Welche Qualifikationen braucht der Umweltschutz?

Die Palette der ben?tigten Berufe und Qualifikationen ist so vielf?ltig wie die Umweltwirtschaft selbst. Der Trend zu mehr Umweltschutz in der Aus- und Weiterbildung ist in vielen Branchen zu beobachten. Sehr wichtig sind für Umweltberufe oft ?Soft Skills“, wie die F?higkeit, interdisziplin?r und teamorientiert zu arbeiten und offen für neue Themen zu sein.

Zahlreiche Studien belegen, dass der Umweltschutz hohe Besch?ftigungspotenziale bietet. Damit diese gehoben werden k?nnen, müssen Arbeitskr?fte mit den notwendigen Qualifikationen verfügbar sein. Fehlt es an fachspezifisch geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, kommt zudem die Innovationst?tigkeit der Unternehmen ins Stocken. Die deutsche Umweltwirtschaft l?uft dann Gefahr, ihre überwiegend sehr gute Wettbewerbsposition nicht sichern oder ausbauen zu k?nnen.

Schon heute stellt der Fachkr?ftemangel aus Sicht vieler Unternehmen ein Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Langfristig wird der demografische Wandel diesen ⁠Trend⁠ noch verst?rken. Hinzu kommt der notwendige Umbau der Wirtschaft zu einer Green Economy , der quer über alle Branchen hinweg einen h?heren Bedarf an umweltschutzbezogenen Qualifikationen zur Folge haben wird.

Umweltschutzbezogene Ausbildung und Qualifizierung sind daher schon aus ?konomischen Gründen notwendig. Sie sind jedoch auch eine wichtige Voraussetzung, dass Deutschland seine Umwelt- und Klimaschutzziele erreichen kann. Die Ausgangssituation in Deutschland ?hnelt dabei der in anderen europ?ischen L?ndern: Das gro?e Besch?ftigungspotenzial des Umweltschutzes wird zunehmend erkannt, die ben?tigte Qualifikationsentwicklung ist jedoch noch nicht umfassend in Umweltstrategien und -programmen integriert.

Qualifikationsanforderungen im Wandel

So unterschiedlich die Berufe im Umweltschutz sind, so vielf?ltig ist auch das geforderte Qualifikationsprofil. Naturwissenschaftler und Ingenieure sind, wie in anderen Bereichen der Wirtschaft auch, besonders gefragt. Aber auch viele andere Fachrichtungen werden gesucht: etwa Juristen, ?konomen, Projektmanager oder Vertriebsleute. Banken und Versicherungen ben?tigen zum Beispiel Energieexperten für die Risikoeinsch?tzung und Kreditvergabe. Sehr gute Zukunftschancen bieten sich auch in vielen Handwerksberufen. Im Energiebereich werden beispielsweise Energiefachwirte ben?tigt oder Mechaniker und Elektrotechniker, die sich zum Wartungs- und Servicetechniker für Windkraft weiterbilden lassen.

Fast zwei Drittel der Arbeitspl?tze im Umweltschutz entfallen auf die umweltorientierten Dienstleistungen. Dazu z?hlen so unterschiedliche Aufgaben wie Energie- und Wassersparberatung, Garten- und Landschaftsbau, ?kologische Bauplanungen in Architektur- und Ingenieurbüros, umweltorientierte Rechts- und Wirtschaftsberatung oder Umweltbildung.

Sehr wichtig sind für Umweltberufe oft ?Soft Skills“, wie die F?higkeit, interdisziplin?r und teamorientiert zu arbeiten und offen für neue Themen zu sein. Kennzeichnend für viele Bereiche ist ein st?ndiger Wandel der Berufsanforderungen, denn die Umweltwirtschaft ist sehr innovativ. Technischer Fortschritt und wachsende umweltpolitische Herausforderungen setzen neue berufliche Akzente. Dies trifft zum Beispiel für die Automobilbranche zu, wo durch die Elektromobilit?t neue Qualifikationsanforderungen entlang der gesamten Wertsch?pfungskette entstehen werden. Dieses Beispiel verdeutlicht auch, dass eine ?Umweltschutz-Qualifizierung“ nicht auf die klassischen Umweltschutzbereiche beschr?nkt ist, sondern in vielen Berufen Einzug h?lt. Um diese Herausforderung zu bew?ltigen, reicht es nicht aus, die berufliche und akademische Ausbildung für junge Menschen zu ver?ndern, die neu in den Arbeitsmarkt eintreten. Es muss auch das lebenslange Lernen gef?rdert werden.

Beispiel erneuerbare Energien

In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach Arbeitskr?ften bei den erneuerbaren Energien sehr stark an. Hier werden vor allem technisch ausgerichtete Qualifikationen, also Ingenieure, Techniker und Handwerker, nachgefragt. Dies ist unter anderem auf den gro?en Fachkr?ftebedarf bei Service und Montage zurückzuführen.
Das in der Branche erneuerbare Energien ben?tigte Wissen sollte dabei nicht in erster Linie in neuen Ausbildungsberufen und Studieng?ngen vermittelt werden. Vielmehr sollten bestehende Ausbildungs- und Studieng?nge, Weiterbildungsma?nahmen und Zusatzqualifizierungen angepasst werden.
Der Ausbildungsmarkt reagierte bereits auf die gestiegene Nachfrage nach Fachkr?ften. So hat sich die Zahl der Studieng?nge mit Bezug zum Thema erneuerbare Energien von 144 im Jahr 2007 auf 300 im Jahr 2010 mehr als verdoppelt.

Beispiel energetische Geb?udesanierung

Die energetische Sanierung von Geb?uden bietet gro?e Chancen für ⁠Klimaschutz⁠ und Besch?ftigung. Bis zum Jahr 2030 lassen sich gegenüber 2010 im Geb?udesektor je nach ⁠Szenario⁠ 30 bis 70 Prozent der Treibhausgasemissionen einsparen. Durchschnittlich wird jedoch erst etwa ein Drittel der finanziell lohnenden Einsparpotenziale im Geb?udebestand gehoben.? Einer der Gründe hierfür ist der Mangel an einschl?gig qualifizierten Fachkr?ften. Das Thema Energiesparen sollte deshalb in allen Bauberufen eine gr??ere Rolle bei der Aus- und Weiterbildung spielen. Auch in Studieng?ngen wie Architektur oder Bauingenieurwesen braucht die energetische Geb?udesanierung mehr Platz im Lehrplan.

Eine Umfrage unter Experten aus Unternehmen, Verb?nden sowie Aus- und Weiterbildungsinstitutionen? best?tigt auch für die energetische Geb?udesanierung, dass eine Qualifizierung durch die Anpassung bestehender Berufe geschehen sollte. Neben dem fachspezifischen Wissen über Einsparpotenziale und Energieeffizienzma?nahmen stufen Experten die Beratungskompetenz und die Teamf?higkeit als besonders wichtig ein. Auch der ?Blick für das Ganze“ und die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Gewerke spielen eine ganz wesentliche Rolle für den Erfolg einer energetischen Geb?udesanierung. Daher sollte es Angebote in der Aus- und Weiterbildung geben, die das Zusammenspiel von planenden und ausführenden Berufe f?rdern. Darüber hinaus sollte die Auswahl der Baumaterialien den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen, also auch den Energie- und Ressourcenverbrauch bei der Herstellung von Bau- oder D?mmstoffen und ihre Recyclingf?higkeit. Da die planenden und ausführenden Berufe die Materialauswahl beeinflussen, ist eine spezielle Qualifizierung hierfür sinnvoll.