TOU-I-5: übernachtungen in Wintersportorten

Das Bild zeigt zwei Bergsteigerinnen von hinten, die mit St?cken über eine teilweise schneebedeckte Bergwiese wandern.  zum Vergr??ern anklicken
Winterwandern kann bei geringer Schneebedeckung eine vergnügliche Alternative zum Skifahren sein.
Quelle: Konstanze Sch?nthaler / Bosch & Partner GmbH

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

TOU-I-5: übernachtungen in Wintersportorten

Die übernachtungszahlen in den verschiedenen Skiregionen entwickeln sich insgesamt recht unterschiedlich. In warmen und schneearmen Wintern wie 2006 / 2007 und 2013/2014 verzeichnen Beherbergungsbetriebe in allen Wintersportregionen Einbu?en. Die noch kurze Zeitreihe der Skier Days, d. h. der Erstnutzungen von Seilbahnen in Skigebieten zeigt noch keine Entwicklungstrends.

Dargestellt ist über Linien die indexierte Anzahl der übernachtungen in Wintersportorten im Winterhalbjahr. Die Werte sind für den Winter 1991/92 auf 100 gesetzt. Die Zeitreihe reicht bis 2017/2018. Für den Schwarzwald und die Alpen gibt es einen quadratisch steigenden Trend, für die ?stlichen sowie die westlichen und zentralen Mittelgebirge gibt es keinen Trend. Die Skier Days, die von 2010/11 bis 2017/18 dargestellt sind, zeigen ebenfalls keinen Trend.
TOU-I-5: übernachtungen in Wintersportorten

Dargestellt ist über Linien die indexierte Anzahl der übernachtungen in Wintersportorten im Winterhalbjahr. Die Werte sind für den Winter 1991/92 auf 100 gesetzt. Die Zeitreihe reicht bis 2017/2018. Für den Schwarzwald und die Alpen gibt es einen quadratisch steigenden Trend, für die ?stlichen sowie die westlichen und zentralen Mittelgebirge gibt es keinen Trend. Die Skier Days, die von 2010/11 bis 2017/18 dargestellt sind, zeigen ebenfalls keinen Trend.

Quelle: Statistische Landes?mter (Monatserhebung im Tourismus)
 

Wie geht’s dem Wintertourismus?

Die beliebtesten Wintertourismusziele der Deutschen waren im Jahr 2018 ?sterreich, Spanien, Südost-Asien, Bayern und Italien. W?hrend ein gro?er Teil der Reisenden in Richtung Süden reist, ist für andere Reisende Winter verbunden mit Schnee. Entweder m?chten sie schneegebundene Sportaktivit?ten auszuüben oder sch?tzen verschneite Landschaften und die damit verbundene besondere ⁠Atmosph?re⁠.

Daher sind für den Wintertourismus in Deutschland die Vorhersagen angesichts des Klimawandels nicht günstig. Bedeutende Destinationen für den Wintertourismus und Skigebiete in den deutschen Alpen liegen überwiegend in einer H?henlage zwischen ca. 800 und 1.700 m ü. NN und damit deutlich niedriger als die alpinen Destinationen in der Schweiz, in Italien, Frankreich und z. T. auch in ?sterreich. In Projektionsergebnissen spiegelt sich die heute schon geringere Schneesicherheit in den deutschen Alpen wider, die mit zunehmender Erw?rmung weiter abnehmen wird. In den anderen Alpenstaaten – einige ?sterreichische Bundesl?nder ausgenommen – wird eine deutliche Abnahme schneesicherer Gebiete erst ab einem Temperaturanstieg von über 2 °C erwartet.75

Besonders schneearme Winter wie zuletzt 2013 / 2014 haben zur Folge, dass Wintersportarten vielerorts nur mit Einschr?nkungen betrieben werden k?nnen. Neben anderen Faktoren, z. B. der gr??eren Auswahl an Skipisten oder der wegen anderer topographischer Verh?ltnisse im Bereich des Alpenhauptkamms oft breiteren und l?ngeren Abfahrten, ist dies ein Grund, warum anderen Alpenl?ndern eine h?here Attraktivit?t für Ski- bzw. Winterurlaube von mehreren Tagen beigemessen wird.76 Diese Konkurrenz durch schneesicherere und attraktivere Skigebiete in den Nachbarstaaten der Alpen ist m?glicherweise auch mit dafür verantwortlich, dass der Tourismusboom der Nachwendejahre, der im Winter 1991 / 1992 für einen übernachtungsrekord sorgte, nicht dauerhaft anhielt. Ab Mitte der 1990er Jahre gingen die übernachtungszahlen in den Wintersportgemeinden im deutschen Alpenraum wieder zurück und stagnierten bis 2014 auf einem niedrigeren Niveau. Sie steigen nun langsam wieder an.

