Gew?ssertyp 2016 – kiesgepr?gter Strom

Der Strom Elbe durchflie?t das Elbsandsteingebirge.zum Vergr??ern anklicken
Elbe - Elbesandsteingebirge kiesgepr?gter Strom
Quelle: Michael Egenburg-Shutterstock.com

Die "kiesgepr?gten Str?me" der Mittelgebirge und der Voralpen sind der Gew?ssertyp des Jahres 2016.

Inhaltsverzeichnis

 

Kurzbezeichnung

Kiesgepr?gte Str?me sind: der Rhein vom Bodensee bis Leverkusen, die Donau, die Oberl?ufe von Elbe und Weser, die Unterl?ufe von Main und der Neckar. Insgesamt werden rund 1800 km diesem Typ zugeordnet.

Im Kartendienst zum Gew?ssertyp des Jahres finden Sie alle Flie?gew?sser, Seen, ?stuare (⁠übergangsgew?sser⁠) und Küstengew?sser. Alle Gew?sserabschnitte der ?kiesgepr?gten Str?me“ in Deutschland und deren Bewertung des Zustands sind dort farbig hervorgehoben. Sie k?nnen sich für das Gew?sser, das Sie interessiert, weitere Angaben zum Zustand der Gew?sserflora und -fauna abrufen. Vielleicht geh?rt ja ein Flussabschnitt, den Sie kennen, zum Gew?ssertyp des Jahres.

Steckbrief

  • Gr??e:

????????? o?? ?Breite der Flüsse etwa 100 bis zu 2000 Meter (Oberrhein-Furkation (Furkation
???????????????? ist eine Flussverzweigung))
????????? o??? Breite der begleitende ⁠Aue⁠ bis zu 9 km (z.B. Oberrhein)
????????? o?? ?Einzugsgebietsgr??e über 10.000 Quadratkilometer

  • Vertreter: Gro?e Abschnitte des Rheins, der Donau, der Elbe, der Weser, des Neckar und des Main.
  • Abflusstyp: Die ⁠Abflussdynamik⁠ der Str?me ist aufgrund der Gr??e ihrer Einzugsgebiete gering. Meist komplexe ⁠Abflussregime⁠ (Glazi?r-Nival-Pluvial, das hei?t, die H?he des Abflusses wird durch das Abschmelzen von Gletschern (glazi?r), Schneeschmelze (nival) und/oder Regenereignisse (fluvial) bestimmt). Mittlere Abflussh?he von ca. 100 (Weser bei Hannoversch-Münden) bis zu 2.000 (Rhein bei K?ln) Kubikmeter pro Sekunde.
  • Str?mungsbild: Sehr vielf?ltig, im Hauptstrom rasch und turbulent, mit zunehmender Breite gleichm??iger str?mend.
  • Substrat: Schotter und Kies, nur in geringen Anteilen Sand, viel ⁠Totholz⁠ z.B. Baumst?mme.
  • Gew?sserform: Geschwungener bis m?andrierender L?ngsverlauf, in Engt?lern oder Sohlent?lern flie?end. Hohe Breiten- und Tiefenvarianz mit kiesigen Quer- und L?ngsb?nken. Zahlreiche gro?e Auengew?sser in breiten Sohlent?lern begleiten den Fluss.
  • Natürlicherweise typische Habitate: Gro?e Habitatvielfalt: Kies- und Schotterb?nke, Kolke, Altarme, Inseln, Totholzansammlungen, Auengew?sser.
  • Lebensgemeinschaft: ursprünglich sehr arten- und individuenreiche Bioz?nosen, heute oft weniger artenreich und durch hohe Anteile an Neozoen charakterisiert, vorherrschender Uferbewuchs: Silberweidenwald, R?hrichte, Seggenried, Hochstaudenfluren, Pionierfluren auf Kiesb?nken.
  • Hauptbelastungsfaktoren: N?hr- und Schadstoffeintr?ge, Hochwasserschutz für Siedlungen und Landwirtschaft, Schifffahrt, Wasserkraftnutzung.
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Lebensraum

