Europ?ische Prüfverfahren für Emissionen aus Bauprodukten

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Gipskartonplatten in einer Emissionsprüfkammer
Quelle: Klaus-Reinhard Brenske / UBA

Um zuverl?ssige Angaben zu Schadstoffemissionen aus Bauprodukten machen zu k?nnen, sind sowohl validierte Prüfverfahren als auch qualifizierte Prüfstellen erforderlich. Erste europ?ische Prüfverfahren zur Bestimmung der Freisetzung von gef?hrlichen Stoffen aus Bauprodukten liegen seit einiger Zeit vor und inzwischen gibt es auch erste nach EU-Vorgaben benannte Prüflabore dafür.

Der freie Verkehr von Bauprodukten im Binnenmarkt ist schon seit 25 Jahren ein Ziel der Europ?ischen Union. Seit über 15 Jahren gibt es Bauprodukte mit CE-Kennzeichnung, die in allen Mitgliedstaaten frei handelbar sind. Leider war es bisher nicht m?glich, Informationen zum Umwelt- und Gesundheitsschutz mit der CE-Kennzeichnung abzudecken, denn die ben?tigten europ?ischen Prüfverfahren fehlten. Inzwischen sind mehrere Prüfverfahren für Emissionen aus Bauprodukten als Europ?ische Technische Spezifikation (CEN/TS) und ein erstes als Europ?ische Norm (EN) erschienen und k?nnen in harmonisierten Europ?ischen Normen für Bauprodukte oder in Europ?ischen Technischen Bewertungen für Bauprodukte Anwendung finden.

VOC⁠-Emissionen in die Innenraumluft

Emissionen aus Bauprodukten für den Innenausbau dürfen nicht dazu führen, dass die Innenraumluft in Geb?uden die Bewohner krank macht. Um eine den Mindestanforderungen entsprechende Innenraumluftqualit?t anstreben zu k?nnen, ben?tigen Planer zuverl?ssige Angaben zu den Emissionen aus allen verwendeten Bauprodukten. Damit Angaben zwischen verschiedenen Produkten vergleichbar sind, sollten sie auf demselben Prüfverfahren basieren. Für die Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) aus Bauprodukten in die Innenraumluft gibt es seit Ende 2013 eine europ?isch harmonisierte Prüfmethode DIN CEN/TS 16516, die inzwischen in eine Europ?ische Norm DIN EN 16516 überführt wurde. Für dieses Verfahren hat die Europ?ische Kommission im Jahr 2016 einige Prüflabore anerkannt, die nach EU-Kriterien den Status einer notifizierten Stelle für Prüfungen nach CEN/TS 16516/ EN 16516 bekommen haben. Diese Prüflabore k?nnen alle Bauprodukthersteller beauftragen, die europ?isch anerkannte Prüfergebnisse für ihr Produkt ben?tigen.

Es fehlt noch die Festlegung eines einheitlichen Deklarationsformats für die Angaben zu VOC-Emissionen in der CE-Kennzeichnung der Bauprodukte und in der dazugeh?rigen Leistungserkl?rung (Angabe von Einzelwerten und/oder Zuordnung der Ergebnisse zu Klassen). Die Europ?ische Kommission prüft derzeit, ob sie Klassen zur Deklaration der VOC-Emissionen festlegen wird (siehe hierzu Briefing: Konsensfindung zur Bewertung von Bauproduktemissionen). Falls die Europ?ische Kommission keine Klassen festlegt, k?nnen Bauprodukthersteller Angaben zu den gemessenen Einzelstoffen als deklarierte Werte machen.

Die Prüfmethode DIN?EN 16516 dient erstrangig dazu, verbindliche VOC-Prüfungen in den Mitgliedstaaten der EU zu vereinheitlichen und Angaben zu VOC-Emissionen im Kontext der CE-Kennzeichnung zu erm?glichen. Sie eignet sich zus?tzlich genauso gut zum Nachweis von freiwilligen Kriterien beispielsweise in Umweltzeichen oder zu neutralen Angaben zum Emissionsverhalten bei Umweltdeklarationen (EPDs).

Für die VOC-Angaben bei EPDs hat das ⁠UBA⁠ eine Empfehlung zur Darstellung der Prüfergebnisse erarbeitet. Die beigefügte Excel-Maske zeigt den UBA-Vorschlag zur Deklaration von VOC-Emissionen in Umweltdeklarationen nach DIN EN 15804 (produkt- und werkspezifische Deklaration). Ab Mitte 2019 übernimmt das Institut für Bauen und Umwelt (IBU) entsprechende VOC-Angaben als verpflichtendes Element in seine EPDs für emissionsrelevante Bauprodukte für Innenr?ume.

