Lagerung/Transport und Umschlag von brennbaren Flüssigkeiten

Schnell noch einmal volltanken, weil das Benzin gerade preiswert ist. So denken sicherlich viele Autofahrerinnen und Autofahrer und fahren zu einer der circa 15.000 Tankstellen in Deutschland. Dabei k?nnen Sie feststellen, dass es kaum noch nach Benzin riecht. Das war nicht immer so.

Inhaltsverzeichnis

 

Flüchtige Organische Kohlenwasserstoffe

In Deutschland gibt es derzeit knapp 15.000 Tankstellen und etwa 300 Tanklager. Hier werden zum überwiegenden Teil Benzin (Ottokraftstoff) und andere leichtflüchtige organische Kohlenwasserstoffverbindungen, so genannte VOC? (volatile organic compounds) getankt, umgeschlagen oder gelagert.

Bei der Lagerung und dem Umschlag dieser leichtflüchtigen organischen Verbindungen k?nnen D?mpfe entweichen und in die Umwelt gelangen: Gründe dafür sind die niedrige Siedetemperatur und der hohe Dampfdruck der Flüssigkeiten.

VOC⁠ tragen zur Bildung des ?Sommersmogs“ bei. Die dabei entstehenden Substanzen wie zum Beispiel Ozon und Photooxidantien sind hochgiftig für den Menschen und k?nnen auch Pflanzen und Tiere sch?digen. Einer der bedenklichsten Inhaltsstoffe von Ottokraftstoffen ist das krebserzeugende Benzol.

In Deutschland sind derzeit etwa 52,4 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassenen(KBA). Von denen fahren etwa 60 Prozent mit Ottokraftstoffen (Stand 01.01.2013). Im Jahr 2012 wurden etwa 18,5 Millionen Tonnen Ottokraftstoffe im Jahr 2012 umgeschlagen, so dass eine bedeutsame Menge an VOC-Emissionen in die Umwelt emittiert wird.

 

Immissionsschutzrechtliche Vorschriften

Zur Verringerung dieser Emissionen flüchtiger organsicher Verbindungen wurden erstmals 1992 zwei Verordnungen zum Bundes-Immissionsschutzgesetz erlassen. Die 20. ⁠BImSchV⁠ regelt das Umfüllen oder Lagern von Ottokraftstoffen, Kraftstoffgemischen (Ottokraftoff mit mehr als 10 Vol.-% Bioethanol) und Rohbenzin in kleinen und gro?en Tanklagern. Sie legt auch die Anforderungen für Beh?ltnisse auf Transportfahrzeugen, wie Stra?entankfahrzeuge, Eisenbahnkesselwagen und Tankschiffe, fest. Des Weiteren enth?lt sie Anforderungen für Lagerbeh?lter an Tankstellen. Die 21. BImSchV regelt die Anforderungen an Tankstellen bei der Betankung von Fahrzeugen mit Ottokraftstoffen oder Kraftstoffgemischen.

In der nachfolgenden Abbildung sind die Mengen der ⁠VOC⁠-Emissionen aus den Regelungsbereichen der 20. BImSchV und 21. BImSchV von 1993 bis 2011 dargestellt. Die Emissionsmengen konnten stetig reduziert werden, was auf den Einsatz der in den Verordnungen vorgeschriebenen Minderungstechniken zurückzuführen ist. Die Angaben für die Jahre 2015 und 2020 wurden über Szenarien abgesch?tzt.

Die Installation von Gaspendelsystemen (20. BImSchV) verminderte die VOC-Emissionen von circa 86.000 Tonnen im Jahr 1993 auf etwa 6.000 Tonnen im Jahr 2011. Die Einführung von Gasrückführungssystemen (21. BImSchV) und der Einsatz von automatischen überwachungssystemen führten zu einem Rückgang der VOC-Emissionen von ann?hernd 60.000 Tonnen im Jahr 1993 auf circa 9.000 Tonnen im Jahr 2011. Die Summe der insgesamt emittierten VOC lag im Jahr 2011 bereits unter 15.000 Tonnen. Im Vergleich dazu w?ren ohne Minderungsma?nahmen ungef?hr 140.000 Tonnen emittiert worden.

In der Zukunft ist damit zu rechnen, dass weniger Ottokraftstoff getankt wird. Gründe hierfür sind die zu?nehmende Nutzung von Dieselfahrzeugen, der Einsatz alternativer Kraftstoffe und der sinkende Kraftstoffverbrauch der Neufahrzeuge. Dies wird voraussichtlich zu einem weiteren Rückgang der VOC-Emissionen führen.

Minderung der VOC-Emissionen in einem Diagramm erkl?rt
Minderung der VOC-Emissionen
Quelle: Umweltbundesamt
 

Minderungstechniken Derzeit genutzte Techniken zur Minderung der diffusen Emissionen sind die Gaspendelung und die Gasrückführung.

Derzeit genutzte Techniken zur Minderung der diffusen Emissionen sind die Gaspendelung und die Gasrückführung.