Die Kiesgepr?gten Str?me flie?en leicht geschwungen bis m?andrierend in bis zu mehreren Kilometer breiten Sohlen- oder Engt?lern. An der Flusssohle dominieren Kiese und Schotter. Die Str?mung ist zumeist stark. Im Naturzustand ver?ndern sich Tiefe und Breite des Flussbetts fortw?hrend, Kiesb?nke queren den Strom, bilden Inseln oder s?umen die Ufer zusammen mit Totholzansammlungen. Gro?e Hochwasser verlagern den Flusslauf in den breiten Auen. So entwickeln sich abgetrennte Flussarme, Feuchtwiesen, trockene Sandufer und Kiesinseln. Nass und trocken – durch st?ndigen Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser des Flusses – das sind die Extreme, die vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Die gro?en Str?me und ihre Auen bilden daher komplexe Gew?sserlandschaften mit immensem Artenreichtum – ?Hot Spots“ der ⁠Biodiversit?t⁠. Sie sind wichtige Fischwanderrouten und Rastpl?tze für Zugv?gel.

Typische Lebewesen

Der Huchen (Hucho hucho)
Der Huchen, auch Donaulachs genannt, ist einer der gr??ten heimischen Fische aus der Familie der Lachsfische. In Deutschland kommt er nur im Donaugebiet vor. Huchen werden bis zu 1,5 m lang und 30 kg schwer. Er bevorzugt schnell flie?ende, kühle und sauerstoffreiche Gew?sser mit steinig - kiesigem Grund. W?hrend die geschlechtsreifen Tiere andere Fische jagen und fressen, ern?hren sich die Jungtiere von wirbellosen Tieren (z.B. Krebsen und Insektenlarven). Zum Laichen sucht der ansonsten standorttreue Huchen flussaufw?rts gelegene seichte und kiesige Flussstellen in bis zu 100 km Entfernung auf. Infolge der Zerst?rung seines natürlichen Lebensraumes durch Flussbegradigungen, Wehre und Abwassereinleitungen ist der Huchen in seinen Best?nden heute stark bedroht und wurde in der Roten Liste als ?stark gef?hrdet“ eingestuft.

Der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)
Der Flussregenpfeifer nistet auf den Kies- und Sandb?nken der gro?en Flüsse. Schnell rennend sucht er nach Insekten, gelegentlich frisst er auch kleine Muscheln und Krebse. Um sein Gelege vor R?ubern zu schützen, t?uscht er Verletzungen vor und fliegt im letzten Moment davon, um so die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Typisch ist sein zitronengelber Ring um die Augen. Gew?sserbegradigungen und der Ausbau der gro?en Flüsse verringerten seine Lebensr?ume. So findet man ihn heute auch auf vegetationsarmen Fl?chen von Kiesgruben und Steinbrüchen oder auf geschotterten Parkpl?tzen und an abgelassenen Fischteichen.

Die Schwefelgelbe Eintagsfliege (Heptagenia sulphurea)
Die Larven der Schwefelgelben Eintragsfliege leben in der Regel ein Jahr in sauberen kalten Flie?gew?ssern mit steinig-kiesigem Substrat. Sie ern?hren sich von Algen, die sie mit Ihren Mundwerkzeugen von Steinoberfl?chen abkratzen. Nachdem sie sich zu einer erwachsenen, flugf?higen Eintagsfliege entwickelt haben, leben sie nur noch wenige Tage. Von Mai bis September sind diese am sp?ten Nachmittag und frühen Abend zu sehen und durch ihre schwefelgelbe F?rbung recht gut mit blo?em Augen von anderen Eintagsfliegen zu unterscheiden. Das Weibchen legt im Flug die befruchteten Eier im Wasser ab und stirbt danach.

