Textilindustrie

Die Mechanik einer Spinnerei mit vielen hintereinander aufgereihten Garnrollen in blau und beigezum Vergr??ern anklicken
Eine Spinnerei in Indien.
Quelle: Umweltbundesamt

Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist eine der wichtigsten Konsumgüterbranchen Deutschlands. Die Branche ist stark von der Globalisierung der M?rkte gepr?gt. Die Prozessstufen der Textilherstellung, die besonders starke Belastungen für die Umwelt hervorrufen, sind Anbau und Produktion der Rohfasern sowie die Textilveredelung.

Inhaltsverzeichnis

 

Die Textilindustrie in Deutschland

Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist eine der wichtigsten Konsumgüterbranchen Deutschlands. Sie erreichte in Deutschland im Jahr 2012 ein Umsatzvolumen von 19 Milliarden Euro. Die Textil- und Bekleidungsindustrie besch?ftigt in Deutschland ungef?hr 120.000 Personen in 1.200 überwiegend kleinen und mittelst?ndischen Unternehmen.

Mehr als 50 Prozent der in Deutschland hergestellten Textilien sind sogenannte technische Textilien. Diese Textilien werden beispielsweise in der Autoproduktion, im Baugewerbe und im Landschaftsbau, in der Medizin und im Umweltschutz eingesetzt. Neben den technischen Textilien werden in Deutschland Bekleidungs- sowie Heim- und Haustextilien produziert. Weitere wichtige statitische Daten stellt der Gesamtverband Textil+Mode zur Verfügung. Die Textilindustrie umfasst die Herstellung von Garnen und Zwirnen aus verschiedenen Faserarten, die Herstellung von textilen Fl?chen und die Textilveredlung. Bei der Veredelung werden diese Fl?chen zum Beispiel gef?rbt, bedruckt und mit besonderen Eigenschaften ausgerüstet.

Die Textilbranche ist stark von der Globalisierung der M?rkte gepr?gt. So stammt circa 90 Prozent der in Deutschland gekauften Bekleidung aus dem Import, zum gr??ten Teil aus China, der Türkei und Bangladesch.

 

Der Herstellungsprozess

Die Herstellung von Garnen erfolgt durch Spinnen von Rohfasern. Rohfasern für die Textilindustrie sind pflanzliche Fasern wie Baumwolle, tierische Fasern wie Wolle und Chemiefasern wie Polyester. Für die Herstellung textiler Fl?chen aus Garn nutzt die Textilindustrie Verfahren wie Weben, Stricken oder Wirken. Vliesstoffe sind Fl?chengebilde aus Fasern, deren Zusammenhalt durch die eigene Haftung und durch Vernadeln der Fasern zustande kommt. Die Fasern und Garne sind bei den mechanischen Prozessen zur Textilherstellung hohen Belastungen ausgesetzt. Zum Schutz und zur besseren Verarbeitbarkeit ben?tigen sie daher eine chemische Pr?paration, beispielsweise Spinn?le, Schmelzen oder Schlichtemittel.

Die Textilveredlung umfasst die Arbeitsschritte, die aus Rohtextilien farbige und mit besonderen Eigenschaften ausgerüstete Textilien herstellen. Die Veredelung kann in unterschiedlichen Stufen der Fertigung erfolgen (Faser, Garn, Rohware oder Fertigprodukt). Bei den unterschiedlichen Bearbeitungsschritten der Textilveredlung werden Wasser, Chemikalien und Energie eingesetzt. Die Veredelung umfasst grunds?tzlich die Hauptstufen Vorbehandeln (Entschlichten, Bleichen, Waschen, Mercerisieren), F?rben, Drucken und Ausrüsten (einschlie?lich Kaschieren und Beschichten).

 

Die Umweltauswirkungen der Textilindustrie

Die Prozessstufen der Textilherstellung, die besonders starke Belastungen für die Umwelt hervorrufen, sind Anbau und Produktion der Rohfasern sowie die Textilveredlung.

Bei der Prim?rproduktion von Naturfasern werden ⁠Pestizide⁠ und Düngemittel in gro?er Menge eingesetzt. Bisher entfallen beispielsweise circa 25 Prozent des weltweiten Insektizidmarktes und circa zehn Prozent des Pestizidmarktes auf den Baumwollanbau. Der hohe Wasserverbrauch beim Baumwollanbau (3.600-26.900 m3 Wasser pro Tonne Baumwolle) führte unter anderem zum Austrocknen des Aralsees. Ausführliche Informationen zu den ?kologischen und sozialen Folgen des Baumwollanbaus liefert das Diskussionspapier des Wuppertal-instituts ?Am Beispiel Baumwolle: Fl?chennutzungskonkurrenz durch exportorientierte Landwirtschaft“ . Umweltentlastungen sind durch die F?rderung des kontrolliert biologischen Baumwollanbaus m?glich.

