Nachhaltiger Tourismus

eine junge, sportlich gekleidete Frau mit Rucksack, Strohhut und Isomatte wartet auf der Bahnsteigkante in der Sonne sitzend auf einen Zug und schaut in eine Landkartezum Vergr??ern anklicken
Bahn- oder Flugreise, Umland oder übersee: Wie sehr Urlaub die Umwelt belastet, ist sehr verschieden
Quelle: narstudio / Fotolia.com

Tourismus spielt in unserer heutigen Gesellschaft eine bedeutende Rolle. Das birgt sowohl Herausforderungen als auch M?glichkeiten für die Zukunft. Touristische Aktivit?ten k?nnen auf verschiedene Weisen Umweltbeeintr?chtigungen darstellen, beispielsweise durch den Verbrauch von Energie und den Aussto? von Luftschadstoffen. Tourismus wird somit zu einem komplexen Themenfeld, innerhalb welchem zahlreiche Bereiche wie Mobilit?t, Unterbringung und Verpflegung im Verh?ltnis zu Umweltbelastungen und -auswirkungen betrachtet werden müssen.

Inhaltsverzeichnis

 

Bedeutung des Tourismus

Tourismus hat in Deutschland eine hohe Bedeutung sowohl für Reisende als auch ?konomisch. Rund 70 Millionen l?ngere Reisen (ab fünf Tagen) werden von Einwohnerinnen und Einwohnern Deutschlands j?hrlich unternommen. Die deutsche Tourismuswirtschaft trug 2016 mit 2016 mit 100 Milliarden Euro (4,4 Prozent) erheblich zur gesamten Bruttowertsch?pfung bei. Insgesamt 2,9 Millionen Erwerbst?tige waren 2016 im Tourismus besch?ftigt. (vgl.: Tourismuspolitischer Bericht der Bundesregierung, 2017).
Auch weltweit ist Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsbereich, der jeder elften Person einen Arbeitsplatz bietet.

Tourismusaktivit?ten haben Folgen für die Umwelt

Tourismus beeinflusst beinahe alle Bereiche der Umwelt. Eine Untersuchung im Auftrag des Umweltbundesamtes kam im Jahr 2002 zu einer qualitativen Absch?tzung der Umweltauswirkungen. W?hrend der An- und Abreise kommt es insbesondere zum Verbrauch von Prim?renergie, Aussto? von klimasch?dlichen Emissionen, Beeintr?chtigung der ⁠Atmosph?re⁠ sowie zu L?rmemissionen. Unterkünfte haben insbesondere im Bereich der Fl?cheninanspruchnahme einen Einfluss auf die Umwelt und Freizeitaktivit?ten wirken sich besonders stark auf die ⁠Biodiversit?t⁠ aus.

Diese generellen Aussagen haben auch heute noch Bestand. Quantitative Erhebungen zu den Umweltauswirkungen des Wirtschaftsbereiches Tourismus liegen für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland derzeit nicht vor.

Tabelle Umweltauswirkungen touristischer Aktivit?ten
Umweltauswirkungen touristischer Aktivit?ten

Eine Tabelle, die die Schwere der Umweltauswirkungen verschiedener, touristischer Aktivit?ten darstellt.

Quelle: UBA-Berichte 4/02
 

Umweltbelastungen ermitteln und Umweltauswirkungen verringern

Ziel des Umweltbundesamtes ist es, die Umweltauswirkungen des Tourismus zu spezifizieren sowie Ma?nahmen und Instrumente zur Reduzierung zu empfehlen. Zus?tzlich sollen Ver?nderungen der Umweltauswirkungen mittels zutreffender Indikatoren evaluiert werden. Dies ist insbesondere auch deshalb notwendig, da die Tourismuswirtschaft ein wachsender Bereich ist. Lag die Gesamtzahl der in der amtlichen Statistik erfassten übernachtungen im Jahr 2006 bei 351,2 Millionen, stieg sie bis zum Jahr 2016 auf 447,2 Millionen an (vgl.: Tourismuspolitischer Bericht der Bundesregierung, 2017). Das Umweltbundesamt setzt sich im Rahmen von interdisziplin?ren Forschungsvorhaben mit den Auswirkungen des Tourismus und Minderungsm?glichkeiten auseinander.