Flutender Wasserhahnenfu? (Ranunculus fluitans)
Der Flutende Wasserhahnenfu? ist eine bis zu 6 m lange Wasserpflanze. In schnell str?menden, sauberen, sauerstoffreichen Flie?gew?ssern kommt er oft in gro?en Mengen vor. Von Juni bis August überzieht er die Wasseroberfl?che mit seinen wei?en, bis zu 3 cm gro?en Blüten. Als Sauerstoffproduzent sowie als Versteck und Laichplatz für Fische hat er wichtige ?kologische Funktionen im Gew?sser.

Grobgerippte K?rbchenmuschel (Corbicula fluminea)
Die Grobgerippte K?rbchenmuschel bevorzugt sandig-kiesige Gew?sserb?den. Sie stammt ursprünglich aus Asien und trat erstmalig in den 1980-iger Jahren in Westeuropa auf. Wahrscheinlich wurde sie im Ballastwasser von Schiffen eingeschleppt oder aus Aquarien ausgesetzt. Ihre rundlich dreieckige Schale hat eine gelblich-dunkelbraune bis grünliche F?rbung. Pro Quadratmeter k?nnen mehrere tausend Muscheln vorkommen und so für andere Organismen, die auch ihre Nahrung aus dem Wasser filtern, zur Konkurrenz werden.

Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes)
Die Asiatische Keiljungfer ist eine Gro?libelle mit einer Flügelspannweite von bis zu 8 cm. Ihre r?uberischen Larven graben sich zum Schutz in den Gew?ssergrund ein. Bei St?rung sto?en sie ruckartig Atemwasser aus ihrem Hinterleib aus und schwimmen dadurch davon (Rücksto?-Prinzip). Das erwachsene Insekt sucht nach dem Schlupf blütenreiche Lebensr?ume wie Uferr?hricht und Lichtungen auf, um Insekten zu fressen, die sie im Flug jagt. Trotz Ihres Namens war sie auch bereits früher bei uns heimisch. Wie viele Gro?libellenarten besiedelt sie die Mittel- und Unterl?ufe noch nicht überm??ig verbauter gr??erer Flüsse. Da naturnahe, unbefestigte Uferstrukturen selten geworden sind, wird die Asiatische Keiljungfer in der roten Liste Deutschlands mit ?Gef?hrdung zunehmend“ eingestuft und durch die FFH-Richtlinie streng geschützt.

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Nutzung, Belastung, Ma?nahmen

Die Kiesgepr?gten Str?me illustrieren wie kaum ein anderer Gew?ssertyp die seit Jahrhunderten w?hrende Erschlie?ung und Kultivierung der Gew?sserlandschaften für Siedlungen, Landwirtschaft, Stromerzeugung und Gütertransport sowie die Folgen eines restriktiven Hochwasserschutzes und stofflicher Belastungen. Spürbare Erfolge im Gew?sserschutz lassen sich hier nur durch ein gemeinsames Handeln von Bund und L?ndern, Verb?nden, Anliegern und Gew?ssernutzern erzielen. Beispiel hierfür ist die Reduzierung der Abwasserlast der gro?en Str?me seit Ende der 1970er Jahre durch den Bau von Kl?ranlagen. In Zukunft sollen die ⁠Wasserrahmenrichtlinie⁠, das nationale Hochwasserschutzprogramm und das Bundesprogramm ?Blaues Band“ zu einer weiteren Verbesserung des ?kologischen Zustands beitragen.

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Zustand

Bisher befindet sich nur ein ⁠Wasserk?rper⁠ der kiesgepr?gten Str?me in einem guten Zustand. Die Lebensgemeinschaften werden zudem stark durch einwandernde, gebietsfremde Arten - die sogenannten Neobiota dominiert. Zu einem weiteren dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt und des Selbstreinigungspotentials der Str?me tr?gt bei, dass nur noch 10 bis 20% der ehemaligen Auen regelm??ig überflutet werden (Auenzustandsbericht des Bundesamtes für Naturschutz).

zeigt in einem Diagramm den ?kologischen Zustand 2015
?kologischer Zustand
Quelle: Team VIERZIG A / UBA