Die Produktion von Chemiefasern verbraucht nicht-erneuerbare Ressourcen zum einen als Rohstoff und zum anderen für die Erzeugung von ⁠Prozessw?rme⁠. Als Rohstoff werden j?hrlich circa 0,8 Prozent des derzeit gef?rderten Erd?ls verbraucht.
Die Textilveredlung z?hlt in Deutschland zu den Branchen mit dem h?chsten Abwasseranfall. Dieses Abwasser ist hoch belastet durch:

  • Chemikalien, die bei der Herstellung der Fasern sowie bei der Herstellung von Garnen und Fl?chengebilden eingesetzt und bei der Vorbehandlung zumindest teilweise entfernt werden (insbesondere Pr?parations- und Schlichtemittel).
  • Chemikalien, die bei der Veredlung als Textilhilfsmittel, Farbmittel und Textilgrundchemikalien eingesetzt werden.

Diese Stoffe sind zum Teil schwer abbaubar und k?nnen in den biologischen Kl?ranlagen nur bedingt abgebaut werden. Durch die Weiterentwicklung des Standes der Technik - dessen Umsetzung der branchenspezifische Anhang der Abwasserverordnung fordert – hat die Branche in Deutschland erhebliche Verbesserungen der Abwasserqualit?t und Verringerung des Wasserverbrauchs erreicht. über den Abgaspfad entstehen erhebliche Emissionen bei den Trocknungsprozessen, die den Veredlungsprozessen im w?ssrigen Medium zwischen- oder nachgeschaltet sind. Diese Emissionen stammen aus den synthetischen Fasern sowie aus Pr?parationen (wie Spinn?le und Schmelzen), die als Hilfsmittel für die maschinelle Bearbeitung auf die Fasern und Garne aufgetragen werden.

Das sogenannte Emissionsfaktorenkonzept ist eine produktionsintegrierte Ma?nahme zur Minimierung der Abgasemissionen in der Textilveredlung. Hiermit kann das Emissionspotenzial von Ausrüstungsrezepturen vorausberechnet werden. Das Konzept versetzt die Hersteller von Textilhilfsmitteln und die Anlagenbetreiber in die Lage, besonders emissionsintensive Rezepte zu erkennen und auszutauschen. Der Leitfaden ?Emissionsminderung bei Textilveredlungsanlagen“? des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz? gibt detaillierte Informationen über die abluftseitige Emissionssituation bei Textilveredlungsanlagen und über das Emissionsfaktorenkonzept.

Die oben genannten Trocknungsprozesse sowie die Erzeugung von warmem Prozesswasser führen zu einem hohen Energieverbrauch für die Textilveredlung. Die Studie ?CO2-Minderungspotentiale durch rationelle Energienutzung in der Textilveredlungsindustrie“? des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz zeigt beispielhaft M?glichkeiten zur Nutzung des Energieeinsparpotenzials.

Das BVT-Merkblatt Textilindustrie?? beschreibt die Emissions- und Verbrauchssituation von europ?ischen Textilveredlungsanlagen sowie die Techniken zur Vermeidung und Verminderung von Umweltbelastungen detailliert. Der deutsche Beitr ag zum BVT-Merkblatt liefert umfangreiche Informationen zur deutschen Textilveredlungsindustrie.

 

Auf dem Weg zur nachhaltigen Produktion in der Textilindustrie

Herausforderungen an eine nachhaltige Textilproduktion sehen wir in der gesamten textilen Kette, von der Rohfaser bis zum Fertigprodukt.

Faserproduktion

Bisher wird nur ein Prozent der gesamten Baumwollproduktion nach überprüfbaren und abgestimmten Richtlinien des ?kologischen Landbaus angebaut. Daher besteht ein hoher Handlungsbedarf, durch verst?rkte ?ffentlichkeitsarbeit (Sensibilisierung, Meinungsbildung), die Nachfrage nach biologisch angebauter Baumwolle zu erh?hen. Bei Chemiefasern sehen wir zukünftig Potenzial zur Minderung der Ressourceninanspruchnahme durch innovative Produkte (wie recyclingf?hige Textilien) und neue Konzepte des Textilrecyclings, die die Rückgewinnung von Chemiefasern aus Textilien zur Produktion von Neuware erm?glichen.

