Gew?ssertyp des Jahres 2021 - Alpensee

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Bild vom Eibsee
Quelle: Thomas Gürke

Naturnahe Gew?sser sind für eine Vielzahl von Arten ?u?erst wertvolle Lebensr?ume. Unsere Gew?sser in Deutschland liegen in unterschiedlichen ?koregionen, H?henlagen, haben unterschiedliche Gr??en und lassen sich verschiedenen Typen zuordnen. Mit der Reihe ?Gew?ssertyp des Jahres“ m?chte das Umweltbundesamt auf diese Vielfalt aufmerksam machen und sie einer breiten ?ffentlichkeit n?herbringen.

Inhaltsverzeichnis

 

Vorkommen

In Deutschland gibt es 12 natürliche Seen dieses Typs, die eine Fl?che über 50 Hektar haben.? Sie sind fast ausschlie?lich in Bayern zu finden. Typische Vertreter sind Ammersee, Chiemsee, K?nigssee, Starnberger See, Tegernsee und Bodensee. Stark ver?nderte bzw. künstliche Seen dieses Typs sind der Walchensee und der Sylvensteinsee (Talsperre). Im Kartendienst zum Gew?ssertyp des Jahres finden Sie alle Seen sowie Flie?gew?sser, ?stuare (⁠übergangsgew?sser⁠) und Küstengew?sser. Alle ?Alpenseen“ in Deutschland und deren Bewertung des Zustands sind dort farbig hervorgehoben. Sie k?nnen für das Gew?sser, das Sie interessiert, weitere Angaben zum Zustand der Gew?sserflora und -fauna abrufen.

Karte von Alpenseen
Karte Vorkommen Alpensee
Quelle: Umweltbundesamt
 

Steckbrief

Steckbrief der Alpenseen
übersicht über den Steckbrief der Alpenseen
Quelle: Umweltbundesamt
 

Lebensraum

Alpenseen (Typ 4 der ⁠LAWA⁠-Seetypologie) finden sich in den n?rdlichen Kalkalpen oder in den Grund- und Endmor?nen der Jungmor?nenlandschaft des Alpenvorlandes in H?hen zwischen 400 und 800 Metern über dem Meeresspiegel. Sie entstanden w?hrend der Eiszeit oder gehen auf durch das Eis stark überformte Grabenbruchseen und T?ler zurück. Die Seebecken sind oft tief (mittlere Tiefe: 15 bis 100 Meter) und langgestreckt. Geologisch bedingt, weisen diese Seen Calciumgehalte von mehr als 15 Milligramm pro Liter Wasser auf. Das ⁠Einzugsgebiet⁠ ist alpin gepr?gt. Das bedeutet, dass diese Seen sehr n?hrstoffarm (oligotroph) und vergleichsweise kalt sind sowie eine geringe pflanzliche Produktivit?t aufweisen. Das Wasser ist zumeist glasklar mit Sichttiefen gr??er als 4,5 Meter. Im Frühsommer tritt h?ufig eine grau-türkise Trübung auf, die auf den gro?en Eintrag von Schwebstoffen w?hrend der Schneeschmelze zurückzuführen ist. Bei Seen mit Zuflüssen aus Gletscherregionen kann eine Trübung auch ganzj?hrig vorherrschen. Im Sommer besitzen diese Seen eine stabile thermische ⁠Schichtung⁠: kaltes Tiefenwasser ist von warmem Oberfl?chenwasser abgekoppelt, da der Dichteunterschied zwischen beiden Schichten eine Durchmischung verhindert. Erst mit sinkenden Lufttemperaturen im Herbst erfolgt eine Durchmischung der Wassers?ule.

 

Nutzung, Belastung, Ma?nahmen

Alpenseen weisen im Vergleich zu Seen des Norddeutschen Tieflandes insgesamt geringere Belastungen auf. Insbesondere sind die N?hrstoffeintr?ge niedrig. Dies liegt zum einen an den alpinen Zuflüssen, die natürlicherweise n?hrstoffarm sind und an dem geringeren Anteil landwirtschaftlicher Fl?chen im Umfeld der Seen. Zum anderen wurden in den vergangenen Jahrzehnten fl?chendeckend Kl?ranlagen installiert, die die N?hrstoffe aus kommunalen und industriellen Abw?ssern zurückhalten. Belastungen bestehen jedoch in Folge der Sicherung und Verbauung der Seeufer, die die Lebensgemeinschaften im Flachwasserbereich nachhaltig negativ beeinflussen k?nnen. Besonders empfindlich sind diese Seen auch gegenüber ?nderungen des Temperatur-, Durchmischungs- und Abflussregimes in Folge des globalen Klimawandels. Beispielsweise k?nnen w?rmere Winter vor allem bei gro?en und tiefen Seen zu einem verringerten Tiefenwasseraustausch und einer H?ufung von Jahren mit unvollst?ndiger Durchmischung der Wassers?ule führen. Welche Auswirkungen klimabedingten Ver?nderungen auf den N?hrstoffhaushalt, die Lebensgemeinschaften und das gesamte See?kosystem haben, ist jedoch noch nicht umfassend bekannt. Ziel muss sein, die Widerstandsf?higkeit dieser ?kosysteme gegenüber den klimabedingten Ver?nderungen zu st?rken, indem die übrigen anthropogenen Belastungen so weit wie m?glich reduziert werden.