Für die VOC-Angaben bei EPDs hat das UBA eine Empfehlung zur Darstellung der Prüfergebnisse erarbeitet.
UBA-Vorschlag zur Deklaration von VOC-Emissionen in Umweltdeklarationen nach DIN EN 15804
Quelle: Umweltbundesamt VOC-Emissionen in Umweltdeklarationen nach DIN EN 15804

Das ⁠UBA⁠ empfiehlt allen Herstellern von Bauprodukten, die ⁠VOC⁠ freisetzen, die?DIN EN?16516 in ihren Produktspezifikationen jetzt umzusetzen. Es ist im Interesse der Verwender und eines fairen Wettbewerbs, dass transparente Angaben zu VOC-Emissionen m?glichst rasch zum Standard am Markt werden. Ab 2019 sind Angaben zu VOC in der CE-Kennzeichnung auf der Grundlage von Normungsauftr?gen der Europ?ischen Kommission für eine Reihe von Bauprodukten verpflichtend. Erste erfolgreiche Vorbilder werden dringend ben?tigt, um die Umsetzung voranzubringen.

Auslaugung von gef?hrlichen Stoffen in Boden und Gew?sser

Auslaugung von Schadstoffen aus der Geb?udehülle und aus Infrastrukturbauwerken tr?gt zur diffusen Umweltbelastung bei. Um sicherzustellen, dass Schadstoffauslaugung aus Bauwerken die Einhaltung der gesetzlich festgelegten Umweltqualit?tsziele nicht gef?hrdet, ben?tigen Planer Informationen zum Auslaugverhalten von Bauprodukten. Bisher sind Informationen über die in Bauprodukten enthaltenen gef?hrlichen Stoffe und ihre Freisetzung nur selten verfügbar. Dies liegt zum einen Teil daran, dass geeignete, allgemein anerkannte Prüfmethoden erst seit relativ kurzer Zeit vorhanden sind zum anderen Teil daran, dass verbindliche Informationspflichten bis heute fehlen.

Einer der wichtigsten Voraussetzungen, um zuverl?ssige und vergleichbare Informationen zur Auslaugung von gef?hrlichen Stoffen aus Bauprodukten verfügbar zu machen, liegt seit Ende 2014 vor. Die Prüfmethode DIN CEN/TS 16637-2 gilt für alle monolithischen, plattenartigen und bahnenartigen Bauprodukte (nicht für k?rnige Bauprodukte). Ein für k?rnige Bauprodukte geeignetes Verfahren ist im Dezember 2016 als CEN/TS 16637-3?erschienen. Auch für diese beiden Prüfmethoden k?nnen sich Prüfstellen jetzt nach EU-Vorgaben qualifizieren. Die Europ?ische Kommission listet die Methoden unter den horizontalen Spezifikationen in ihre Datenbank NANDO. Kompetente Prüfstellen k?nnen einen Antrag zur Aufnahme?stellen.

Vor der Umwandlung der Oberfl?chenauslaugprüfung nach CEN/TS 16637-2 und des S?ulentests nach CEN/TS 16637-3 in Europ?ische Normen (EN)?hat die Gemeinsame Forschungsstelle der Europ?ischen Kommission noch?einen europ?ischen Ringversuch zur weiteren Validierung der Methoden koordiniert. Angaben zum Auslaugverhalten in der CE-Kennzeichnung werden erst verpflichtend, wenn die ben?tigte Methode als EN vorliegt.

Bis dahin empfiehlt das UBA, die Oberfl?chenauslaugprüfung und den S?ulentest freiwillig zu nutzen. Insbesondere bei EPDs w?ren nach CEN/TS 16637-2 oder nach CEN/TS 16637-3 deklarierte Werte zur Freisetzung der für das Produkt relevanten gef?hrlichen Stoffe eine wichtige und wertvolle Erg?nzung. Solche Angaben würden bei Bauprodukten, die zur umweltoffenen Anwendung vorgesehen sind, die Bedeutung der EPDs für den Umweltschutz erheblich steigern.

Zu der Normengruppe geh?ren au?erdem die CEN/TS 16637-1, die weiterführende Hinweise zur Auswahl und Durchführung der Auslaugtests gibt, sowie die Terminologienorm EN 16687, die die Begriffe für die Messung und Bewertung der Freisetzung von Schadstoffen aus Bauprodukten definiert. Ferner sind im Jahr 2019 eine Reihe von harmonisierten Methoden für die Analytik der Eluate und für Feststoffanalysen erschienen (siehe ver?ffentlichte Normen des CEN/TC 351).

Drei Prüfzylinder gefüllt mit Bauprodukten
Perkolationsprüfung der Stofffreisetzung aus k?rnigen Bauprodukten nach DIN CEN/TS 16637-3
Quelle: Conrad Dorer / UBA