Nachhaltige Wasserwirtschaft

Konzept der Nachhaltigen Wasserwirtschaft

Inhaltsverzeichnis

Das Leitbild Nachhaltige Entwicklung wurde von den Vereinten Nationen bereits 1992 beschlossen. Wasserwirtschaftliche Nachhaltigkeitskonzepte dienen dem Schutz der Wasserressourcen und der integrierten Bewirtschaftung von Flusseinzugsgebieten und Meeren. Dazu geh?ren Konzepte, wie der sorgsame Umgang mit Wasser in privaten Haushalten oder die Wasserwiederverwendung in Industrie und Landwirtschaft. "Eine nachhaltige Wasserwirtschaft bezeichnet die integrierte Bewirtschaftung aller künstlichen und natürlichen Wasser(teil)kreisl?ufe unter Beachtung drei wesentlicher Zielsetzungen:

  • Langfristiger Schutz von Wasser als Lebensraum bzw. als zentrales Element von Lebensr?umen;
  • Sicherung des Wassers in seinen verschiedenen Facetten als Ressource für die jetzige wie für die nachfolgenden Generationen;
  • Erschlie?ung von Optionen für eine dauerhaft naturvertr?gliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung.

Bei der Erfüllung der Zielsetzungen sind die Anforderungen, die sich aus der Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung in anderen Sektoren ergeben, ebenfalls zu berücksichtigen."

Nachhaltige Wasserwirtschaft verlangt also nicht nur einen umweltgerechten, ?konomischen und sozialvertr?glichen Umgang mit der Ressource "Wasser", sondern schlie?t auch alle anderen Stoff- und Energiestr?me in die Betrachtungen ein.

Vor diesem Hintergrund wurde 1999 vom Umweltbundesamt in einer Studie ein Vorschlag für einen Ma?nahmenplan Nachhaltige Wasserwirtschaft entwickelt. Ein Teilergebnis der vorgelegten Studie ist die Identifizierung von Problembereichen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wasserwirtschaft, für die zum Teil auch m?gliche Ma?nahmen erarbeitet wurden.

Mit dem Fokus auf die zunehmende Diskussion um die Strukturen der Wasserver- und der Abwasserentsorgung, wurden vom Umweltbundesamt 2001 unter dem Titel "Nachhaltige Wasserversorgung in Deutschland" Vorschl?ge für eine zukunftsf?hige Entwicklung der Wasserversorgung entwickelt.

Gem?? dem Motto "Global denken- lokal handeln" spielt für die praktische Umsetzung von Nachhaltiger Wasserwirtschaft die kommunale Ebene eine wesentliche Rolle. Im Rahmen von Lokalen Agenda 21 – Prozessen wird in zahlreichen Gemeinden und St?dten die Idee einer Nachhaltigen Entwicklung verwirklicht. Leider sind gew?sserschutzbezogene Projekte dabei nur selten vertreten. H?ufig liegen die Ursachen dabei an mangelnder Information über m?gliche Projekte oder auch ein unzureichendes Bewusstsein für die Notwendigkeit des Gew?sserschutzes. Um den Austausch von Information und die Vernetzung zwischen (potentiell) Aktiven im lokalen Gew?sserschutz zu f?rdern wurde in dem Aktionshandbuch "Nachhaltige Wasserwirtschaft und Lokale Agenda 21" eine Dokumentation von lokalen Agenda – Projekten zusammengestellt. Als Folgevorhaben f?rdert das Umweltbundesamt derzeit die Erstellung eines Konzepts für eine zielgruppenspezifische Kommunikation von Gew?sserschutzma?nahmen auf kommunaler Ebene. Damit sollen Wege gefunden werden, einen gr??eren Teil der Bev?lkerung wieder von der Notwendigkeit von Gew?sserschutz auf kommunaler und privater Ebene zu überzeugen.

 

Forschungsvorhaben "Ma?nahmenplan"

Quantitativ scheint Wasser in Deutschland eine schier unersch?pfliche Ressource zu sein, qualitativ haben jedoch die vielf?ltigen Gew?ssernutzungen, wie Wasserentnahme, Abwassereinleitung, Fischerei, Schifffahrt, Energiegewinnung und Badebetrieb, die Wasserbeschaffenheit und die ⁠Gew?sserstruktur⁠ oft nachteilig ver?ndert. Trotz der in den letzten 20 Jahren erzielten Erfolge im Gew?sserschutz ist insbesondere unter Vorsorgeaspekten weiterer Handlungsbedarf angezeigt. Dies wird beispielsweise daran deutlich, da?, trotz erheblicher Reduktionen bei den punktf?rmigen Einleitungen von Schadstoffen, international vereinbarte Zielvorgaben für die Gew?sserqualit?t nur zum Teil erreicht werden. Im Auftrag des Umweltbundesamtes hat das Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe einen Vorschlag zur Vorbereitung eines nationalen Ma?nahmenplanes Wasserwirtschaft entwickelt. Ein Teilergebnis der vorgelegten Studie ist die Identifizierung von Problembereichen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wasserwirtschaft. Für folgende wichtigen Themenfelder wurden Ma?nahmenoptionen erarbeitet:

  • Eintrag von N?hrstoffen in Gew?sser (punktf?rmig und diffus),
  • Eintrag von gef?hrlichen Stoffen (exemplarisch wichtige Vertreter) in Gew?sser (punktf?rmig und diffus),
  • Beeintr?chtigung der Gew?sserstruktur (Binnen- und Küstengew?sser),
  • Wassermengenwirtschaft,
  • und Fischerei (Freizeit-, Binnen- und marine Fischerei).

