrer gepanzerten Rüstung bis zu sechs Jahre am Seegrund überdauern.

Armleuchteralgen (Chara spec.)

Die seltenen Armleuchteralgen Chara rudis, Chara filiformis und Chara tomentosa sind die lebensraumtypischen Arten für den Gew?ssertyp des Jahres. Sie haben ihren Verbreitungsschwerpunkt genau dort, wo dieser Seentyp am h?ufigsten noch erhalten ist – in der Mecklenburgischen Seenplatte. Chara tomentosa ist mit ihrer roten F?rbung und gro?em Wuchs die auff?lligste und sch?nste Armleuchteralge in diesen Seen. Chara rudis und Chara filiformis besitzen eine starke Bindung an n?hrstoffarme Gew?sser mit Kalkmudden. Chara tomentosa ist etwas toleranter und kann auch noch schwach eutrophe Seen besiedeln. Chara rudis und Chara tomentosa k?nnen in den mittleren Wassertiefen zwischen einem und vier Meter gro?e Reinbest?nde ausbilden. Ausgepr?gte Chara filiformis-Best?nde besitzen mittlerweile einen hohen Seltenheitswert und sind nur noch in sehr wenigen Seen zu finden. Alle drei Arten sind im Bestand stark rückl?ufig und vom Aussterben bedroht beziehungsweise stark gef?hrdet.

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Nutzung

Viele der Seen werden touristisch zum Baden, zum Tauchen und zum Fischfang genutzt. Auch Freizeitschiffer befahren die Seen mit Kanus und Kleinmotorbooten. Die Belastungen aus kommunalen Abw?ssern und Landwirtschaftsbetrieben sind durch Kl?ranlagen und Ringkanalisationen um die Seen zwar bereits vielfach verringert worden. Die N?hrstoffe aus der Landwirtschaft, die über die Bodenerosion und über den Grundwasserzustrom in die Seen gelangen, sind aber weiter zu reduzieren. Ein weiteres Problem ist die Ver?nderung der natürlichen Uferbereiche durch Promenaden und Badestellen sowie durch den Bootsverkehr. Viele Gemeinden an norddeutschen Seen f?rdern sanften Tourismus, schr?nken Motorbootsverkehr ein und schützen einzelne Uferbereiche vor Umgestaltung, Anlanden von Booten oder Baden.

 

Zustand

Ziel ist es, in allen Gew?ssern einen guten ?kologischen und einen guten chemischen Zustand zu erreichen. Die H?lfte der tiefen, n?hrstoffarmen Seen Norddeutschlands erfüllen bereits diese Ziele und befinden sich im guten (22 %) oder sogar? sehr guten Zustand (28 %). Im Vergleich zu anderen Seentypen, ist dieses Bewertungsergebnis überdurchschnittlich gut. 35 Prozent der tiefen n?hrstoffarmen? Seen Norddeutschlands sind nah am Erreichen des Ziels (?m??ig“) und weitere 15 Prozent noch etwas weiter? entfernt (?unbefriedigend“). Die schlechteste Bewertung (?schlecht“) tritt nicht auf. Bis auf sieben Seen dieses Typs wurde allen ein guter chemischer Zustand bescheinigt.

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