Auch für die Mittelgebirge Deutschlands werden schwierige Zeiten für die Wintertourismusgebiete vorhergesagt. Modellierungen ergeben einen Rückgang der Anzahl der Tage mit einer Schneeh?he von mindestens 30 Zentimetern in den Mittelgebirgen bei einem starken ⁠Klimawandel⁠ bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts. In den h?heren Lagen der Alpen f?llt der Rückgang zwar geringer aus – in Abh?ngigkeit von der geographischen und der H?henlage kann die Schneebedeckung in manchen Regionen vorübergehend sogar zunehmen –, l?ngerfristig ist aber mit deutlichen Einschr?nkungen zu rechnen.

Einzelne besonders schneearme und warme Winter schlugen sich in der Vergangenheit negativ in den übernachtungszahlen nieder. Der bislang w?rmste Winter in Deutschland war der Winter 2006 / 2007 mit einer Durchschnittstemperatur von 4,4 °C. In diesem Jahr sind in allen Wintersportregionen im Vergleich zu den Vorjahren rückl?ufige übernachtungszahlen festzustellen, besonders markant im Bayrischen Wald, im Fichtelgebirge und in der Rh?n. Auch der Winter 2013 / 2014, in dem die übernachtungszahlen insgesamt relativ niedrig ausfielen, war vergleichsweise schneearm.

Machen Wintertouristinnen und -touristen in den deutschen Wintersportregionen h?ufiger negative Erfahrungen, werden sie zukünftig zumindest teilweise ihre Urlaubsaktivit?ten oder Urlaubszielregion ver?ndern. In der repr?sentativen Bev?lkerungsumfrage "Umweltbewusstsein in Deutschland" I gaben im Jahr 2012 gut ein Viertel der Befragten an, ihre Wintersportaktivit?ten anpassen zu wollen, wenn es die klimatischen Rahmenbedingungen erfordern. In den Folgebefragungen 2014 und 2016 waren es jeweils 17 %. Deutsche Wintertouristinnen und -touristen k?nnten deshalb in st?rkerem Ma?e als bisher für Winterurlaube Destinationen in europ?ischen Nachbarl?ndern ansteuern.

Für die hiesigen Wintersportregionen kann dies dann zur Folge haben, dass die Bedeutung von Naherholungssuchenden und Tagestourismus weiter zunimmt. Sowohl der deutsche Alpenraum als auch die Mittelgebirge sind in den Wintermonaten sehr beliebte Ziele für den Tagestourismus und genie?en vor allem in r?umlich nah gelegenen Ballungsr?umen hohe Attraktivit?t. Der Wintertourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Sind die Schneebedingungen in einzelnen Jahren wie im langen Winter 2012 / 2013 gut, werden die Wintersportangebote von Tagestouristinnen und -touristen gerne genutzt, wie die hohe Zahl von Ersteintritten an den Liftanlagen der Skigebiete (Skier Days) zeigt. Um auch für warme und schneearme Winter wie 2013 / 2014 gerüstet zu sein, empfiehlt es sich für Tourismusregionen, zunehmend alternative Angebote zu entwickeln, die weniger oder gar nicht auf Schnee angewiesen sind.

75 - S. Endnote Nr. 72.

76 - Bausch T. 2010: Wintertourismus und Gro?veranstaltungen. Hintergrundinformationen und überlegungen zur weiteren Diskussion. Unver?ffentlichte Pr?sentation, zit. nach: Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.) 2010: Perspektiven naturvertr?glicher Sport- und Erholungsnutzung im bayerischen Alpenraum. Augsburg, 123 S.

I - Die repr?sentative Bev?lkerungsumfrage (deutschsprachige Wohnbev?lkerung ab 14 Jahre) ?Umweltbewusstsein und -verhalten in Deutschland“ wird seit dem Jahr 2000 zweij?hrlich im Auftrag des ⁠BMU⁠ und des ⁠UBA⁠ durchgeführt. Seit 2012 wurden Fragen aufgenommen, die Daten für die ⁠DAS⁠ ⁠Monitoring⁠ Indikatoren liefern, ab 2016 werden diese Fragen alle 4 Jahre in der Umweltbewusstseinsstudie erhoben.

 

Schnittstellen

TOU-I-6: Saisonale übernachtungen