Als Basis für die Erarbeitung der Ma?nahmenoptionen wurde die Studie zu Umweltqualit?ts- und Umwelthandlungszielen im Gew?sserschutz (⁠UBA⁠-Texte 63/96), die bestehende Belastungssituation in den Gew?ssern und der daraus abgeleitete Handlungsbedarf zur Erreichung der Zielvorgaben, zugrundegelegt.

Hieraus und aus den genannten Themenfeldern wurden ca. 70 Ma?nahmen abgeleitet. Jede Ma?nahme wurde im Anhang der Studie in Form eines Datenblattes charakterisiert. Die Datenbl?tter enthalten Angaben zu folgenden Merkmalen:

  • Instrumententyp (Ordnungsrecht, ?konomisches-, informatorisches- oder organisatorisches Instrument),
  • Akteur (Bund, Land, Kommune, EU, Privat, Verb?nde),
  • Zeitbedarf (kurz-, mittel- oder langfristig),
  • Umweltwirkungen,
  • Kostenwirkung,
  • politische Durchsetzbarkeit
  • sowie Vor- und Nachteile der Ma?nahme.

Am Beispiel der Reduktion von Stickstoffeintr?gen erfolgte eine Priorisierung, Bündelung und Wirkungsabsch?tzung unterschiedlicher Ma?nahmen. Dieses Beispiel wurde ausgew?hlt, da hier einerseits eine relativ gute Datengrundlage vorliegt und andererseits die Reduktion der Stickstoffeintr?ge eine hohe Priorit?t aufweist. Die Studie zeigt, dass es sich bei der Operationalisierung von ⁠Nachhaltigkeit⁠ um einen kontinuierlichen Prozess handelt, der von neuen Erkenntnissen und sich ?ndernden Akteurskonstellationen jeweils neu beeinflusst wird. Dafür soll die Studie als Diskussionsplattform dienen. Sie erm?glicht eine vergleichende Betrachtung der verschiedenen Ma?nahmenoptionen und liefert für die fachliche und politische Auseinandersetzung eine rationale Basis. Die Realisierung einer nachhaltigen Wasserwirtschaft ist jedoch keine kurzfristig zu l?sende Aufgabe, sondern erfordert einen über viele Jahre kontinuierlich zu betreibenden und st?ndig weiterzuentwickelnden Politikprozess. (II 2.1, II 2.2)

 

Forschungsvorhaben "Nachhaltige Wasserwirtschaft in Deutschland"

Ein gro?es Interesse fand die Vorstellung der ECOLOGIC-Studie im Rahmen eines Fachgespr?ches am 01.07.1998 im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung in Berlin. Zu einzelnen Kapiteln nahmen Experten aus der Wissenschaft und der Verwaltung ausführlich und zum Teil kontrovers Stellung und regten die Teilnehmer zu intensiven Diskussionen an.

In den letzten Jahren ist die Diskussion um die ⁠Nachhaltigkeit⁠ in der Wasserwirtschaft intensiviert worden. Das Umweltbundesamt hat sich an diesem Diskussionsprozess beteiligt. So wurde ein Forschungsvorhaben mit dem Titel: "Nachhaltige Wasserwirtschaft in Deutschland - Identifizierung gegenl?ufiger Trends und Handlungsempfehlungen" im Auftrag des Umweltbundesamtes von der Gesellschaft für Internationale und Europ?ische Umweltpolitik, ECOLOGIC, Berlin durchgeführt. Im Rahmen dieses Vorhabens wurde nicht nur der Stand der aktuellen Fachdiskussion aufbereitet, sondern auf der Basis von Interviews mit Experten in allen Bereichen der Wasserwirtschaft das Spektrum der Meinungen über Defizite und Fehleinsch?tzungen ermittelt.

Das Leitbild der Nachhaltigkeit kann nur konkretisiert werden, wenn Leitlinien bzw. Prinzipien st?rker spezifiziert werden. Im Vorhaben konnten, neben dem bekannten Vorsorge-, Verursacher- und Kooperationsprinzip, sechs weitere Prinzipien herausgearbeitet werden (Regionalit?ts-, Integrations-, Ressourcenminimierungs- Quellenreduktions-, Reversibilit?ts- und Intergenerationsprinzip), die für die Bewertung einer nachhaltigen Wasserwirtschaft und für die Ableitung von Ma?nahmen geeignet erscheinen.

Vor diesem Hintergrund wurde im Bericht eine ausführliche Analyse der derzeitigen Situation der Gew?ssermorphologie, der Wassermengenwirtschaft, der ⁠Gew?ssergüte⁠ und der wasserwirtschaftlichen Institutionen in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt. Als Ergebnis wurden einerseits etliche Entwicklungen identifiziert, die dem Leitbild der Nachhaltigkeit entsprechen (z.B. sinkender Wasserverbrauch bei Privathaushalten und Industrie), andererseits aber auch einige gegenl?ufige Trends (z.B. der weitere Ausbau von Wasserstra?en). Für einige defizit?re Bereiche, wie Landwirtschaft, Raumplanung, Siedungsbau und Binnenschifffahrt wurden Vorschl?ge für kurz- und langfristige Handlungsoptionen formuliert. In einem n?chsten Schritt wurden die Ma?nahmenoptionen vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung, Karlsruhe, in einem Vorhaben des Umweltbundesamtes mit dem Titel: "Ma?nahmenplan Nachhaltige Wasserwirtschaft" konkretisiert.

Der Abschlu?bericht "Nachhaltige Wasserwirtschaft in Deutschland" ist beim Springer-Verlag, Heidelberg (ISBN 3-540-65668-5) über den Buchhandel zu beziehen.

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