 

Typische Lebewesen

Edelkrebs - Astacus astacus (Linnaeus, 1758)

Der bis zu 25 cm gro? und etwa 350 g schwer werdende Edelkrebs war früher in Flüssen und Seen Deutschlands weit verbreitet und h?ufig. Heute gilt der Edelkrebs in Deutschland fast fl?chendeckend als ?gef?hrdet“. Die Best?nde des Edelkrebses wurden in unseren Gew?ssern durch vielf?ltige Gew?sserbelastungen in der Vergangenheit stark dezimiert. Hierzu z?hlen die Verschmutzung mit Abw?ssern, Begradigung, Verbauung, Verschlammung und ⁠Versauerung⁠ der Gew?sser, sowie der Fang durch den Menschen. Die gr??te Bedrohung stellt allerdings auch heute noch die sogenannte Krebspest dar. Diese Krankheit wurde durch die Ansiedlung amerikanischer Flusskrebsarten wie den Signalkrebs oder den Kamberkrebs eingeschleppt, welche im Gegensatz zum Edelkrebs nur selten durch diesen Erreger sterben. Die Sporen des Erregers werden h?ufig durch menschliche Aktivit?ten wie Bootstourismus, Tauchen und Angeln oder das Aussetzen von Tieren in noch nicht befallene Seen verschleppt.

Bild vom Edelkrebs
Der Edelkrebs(Astacus astacus)

Der Edelkrebs - Astacus astacus war früher in ganz Deutschland h?ufig – heute gilt er überall als ?gef?hrdet“.

Quelle: Frank Leo www.fokus-natur.de

Mairenke – Alburnus chalcoides (Güldenst?dt, 1772)

Die Mairenke ist eine Charakterart der Alpenseen, denn sie kommt in Deutschland fast nur in den oberbayerischen Seen, dem Rhein, der Donau und ihren Nebenflüssen vor. Als Friedfisch ern?hrt sie sich von Plankton, Insekten, deren Larven und anderen wirbellosen Tieren. Die Mairenke ist ein Sommerlaicher. Die Weibchen legen von Mai bis Juni bis zu 40000 Eier auf den kiesigen Untergrund seichter Uferbereiche ab. Die Mairenke wurde in der Vergangenheit als Speisefisch und als K?derfisch für die Raubfischangelei genutzt. Mairenken ben?tigen eine hohe Wasserqualit?t mit geringem N?hrstoffgehalt (sogenannte oligo- bis schwach mesotrophe Gew?sser). Eine Verschlammung oder das Fehlen von kiesigen Uferbereichen durch Verbau kann die erfolgreiche Fortpflanzung dieser Art gef?hrden.

Foto des Fisches mairenke
Die Mairenke (Alburnus Chalcoides)

Die Mairenke - Alburnus chalcoides lebt in Deutschland fast ausschlie?lich in den Alpenseen.

Quelle: Andreas Hartl
 

Bergmolch - Ichthyosaura alpestris (Laurenti, 1768)

Vor vielen hundert Jahren galten die Alpenseen als Brutst?tte für Drachen und andere Ungeheuer. Und tats?chlich kommen auch heute noch in jedem Frühjahr ?kleine Drachen“ mit dem wissenschaftlichen Namen Ichthyosaura alpestris an diese Gew?sser, um zu laichen. Der Bergmolch, der manchmal auch Alpenmolch genannt wird, ist zur Paarungszeit im zeitigen Frühjahr pr?chtig gef?rbt. Schwerpunkt der Verbreitung des Bergmolchs ist das bewaldete Hügel- und Bergland. In den Alpen kommt die Art bis in 2500 m H?he vor. Der Bergmolch besiedelt nahezu alle stehenden Gew?sser vom Alpensee, über Waldtümpel, L?schwasser- und Gartenteiche bis hin zu wassergefüllten Wagenspuren auf Forstwegen. Auch kühle, schattige und vegetationslose Gew?sser werden besiedelt. Nach der Paarungszeit verlassen die erwachsenen Molche das Wasser und leben unauff?llig an Land. Die Jungen folgen ihnen nach erfolgreicher Metamorphose im sp?ten Sommer. Die Bergmolche überwintern an Land, nur selten im Wasser und k?nnen über 30 Jahre alt werden.