Klimaeffekte des Tourismus

Der Aussto? von Kohlendioxid (CO2), der durch touristisch bedingten Verkehr entsteht, tr?gt ma?geblich zum ⁠Klimawandel⁠ bei. Haupts?chlich sind dabei Reisen mit dem Pkw, Reisebus, Schiff oder Flugzeug zu erw?hnen. Reisen mit dem Flugzeug spielen eine besonders schwerwiegende Rolle. Dies liegt daran, dass sie neben dem CO2 in der üblichen Reiseflugh?he noch weitere Emissionen und atmosph?rische Prozesse verursachen, deren Klimawirksamkeit deutlich h?her ist, als die des CO2 allein. Beispielhaft sind Emissionen von Stickoxiden oder die vom Luftverkehr verursachte Wolkenbildung zu nennen. Kondensstreifen, die selbst schon eine ⁠Klimawirkung⁠ haben, k?nnen diese noch verst?rken, wenn sie sich in Zirruswolken umwandeln. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand betr?gt die Klimawirkung dieser ?Nicht-CO2-Effekte“ noch einmal das Doppelte des CO2 allein.

Anpassung an den Klimawandel

Die Tourismuswirtschaft wird sich in Zukunft auf ver?nderte Rahmenbedingungen in Folge des Klimawandels einstellen und sich entsprechend anpassen müssen. Die Betroffenheit von Destinationen und Anbietern wird hierbei vielf?ltig sein. Das Umweltbundesamt befasst sich ausführlich im Rahmen seiner Forschungen mit diesem Thema. Die Untersuchung der ⁠Vulnerabilit?t⁠ Deutschlands gegenüber dem Klimawandel im Auftrag des Umweltbundesamtes ermittelt auch für die Tourismuswirtschaft Anpassungsnotwendigkeit und ⁠Anpassungsf?higkeit⁠. Eine Wirkungskette zur Analyse wurde erarbeitet und steht für das Handlungsfeld Tourismuswirtschaft zur Verfügung sowie Indikatoren zur Beurteilung der Ver?nderungen. Informationen zu Anpassungsnotwendigkeiten, Beispiele für Ma?nahmen sowie Hinweise zur Umsetzung wurden erarbeitet und im Handlungsleitfaden ?Anpassung an den Klimawandel: Die Zukunft im Tourismus gestalten“ vorgestellt.

Luftverschmutzung und Beeintr?chtigung der ⁠Atmosph?re

Luftverschmutzung wird durch den Tourismus aus verschiedenen Quellen erzeugt z.B. Verkehr zu Land, Wasser und in der Luft sowie durch Heizen, insbesondere mit Kleinfeuerungsanlagen, und auch im Freien beim Grillen und bei Lagerfeuern. Auch k?nnen von einigen Freizeitaktivit?ten Luftverschmutzungen ausgehen, dies ist z.B. auf sogenannten Holi-Festivals, auf denen Farbpulver in die Luft geworfen wird, der Fall; es entstehen zum Teil sehr hohe Feinstaubbelastungen. Dies trifft ebenfalls auf Feuerwerke zu, die im Rahmen von touristischen Veranstaltungen durchgeführt werden. Durch Beeintr?chtigung der Luftzirkulation kann es zudem zu einer Anreicherung der emittierten Luftschadstoffe in Bodenn?he kommen.

Wasserknappheit und Gew?sserverschmutzung

Wasser, egal ob Fluss, See oder Meer, hat für Reisende eine hohe Anziehungskraft. Immerhin 46 Prozent aller deutschen Reisenden suchten in ihrem Urlaub im Jahr 2015 Sonne, Strand und Meer auf. In Regionen, in denen Wasser knapp ist, wird der Wasserverbrauch zu einem Problem. Vielfach muss das Wasser aufw?ndig aufbereitet oder kostenintensiv mit Tankschiffen oder Tankwagen herangefahren oder aus Meerwasser gewonnen werden. Im Falle von Wasserknappheit entsteht eine Konkurrenz insbesondere zwischen Tourismus, dem Trinkwasserbedarf der lokalen Bev?lkerung und der Landwirtschaft. Der Tourismus selbst kann sowohl für zu hohe Wasserentnahmen als auch für Gew?sserverschmutzung (z.B. durch vermehrtes Abwasseraufkommen) verantwortlich sein. Im Winter hingegen kommen weitere problematische Wassernutzungen hinzu, z.B. Beschneiung von Skipisten unter Einsatz von Zusatzstoffen.

Fl?chenverbrauch und Bodenversiegelung

Für Hotels, Pensionen, Ferienh?user und andere Tourismusinfrastrukturen werden neue Geb?ude errichtet und dabei B?den versiegelt. Zus?tzlich werden Parkpl?tze eingerichtet und Au?enanlagen gestaltet, was ebenfalls Fl?che in Anspruch nimmt und zu einer weiteren Versiegelung oder Verdichtung von B?den führt. Zudem wird die Bodenstruktur ver?ndert oder es werden Fremdmaterialien aufgebracht. All dies führt zum Verlust natürlicher Bodenfunktionen mit Auswirkungen auf den Wasserhaushalt oder das Kleinklima, sodass u.a. das Risiko für überflutungen und überhitzung im Sommer steigt.

