Konsum und Umwelt: Zentrale Handlungsfelder

Die Umweltfolgen des Konsums ergeben sich aus einer Vielzahl von Einzelentscheidungen. So sind allein die drei Handlungsfelder Bauen & Wohnen, Mobilit?t und Ern?hrung bereits für 70 bis 80 Prozent der Umweltfolgen unseres Konsums verantwortlich. Auch innerhalb dieser Handlungsfelder tragen wenige "Big Points" die Hauptlast.

Inhaltsverzeichnis

 

Umweltrelevanz und priorit?re Bedarfsfelder

In der Umweltforschung existieren unterschiedliche methodische Herangehensweisen, mit denen geprüft wird, welche Bereiche des Haushaltskonsums welchen Umweltverbrauch aufweisen. Vorliegende Studien benennen trotz der methodischen Unterschiede die gleichen drei priorit?ren Bedarfsfelder im Hinblick auf die Umweltrelevanz. Demnach sind die Bedarfsfelder Bauen & Wohnen, Mobilit?t und Ern?hrung für 70 bis 80 Prozent der Umweltfolgen des Konsums verantwortlich.

Die Abbildung ?Treibhausgasaussto? pro Kopf in Deutschland nach Konsumbereichen (2017)“ zeigt die hohe Relevanz der priorit?ren Bedarfsfelder beispielhaft anhand des Treibhauspotenzials, wobei statt der Kategorie Bauen und Wohnen die Bereiche Heizung und Strom verwendet wurden. Im Durchschnitt entfallen von den gesamten j?hrlichen 11,6 Tonnen Treibhausgasemissionen eines Deutschen rund 21 Prozent der Treibhausgasemissionen auf Heizung und Strom, 19 Prozent auf Mobilit?t und 15 Prozent auf Ern?hrung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Emissionen für die Herstellung von Baumaterialien, M?beln und Autos in der Kategorie Sonstiger Konsum enthalten sind.

Die Rangfolge der Relevanz innerhalb der drei priorit?ren Bedarfsfelder ist abh?ngig von der betrachteten Wirkungskategorie (siehe Abbildung ?Beitrag von Produktfeldern zu einzelnen Wirkungskategorien“). W?hrend Heizung und Strom die h?chste Relevanz beim Treibhauspotenzial besitzen, ist Mobilit?t allein für rund zwei Drittel des Photooxidantienbildungspotenzials verantwortlich.

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Von priorit?ren Bedarfsfeldern zu priorit?ren Ma?nahmen

Die Fokussierung auf priorit?re Bedarfsfelder ist ein wichtiger, aber nicht ausreichender Schritt. Denn die priorit?ren Bedarfsfelder beinhalten zwar die wichtigsten Einzelma?nahmen, aber nicht alle Einzelma?nahmen aus diesen sind zwangsl?ufig auch von besonderer Umweltrelevanz. Zum Beispiel hat der Verzicht auf Erdbeeren im Winter absolut betrachtet nur ein kleines Einsparpotenzial, obwohl diese Ma?nahme dem priorit?ren Bedarfsfeld ?Ern?hrung“ zuzuordnen ist. Eine Ratgeberanalyse ergab denn auch, dass nur rund 10 Prozent der vorgeschlagenen Ma?nahmen aus den priorit?ren Bedarfsfeldern eine sehr gro?e Umweltrelevanz aufwiesen und in diesem Sinne ?Big Points“ eines nachhaltigen Konsums darstellen (siehe Tabelle ?Analyse umweltrelevanter Handlungsvorschl?ge“).

Solche ?Big Points“ sind im Hinblick auf den pers?nlichen CO2e-Aussto? zum Beispiel:

  • Zahl der Fernreisen, zurückgelegte Autokilometer und Kraftstoffverbrauch des Autos im Bereich Mobilit?t
  • Gr??e der Wohnfl?che und D?mmstandard in Bezug auf den Heizenergieverbrauch

Auch das Ern?hrungsverhalten hat Einfluss auf den CO2e-Aussto?. Hier wirkt sich insbesondere die Menge des Fleischkonsums bzw. des Konsums tierischer Produkte, aber auch der Kauf von Bio-Produkten aus, der zudem in Bezug auf Gew?sserschutz, Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und Artenschutz wichtige umweltentlastende Folgen hat.

