Pool-Projekt

Junge Sportschwimmerin schwimmt im Butterfly-Stil mit ausgebreiteten Armen auf den Betrachter zu.zum Vergr??ern anklicken
Hallenbadluft und Beckenwasser sollten hygienisch einwandfrei sein.
Quelle: StefanieB. / Fotolia.com

Gesundheitsbezogene Optimierung der Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser

Inhaltsverzeichnis

 

Hygienische Sicherheit beim Schwimmen

Schwimmen geh?rt nicht nur zu den beliebtesten Sportarten, sondern auch zu den ganzheitlich gesundheitsf?rdernden Sportarten. Das spiegelt sich nicht zuletzt auch in den hohen Besucherzahlen (ca. 250 bis 300 Mio. Besucher pro Jahr) in den ?ffentlichen Schwimmb?dern wider. Gleichzeitig werden die Schwimmb?der für ein breites Anwendungsspektrum genutzt. Das reicht vom Kurs für Babyschwimmen über das Leistungsschwimmen bis hin zum Rehabilitationskurs.

Daraus ergeben sich folgerichtig auch die sehr hohen Anforderungen an die hygienische Sicherheit. Mit der wissenschaftlichen Diskussion zur m?glichen Gesundheitsgef?hrdung durch Schwimmen in gechlortem Badebeckenwasser geht eine zunehmende ?ffentliche Wahrnehmung einher, dass die Risiken (u. a. Asthma und Blasenkrebs) gegenüber den gesundheitlichen Vorteilen überwiegen k?nnen.

Die wissenschaftlich belastbaren Verdachtsmomente zu gesundheitlichen Gef?hrdungspotenzialen in Abh?ngigkeit von den Desinfektionsnebenproduktbildungspotenzialen erfordern eine Minimierung der Desinfektionsnebenprodukte (DNP) über verschiedene entscheidende Stellschrauben (z. B. Qualit?t des Füllwassers, kombinierte effektive Aufbereitungstechniken und Verhalten der Badeg?ste).

Ziel des Gesamtvorhabens war es daher, über die Kombination geeigneter Aufbereitungsverfahren bestehende Gef?hrdungspotenziale zu minimieren bzw. auszuschlie?en. Zu diesem Zweck wurde ein integrierter Ansatz zur Erfassung, Bewertung und Minimierung von Gef?hrdungspotenzialen gew?hlt. Die nachfolgende übersicht zeigt den Aufbau des Verbundvorhabens.

Das Pool-Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (⁠BMBF⁠, F?rderkennzeichen: 02WT1092) gef?rdert. Die Abschlussberichte zum Projekt liegen vor und k?nnen beim Projekttr?ger eingesehen werden.

Schema zur Zusammenarbeit und Wechselwirkung der einzelnen am Pool-Projekt beteiligten Institutionen.
übersicht zum Aufbau des Forschungsvorhabens
Quelle: Umweltbundesamt
 

Schwimmbadmodell – Untersuchungen und Ergebnisse

Im Pool-Projekt wurde ein Schwimmbadmodell mit realistischen Dimensionen und den für die Versuche im Projekt notwendigen Aufarbeitungsverfahren in der Arbeitsgruppe von Prof. Uhl an der TU Dresden in Kooperation mit dem Ingenieurbüro Gansloser, Hannover und der UV-EL GmbH, Dresden entwickelt, aufgebaut und in Betrieb genommen. Zudem wurde die für die kontinuierliche Prozessüberwachung notwendige Analysentechnik ausgew?hlt und installiert. Am Schwimmbadmodell wurden folgende Verfahrenskombinationen für die Badebeckenwasseraufbereitung im Projekt untersucht:

  • Flockung, Sandfiltration, Kornaktivkohlefiltration, Chlorung, ⁠pH-Wert⁠-Einstellung
  • Flockung, Sandfiltration, UV-Niederdruckbestrahlung, Chlorung, pH-Wert-Einstellung
  • Flockung, Sandfiltration, UV-Mitteldruckbestrahlung, Chlorung, pH-Wert-Einstellung
  • Flockung, Ultrafiltration, UV-Niederdruckbestrahlung, Chlorung, pH-Wert-Einstellung
  • Flockung, Ultrafiltration, UV-Mitteldruckbestrahlung, Chlorung, pH-Wert-Einstellung
  • Flockung, Pulveraktivkohledosierung, Ultrafiltration, Chlorung, pH-Wert-Einstellung
  • Flockung, Pulveraktivkohledosierung, Sandfiltration, Chlorung, pH-Wert-Einstellung

Die chemischen Analysen der Wasser- und Luftproben aus den jeweiligen Verfahrenskombinationen wurden mit der Technik vor Ort sowie von der Arbeitsgruppe von Prof. Zwiener an der Universit?t Tübingen durchgeführt.