Ein Foto vom Bergmolch
Der Bergmolch

Der Bergmolch kommt im zeitigen Frühjahr in die Alpenseen, um zu laichen.

Quelle: Frank Leo www.fokus-natur.de
 

Raue Armleuchteralge - Chara aspera (WILLDENOW)??

Chara aspera geh?rt zu den sogenannten Armleuchteralgen. Sie w?chst am Grund sehr sauberer, klarer, n?hrstoffarmer und meist kalkreicher Gew?sser. In der Vergangenheit verschwand die Art aus vielen Seen aufgrund starken Planktonwachstums infolge erh?hter N?hrstoffeintr?ge. Wie die meisten Armleuchteralgen kann Chara aspera neben dem CO2 aus der Luft auch im Wasser gel?stes Hydrogenkarbonat (HCO3-) für ihre ⁠Photosynthese⁠ nutzen. Dabei werden oft immense Mengen Kalk (CaCO3) an der Oberfl?che der schachtelhalmartig, quirlig verzweigten Pflanzen ausgef?llt, welche ihnen eine Art wei?en Schleier oder sogar eine wei?e Kruste verleihen, die bis zu 80 Prozent ihrer Trockenmasse ausmachen kann. Da Characeen kein luftgefülltes Gewebe haben, steigen abgerissene Sprossteile im Gegensatz zu anderen Unterwasserpflanzen nicht an die Oberfl?che auf. Gem?? der Roten Listen Deutschlands wird Chara aspera, wie viele andere Characeen-Arten als gef?hrdete Art eingestuft. Hauptgrund hierfür ist die N?hrstoffbelastung vieler ehemals n?hrstoffarmer stehender Gew?sser.

Foto der Raun Armleuchteralge
Die Raue Armleuchteralge (Chara aspera)

Die Raue Armleuchteralge - Chara aspera ist Charakterart klarer und sauberer Alpenseen.

Quelle: Klaus van de Weyer
 

Schwebesternchen - Asterionella formosa (Hassall, 1850)

Das planktonisch im Freiwasser und benthisch z.B. im Aufwuchs auf Steinen n?hrstoffarmer Seen lebende Schwebesternchen Asterionella formosa geh?rt zu den Kieselalgen (sogenannte Diatomeen). Das Schwebesternchen bildet oft Kolonien, die aus acht oder auch mehr Zellen bestehen. Jede Einzelzelle hat die für Kieselalgen typische Schale aus zwei sogenannten Theken. Die Zellen sind unbeweglich und nur wenige Mikrometer gro?. Die Schalen der Kieselalgen bestehen überwiegend aus Siliziumdioxid (SiO2) und bleiben auch nach dem Absterben der Algen zum Teil sehr lange erhalten. Sie überdauern oft hunderte Jahre in den Sedimenten am Grund der Seen und sind auch versteinert als Fossilien zu finden. Aufgrund der j?hrlichen Ablagerung feiner Schwebstoffe inkl. der Kieselalgenschalen am Grund entstehen regelrechte Sediment-Jahrbücher in denen Wissenschaftler die ?kologischen Ver?nderungen des Gew?sser?kosystems anhand der Diatomeen-Schalen und anderer biologischer Reste (z.B. Pollen) ablesen k?nnen.

Mikroskopaufname vom Schwebesternchen
Das Schwebesternchen (Asterionella Formosa)

Das Schwebesternchen - Asterionella formosa ist ein typischer Vertreter des Phytoplanktons der Alpenseen.

Quelle: Jan Trübsbach LTV Sachsen
 

Zustand

Die Alpenseen befinden sich überwiegend in gutem (10 Seen) oder sehr gutem (3 Seen) ?kologischen Zustand (Datenbasis: 2016). Der Schliersee erreicht trotz einer Verbesserung der Wasserqualit?t in den vergangenen 30 Jahren auf Grund der gro?en ⁠Biomasse⁠ einer Blaualgenart nur den unbefriedigenden Zustand – die Ursache dafür ist im diffusen Eintrag von N?hrstoffen aus dem Seeumfeld zu suchen.

Tortendiagramm
Zustandsdiagramm der Alpenseen
Quelle: Umweltbundesamt