Landschaftsver?nderungen

Touristische Infrastrukturen haben einen direkten Einfluss auf das Landschaftsbild bzw. das Stadtbild. Auff?llig ist dies insbesondere immer dann, wenn die Architektur sich nicht an den ?rtlichen Gegebenheiten und Bautraditionen orientiert. Zudem sucht ein Tourismusinvestor für sein Geb?ude in der Regel die N?he zur Landschaft und Natur, um hier sch?ne Ausblicke für die G?ste zu gew?hrleisten und kurze Wege zu attraktiven Orten, seien es Str?nde, Sehenswürdigkeiten oder Aussichtspunkte, zu gew?hrleisten. In Berggebieten werden zur Steigerung der touristischen Attraktivit?t Bergbahnen errichtet, Fl?chen für Parkpl?tze planiert und an Rad- und Wanderwegen werden Sitzb?nke, Abfalleimer und Wegweiser installiert.

Biodiversit?tsverlust

Die ⁠Biodiversit?t⁠ wird beeintr?chtigt durch Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung, Bodenver?nderungen, Eingriffe in Küsten- und Uferbereich durch Anlage von Badestellen, Freizeiteinrichtungen (z.B. Marinas) und Beherbergungseinrichtungen. Zudem sind unterschiedliche Biotopformen zum Erhalt einer vielf?ltigen Biodiversit?t n?tig. über den Verlust von Biodiversit?t durch den Tourismus liegen derzeit keine quantifizierten Erkenntnisse vor, m?glicherweise kann dies auch nicht exakt hergeleitet werden. Unabh?ngig davon enth?lt die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt umfangreiche Ma?nahmen, die im Bereich des Tourismus ergriffen werden sollen, um die biologische Vielfalt zu schützen und zu erhalten.

Zunehmende Gesundheitsrisiken

Die beschriebenen Umweltbelastungen haben in der Regel immer einen mittelbaren oder unmittelbaren, lang- oder kurzfristigen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen. Es ist nicht bekannt, welcher Anteil der Gesundheitsrisiken auf den Tourismus zurückzuführen ist. Ebenso schwer absch?tzbar ist, ob eine solche Differenzierung m?glich ist. Besonders schwerwiegend sind Gesundheitsrisiken, die aus der Luftverschmutzung und durch L?rmemissionen resultieren. Weitere potentielle Gesundheitsrisiken entstehen durch die interkontinentale Ausbreitung von Sch?dlingen (wie z.B. Bettwanzen) und Vektoren (Tiere, die Krankheitserreger übertragen k?nnen, wie z. B. Mücken). Zudem kann h?ufiger Sonnenbrand zur Entstehung von Hautkrebs beitragen. Einzelne mit touristischen Aktivit?ten in Verbindung stehenden Aktivit?ten k?nnen sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken. Zu diesen Sachverhalten z?hlen wechselnder Druck (Flugzeug, Tauchen), Anpassungsschwierigkeiten an andere Klimazonen, Zeitverschiebungen, Gesundheitsgef?hrdungen durch Klimaanlagen oder die Vertr?glichkeit regionaler Lebensmittel. Spezielle, insbesondere lokal auftretende Infektionskrankheiten k?nnen zudem durch schlechte Badegew?sserqualit?ten und mangelnde Hygiene auftreten.

Tourismus und Klimawandel

Tourismus ist Mitverursacher des Klimawandels. Gleichzeitig ist er auch von den Folgen der Klimaver?nderungen betroffen. Die Untersuchung der Vulnerabilit?t Deutschlands gegenüber dem Klimawandel im Auftrag des Umweltbundesamtes ermittelt auch für die Tourismuswirtschaft Anpassungsnotwendigkeit und Anpassungsf?higkeit. Eine Wirkungskette zur Analyse wurde erarbeitet und steht für das Handlungsfeld Tourismuswirtschaft zur Verfügung sowie Indikatoren zur Beurteilung der Ver?nderungen.

 

Empfehlungen für Reisende

Auf der Seite des Verbraucherratgebers ?Umweltbewusst reisen“ sind die wichtigsten Tipps für einen umweltschonenden Urlaub für Reisende zusammengefasst.
Die M?glichkeiten, die entstehenden Treibhausgasemissionen einer Reise zu kompensieren sind vielf?ltig. Auf der Seite des Verbraucherratgebers ?Kompensation von Treibhausgasemissionen“ finden Sie eine Zusammenstellung von Informationen zum Thema. Um bei der Vielzahl der Kompensationsm?glichkeiten einen überblick zu behalten, gibt es den ?Gold Standard“. Mehr Informationen darüber finden Sie auf der Seite der UBA-Siegelkunde.

Weitere Themenbereiche zu nachhaltigem Tourismus im UBA