Die in-vitro toxikologischen Untersuchen des Beckenwasser erfolgten durch Frau Dr. Waldmann, Incos Boté Mainz und im Fachgebiet II 3.6 (Grummt) am Umweltbundesamt. Gentoxische Gef?hrdungspotenziale im Beckenwasser weisen auf eine externe ⁠Exposition⁠ in Bezug zum Endpunkt Blasenkrebs hin.

Der Einsatz der Ultrafiltration (UF) im Vergleich zur Sandfiltration führt zu geringeren Trihalogenmethanen (THM)- und halogenierten Essigs?uren (HAA)-Konzentrationen im Beckenwasser. Toxikologische Gef?hrdungspotenziale waren in dieser Verfahrens-kombination nicht nachweisbar. Eine erh?hte Gentoxizit?t in den Beckenwasserextrakten wurde vor allem in den Verfahrenskombinationen mit UV-Bestrahlung beobachtet. Gleichzeitig wurden bei den Verfahrenskombinationen mit UV-Bestrahlung h?here THM- und Dichloracetonitril-Konzentrationen beobachtet. Die Bildung von neuen DNPs mit gentoxischen Gef?hrdungspotenzialen in Folge der UV-Bestrahlung gilt es in der Wechselwirkung zwischen Minimierung und Neubildung von DNPs weiter abzukl?ren.

 

Trichloramin – Untersuchungen und Ergebnisse mit Informationsfilm

Ein weiterer Schwerpunkt im Projekt war die Untersuchung von Trichloramin (TCA) als potenziell Asthma f?rdernde Verbindung in der Hallenbadluft. Hierfür wurde das In-vitro-Inhalationsmodell unter Einsatz der Lungenzelllinie A549 weiterentwickelt und entsprechende Versuche durchgeführt.

Es zeigte sich, dass TCA in sehr hohen Konzentrationen akut toxisch ist und unabh?ngig von der Expositionszeit zum Absterben der Zellen führt. In niedrigeren Konzentrationen führte TCA zur vermehrten Freisetzung von Entzündungsmediatoren, als ein m?glicher Parameter in der Wirkkaskade hin zur Manifestation von Asthma, in der vorstimulierten humanen Lungenzelllinie.

Da Forschungsarbeiten zeigten, dass für die Bildung von TCA haupts?chlich die Eintr?ge durch den Badegast (u. a. Hautreste, Schuppen, Schwei?, Urin und Kosmetika) verantwortlich sind, wurde für die Aufkl?rung der Badeg?ste ein Informationsfilm ?Gesund wie ein Fisch im Wasser“ erstellt. Dieser Film weist unter anderem darauf hin, dass durch die Einhaltung der pers?nlichen Hygiene (z. B. gründliches Duschen, rechtzeitiges Aufsuchen der Toilette) ein erheblicher Eigenbeitrag zur Minimierung des Gesundheitsrisikos geleistet werden kann.

Gesund wie ein Fisch im Wasser
Quelle: Rixdorf-Film / UBA

Gesund wie ein Fisch im Wasser

Schwimmen im Schwimmbad macht Spa? und ist gesund. Um das Wasser m?glichst frei von Keimen zu halten, ist eine Desinfektion mit Chlor unerl?sslich, jedoch nicht ganz unproblematisch. Dieser Film erl?utert, welche Probleme es besonders für hoch allergiegef?hrdete Babys gibt, wie der Chloranteil mittlerweile durch innovative Reinigungstechnik verringert wird und was jeder und jede Einzelne für ein gesundes Badebeckenwassert tun kann. Denn das Chlor verbindet sich mit Schwei? oder anderen Stoffen auf der Haut von Badeg?sten unter anderem zu Trichloramin, das zum Teil als Gas von der Wasseroberfl?che aufsteigt. Es sorgt nicht nur für den typischen Hallenbadgeruch, sondern kann auch die Atemwege reizen. Also vor dem Schwimmen gründlich duschen!