Mit Hilfe eines CO2-Rechners l?sst sich einfach die Bedeutung solcher ?Big Poinst“ veranschaulichen??(siehe Abb. ?Beispielhafte Abweichungen vom durchschnittlichen CO2e-Aussto?“). Alleine durch die Ver?nderung von zwei Angaben ?ndert sich der CO2e-Aussto? einer Person gegenüber dem deutschen Durchschnitt von rund 11,6 Tonnen CO2e um:

  • Minus 2 Tonnen CO2e (-18 Prozent), wenn die Person in einem Passivhaus und auf 20 m2 weniger Wohnfl?che wohnt.
  • Plus 5,4 Tonnen CO2e (+49 Prozent), wenn eine zus?tzliche Flugreise nach New York sowie eine t?gliche Pendlerstrecke von 20 Kilometer hinzukommt.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass es eine gro?e Varianz bei den individuellen CO2-Bilanzen gibt. W?hrend die besten 10% der Bev?lkerung mit 7 t CO2e auskommen und damit 40 % unter dem Durchschnittswert von 11,6 t CO2e liegen, ist der Wert für die 10 % der Bev?lkerung mit dem h?chsten CO2-Fu?abdruck mit 17,7 t CO2e mehr als doppelt so gro? und liegt mehr als 50 % über dem deutschen Durchschnitt.

Eine wichtige übergeordnete Rolle für die pers?nliche Treibhausgasbilanz und den Ressourcenverbrauch spielt die H?he des verfügbaren Einkommens. In der Tendenz steigen CO2e-Aussto?, Ressourcenverbrauch und die damit verbundenen Umweltbelastungen mit dem Einkommen. Man wohnt in gr??eren Wohnungen, reist h?ufiger, leistet sich ein gr??eres Auto und konsumiert mehr. Dabei spielt es keine Rolle, ob man nur das pers?nliche Einkommen (Abbildung ?Treibhausgasausto? pro Kopf und Jahr in Abh?ngigkeit vom pers?nlichen Monatseinkommen (netto) in Deutschland“)? oder das in Abh?ngigkeit der Haushaltsgr??e ermittelte Pro-Kopf-Einkommen betrachtet (Abbildung ?Treibhausgasausto? pro Kopf und Jahr in Abh?ngigkeit vom Pro-Kopf-Monatseinkommen (netto) in Deutschland “).? Diese Einkommensabh?ngigkeit spiegelt sich auch in den CO2e-Bilanzen der unterschiedlichen Milieus wider (Abbildung ?Treibhausgasausto? pro Kopf und Jahr in Deutschland in Abh?ngigkeit von Milieuzugeh?rigkeit“).

Die gro?e Bedeutung der ?Big Points“ nachhaltigen Konsums für den individuellen Umweltverbrauch macht auch verst?ndlich, warum es innerhalb von relativ homogenen Milieus gro?e Abweichungen gibt (siehe Abbildung ?Treibhausgasausto? pro Kopf und Jahr in Deutschland (Minimum, Maximum nach Milieuzugeh? rigkeit) Die Unterschiede um mehr als 100 Prozent zwischen dem ersten und dem letzten ⁠Perzentil⁠ lassen sich anhand der Unterschiede in Bezug auf wenige ?Big Points“ wie Wohnfl?che pro Kopf, Zahl der Flugreisen und dem D?mmstandard erkl?ren.

Einzelma?nahmen eines nachhaltigen Konsums unterscheiden sich aber nicht nur hinsichtlich ihrer Umweltrelevanz, sondern zum Beispiel auch im Hinblick auf ihre Umsetzungswahrscheinlichkeit. W?hrend viele ?Big Points“ wie Verzicht auf Flugreisen auf Ablehnung in weiten Teilen der Bev?lkerung sto?en, gibt es auch ?Big Points“ eines nachhaltigen Konsums, die von einer wachsenden Zahl von Menschen nachgefragt und dauerhaft umgesetzt werden und die auf andere Akteure (Politiker, Unternehmen, Konsumenten) positiv ausstrahlen. Die sozialwissenschaftliche Umweltforschung wendet sich daher verst?rkt der Frage zu, was solche ?Schlüsselentscheide“ (Kaenzig/Jolliet 2006), ?Key Points“ (Bilharz 2010), oder ?Top-Ten-Ma?nahmen“ (?ko-Institut 2010) eines nachhaltigen Konsums sind. Als Beispiele werden unter anderem Ma?nahmen zur W?rmed?mmung, Car-Sharing oder Investitionen in erneuerbare Energien genannt.