Gaspendelung

Beim Befüllen von Lagerbeh?ltern wird die Gaspendelung genutzt. über einen Schlauch wird dabei die Flüssigkeit vom Tankfahrzeug in den Tank geleitet. über einen zweiten Verbindungsschlauch werden die im Tank entstandenen und verdr?ngten ⁠VOC⁠-D?mpfe oberhalb des Flüssigkeitsspiegels in den Tank des Stra?entankfahrzeuges zurückgeführt. In folgender Abbildung ist das Schema einer Gaspendelung dargestellt. Die Prüfung des Gaspendelsystems erfolgt durch zugelassene überwachungsstellen (ZüS)? oder ?ffentlich bestellte? und vereidigte Sachverst?ndige (?.b.v.S.) erstmals vor Inbetriebnahme und dann alle zweieinhalb Jahre bei Kraftstoffgemischen und alle fünf Jahre bei Ottokraftstoff. Die Beseitigung der festgestellten M?ngel wird durch einen Fachbetrieb durchgeführt.

Gasrückführung

Die Gasrückführung findet bei der Betankung von Kraftfahrzeugen Anwendung. Das Gasrückführungssystem befindet sich in der Zapfs?ule. Das im Tank des betankten Fahrzeugs entstehende Gemisch aus verdr?ngten VOC-haltigen Kraftstoffd?mpfen und Luft wird in die Lagertanks der Tankstelle zurückgeführt.

Die Rückführung der VOC-haltigen D?mpfe geschieht durch die Erzeugung eines Unterdruckes. über einen Impulsgeber an der Kraftstoffpumpe wird der Kraftstofffluss gemessen und über einen Rechner die Rückführrate gesteuert.

Wegen der 1998/99 wiederholt festgestellten Systemtotalausf?lle von Gasrückführungssystemen in einer Gr??enordnung von circa 30 Prozent muss das Gasrückführungssystem seit dem 1. April 2003 mit einer automatischen überwachungseinrichtung ausgestattet sein, die die Funktionstüchtigkeit des Gasrückführungssystems gew?hrleisten soll. Im Falle eines 72-stündigen Ausfalls der Gasrückführung würde diese die Kraftstoffzufuhr abschalten, um damit l?nger andauernde Emissionen in die Umwelt zu vermeiden.

Die Dichtheitsprüfung des Gasrückführungssystems erfolgt durch zugelassene überwachungsstellen oder ?ffentlich bestellte und vereidigte Sachverst?ndige erstmalig bis sp?testens sechs Wochen nach der Inbetriebnahme und dann alle zweieinhalb Jahre bei Kraftstoffgemischen und fünf Jahre bei Ottokraftstoffen. Die überprüfung der Funktionsf?higkeit erfolgt durch eine bef?higte Person alle zweieinhalb Jahre, die Instandsetzung der festgestellten M?ngel erfolgt durch einen Fachbetrieb. Mit diesen Prüfungen werden die Emissionsminderungen gew?hrleistet.




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Aktuelles

Am 27. April 2012 erfolgte die Novellierung der 20. und 21. ⁠BImSchV⁠. Anlass hierfür waren das Inkrafttreten der europ?ischen Richtlinie 2009/126/EG über Phase II der Benzindampf-Rückgewinnung beim Betanken von Kraftfahrzeugen an Tankstellen (STAGE II) im Jahr 2009. Auch Anpassungen auf nationaler Ebene, wie ge?nderte Kraftstoffzusammensetzungen, Vollzugserfahrungen aus den L?ndern und die Fortentwicklung beim Stand der Technik führten zu dieser Novelle.

Wesentliches Ziel der europ?ischen Richtlinie war und ist es, die Benzind?mpfe, die beim Betanken von Kraftfahrzeugen freigesetzt werden, durch ein Gasrückführungssystem zurückzuhalten. Die Anforderungen wurden in der 21. BImSchV umgesetzt und betreffen vor allem Kleintankstellen mit einem Jahresdurchsatz von 100 bis 1000 Kubikmeter Ottokraftstoff. Diese waren bisher von der Installation eines Gasrückführungssystems und einer automatischen überwachungseinrichtung ausgenommen. Sie haben nun bis Ende 2018 Zeit nachzurüsten. Darüber hinaus erfordert die Richtlinie eine Kennzeichnung an Tankstellen, die die Verbraucher über das installierte Gasrückführungssystem informiert. Weiterhin wurde unter anderem der Anwendungsbereich der 21. BImSchV um Kraftstoffgemische (Ottokraftstoff mit mehr als 10 Vol. % Bioethanol) erweitert.

Die 21. BImSchV steht in engem Zusammenhang mit der 20. BImSchV. Deshalb wurde auch die 20. BImSchV im Jahr 2012 novelliert. Der Anwendungsbereich wurde ebenfalls um Kraftstoffgemische und zudem um Rohbenzin (Naphtha) erweitert. Des Weiteren wurde der fortentwickelte Stand der Technik zur Verminderung der ⁠VOC⁠-Emissionen bei der Lagerung von Ottokraftstoffen, Kraftstoffgemischen und Rohbenzin in Lagertanks umgesetzt.