Textilveredlung

Die gr??te Herausforderung bei der Textilveredlung sind der hohe Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung. Weitere Probleme sind die abgasseitigen Emissionen und der hohe Energieverbrauch sowie der Einsatz umwelt- und gesundheitsgef?hrdender Chemikalien. Mit der Weiterentwicklung des Standes der Technik hat die Industrie in Deutschland schon erhebliche Verbesserungen erzielt. Weitere Verbesserungen sind durch produktionsintegrierte Ma?nahmen m?glich. Beispiele für produktionsintegrierte Ma?nahmen, die im Rahmen des Innovationsprogramms des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zur Verminderung von Umweltbelastungen gef?rdert wurden, sind:

  • Schlichterückgewinnung mittels Ultrafiltration,
  • Kreislaufführung von gereinigtem Prozesswasser,
  • Vermeidung von Abwasser durch das F?rben von N?hgarnen aus Polyesterfasern in überkritischem Kohlendioxid,
  • Abw?rmenutzung mit gekoppelter Erzeugung von Strom und W?rme.
 

BVT-Merkbl?tter und internationale Zusammenarbeit

Ziel des Umweltbundesamtes ist es, den fortschrittlichen deutschen Stand der Technik als europ?ischen Umweltstandard festzulegen. Unter Federführung des ⁠UBA⁠ beteiligt sich Deutschland aktiv an der Erstellung der sogenannten BVT-Merkbl?tter, die den Informationsaustausch über die besten verfügbaren Techniken in Europa abbilden und als Grundlage für die Genehmigung von Textilveredlungsanlagen dienen sollen.

Das gr??te Umweltentlastungspotenzial in der Textilherstellung liegt in weniger entwickelten L?ndern. In diesen L?ndern erfolgt ein gro?er Teil der weltweiten Produktion oft unter geringen Umweltstandards. Ziel des UBA ist es, die umweltvertr?gliche Produktion auf der Grundlage europ?ischer Umweltstandards in diesen L?ndern zu f?rdern. Die Verbreitung der europ?ischen BVT-Merkbl?tter auch in nicht EU-Staaten soll die Anwendung von BVT f?rdern. Zu diesem Zweck hat das Umweltbundesamt die Broschüre ?Umweltstandards in der Textil- und Schuhbranche - Ein Leitfaden auf Basis der BVT-Merkbl?tter der EU “ herausgegeben. Diese Broschüre informiert Handels- und Markenfirmen und Unternehmen der Lieferketten in Schwellen- und Entwicklungsl?ndern über BVT und soll den Zugang zu den BVT-Merkbl?ttern erleichtern.

Ein weiteres Angebot sind Checklisten auf der Basis der BVT-Merkbl?tter, mit denen das konkrete Verbesserungspotenzial eines Unternehmens aufgezeigt werden kann. Die Checklisten sollen den Handlungsbedarf aufzeigen und Schlussfolgerungen erlauben, welche BVT geeignet sind, bestehende Umweltprobleme in Textilveredlungsunternehmen zu l?sen.

Innovationen

Innovative Projekte in der Textilbranche hat das Investitionsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zur Verminderung von Umweltbelastungen gef?rdert. Informationen zu diesen Projekten sind im Portal ?Cleaner Production Germany“ eingestellt.

 

Rechtliche Grundlagen

Für die abgasseitigen Emissionen aus der Textilindustrie gelten die allgemeinen Anforderungen der ⁠TA Luft⁠. Die TA Luft Nr. 5.4.10.23 legt Anforderungen an Anlagen zur Textilveredlung durch Thermofixieren, Thermoisolieren, Beschichten, Impr?gnieren oder Appretieren, einschlie?lich der zugeh?rigen Trocknungsanlagen fest.

Für Chemisch-Reinigungs- und Textilausrüstungsanlagen, in denen halogenierte Kohlenwasserstoffe als L?semittel eingesetzt werden, regelt die 2. ⁠BImSchV⁠ den Einsatz bestimmter Chlorkohlenwasserstoffe sowie den technischen und organisatorischen Betrieb.
Die 31. BImSchV legt für Beschichtungsanlagen und Druckereien, die organische L?semittel über einer bestimmten Mengenschwelle anwenden, Anforderungen an die L?semittelemissionen fest.

Die EU-Richtlinie über Industrieemissionen sieht einen Informationsaustausch über die besten verfügbaren Techniken (BVT) vor, dessen Ergebnisse die EU-Kommission in BVT-Merkbl?ttern ver?ffentlicht. Das BVT-Merkblatt Textilindustrie?? beschreibt die besten verfügbaren Techniken in der Branche.

Der Anhang 38 der Abwasserverordnung legt die Anforderungen an das Abwasser aus der Textilherstellung und Textilveredlung fest. Die Verwendung von Chemikalien ist unter anderem. durch die ⁠REACH⁠ Verordnung geregelt.