Quellen:

  • Bilharz, M. (2010): ?Key Points“ nachhaltigen Konsums, Marburg.
  • Kaenzig, J./Jolliet O. (2006): Umweltbewusster Konsum: Schlüsselentscheide, Akteure und Konsummodelle. Umwelt-Wissen Nr. 0616, Bundesamt für Umwelt, Bern.
  • ?ko-Institut (2010): CO2-Einsparpotenziale für Verbraucher. Studie für den vzbv. Freiburg.
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Die Suche nach global verallgemeinerbaren Konsummustern

Hinter dem Konzept nachhaltiger Konsum steht das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung: Hier und heute so leben, dass überall und auch in Zukunft alle Menschen so leben k?nnen. Es geht somit beim nachhaltigen Konsum um global verallgemeinerbare Konsummuster.

Abbildung ?Treibhausgasemissionen pro Person (nach L?ndern)“ zeigt beispielhaft, dass global sehr gro?e Unterschiede im Konsumniveau bestehen. So liegt der deutsche CO2e-Aussto? pro Kopf mehr als 60 % über dem Weltdurchschnitt und mehr als viermal so hoch wie der Wert von Indien. Nach heutigem Kenntnisstand muss allerdings der weltweite CO2e-Aussto? bis 2050 um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 gesenkt werden, um die Erderw?rmung gem?? den ⁠UN⁠-Beschlüssen von Paris auf deutlich unter 2 Grad Celsius eind?mmen zu k?nnen. Dies macht deutlich, dass das deutsche Konsumniveau nicht global verallgemeinerbar ist und nachhaltiger Konsum gro?e Anstrengungen erfordert. Für den CO2e-Aussto? bedeutet dies beispielsweise eine Minderung in H?he von rund 95 Prozent, was einem Pro-Kopf-Aussto? von unter 1 t CO2e entspricht.

Im Diagramm werden die Treibhausgasemissionen pro Person für verschiedene L?nder, weltweit und in der Europ?ischen Union verglichen. Die Einheit ist CO2-?quivalente pro Kopf in Tonnen. Die Werte betragen etwa: Bangladesch: 1, Schweden: 5,5, EU28: 8, Deutschland 11, Tschechien: 12
Treibhausgasemissionen pro Person (nach L?ndern, 2016)
Quelle: Umweltbundesamt
 

?Konsumbürger“: Engagement jenseits des eigenen Konsums

Wir haben aber nicht nur Einfluss auf unseren, sondern auch auf den CO2e-Aussto? von anderen Menschen oder Unternehmen. Investitionen in erneuerbare Energien und andere umweltschutzbezogene Geldanlagen tragen zur CO2e-Einsparung bei. Das Engagement am Arbeitsplatz erm?glicht oft Einsparm?glichkeiten, die weit über den pers?nlich zurechenbaren CO2e-Aussto? hinausgehen. Gesellschaftliches Engagement (zum Beispiel in Form von Verbandsmitgliedschaften) kann dazu beitragen, dass klimafreundlichere Gesetze eingeführt werden (siehe Abbildung ?Durch Geldanlagen und Geldspenden indirekt angesto?ene CO2e-Minderungen“).

Das Diagramm zeigt durch Geldanlagen und Geldspenden indirekt angesto?ene CO2-?quivalente-Minderungen (Sch?tzungen bezogen auf jeweils ein Jahr): Eine grüne Geldanlage von 1.000 € spart 0,1 Tonnen, eine Investition in Windkraft von 1.000 € spart 1,1 Tonnen. Für Geldspenden von 100 € wird die Minderung wie folgt gesch?tzt: Kompensationszahlung gem?? Gold-Standard: 4,3 Tonnen, Kauf und L?schung von CO2-Zertifikaten des EU-Emissionshandels: 5 Tonnen, Spende an Umweltschutzverband: nicht berechenbar.
Durch Geldanlagen und Geldspenden indirekt angesto?ene CO2-?quiv.-Minderungen (Sch?tzungen)
Quelle: Umweltbundesamt und Adelphi