WW-R-2: Investitionen in den Binnengew?sser-Hochwasserschutz – Fallstudie

Das Bild zeigt ein Gew?sser, an dessen Rand eine Bauma?nahme durchgeführt wird. Der Uferrand ist offener Boden, auf dem zwei Bagger aktiv sind.zum Vergr??ern anklicken
Flexible technisch/nicht-technische Hochwasserschutzma?nahmen unterstützen die Klimawandelanpassung
Quelle: Ewald Fr?ch / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

WW-R-2: Investitionen in den Binnengew?sser-Hochwasserschutz – Fallstudie

In Hessen sind in den zurückliegenden zehn Jahren 259,71 Millionen Euro von Bund und Land in den Hochwasserschutz geflossen. Die eigenen Investitionen der Kommunen sind nicht berücksichtigt. Da die Pflicht zur ⁠Gew?sserunterhaltung⁠ nur bei den Altrheinen dem Land obliegt, werden nicht-technische Hochwasserschutzma?nahmen an Gew?ssern I. Ordnung in Hessen in einem nur geringen (und in der Grafik nicht darstellbaren) Umfang durchgeführt.

Die Stapels?ulen-Grafik zeigt von 2000 bis 2017 die Entwicklung der Zuwendungen an Kommunen für den technischen und nicht-technischen Hochwasserschutz an Gew?ssern zweiter und dritter Ordnung sowie die Mittelaufwendungen für konzeptionelle  Vorarbeiten an Gew?ssern erster Ordnung und für Ma?nahmen des technischen Hochwasserschutzes an Gew?ssern erster Ordnung
WW-R-2: Investitionen in den Binnengew?sser-Hochwasserschutz – Fallstudie

Die Stapels?ulen-Grafik zeigt von 2000 bis 2017 die Entwicklung der Zuwendungen an Kommunen für den technischen und nicht-technischen Hochwasserschutz an Gew?ssern zweiter und dritter Ordnung sowie die Mittelaufwendungen für konzeptionelle Vorarbeiten an Gew?ssern erster Ordnung und für Ma?nahmen des technischen Hochwasserschutzes an Gew?ssern erster Ordnung. Die Aufwendungen schwanken von Jahr zu Jahr, am h?chsten waren sie 2005, am niedrigsten im Jahr 2016. Die Zuwendungen an die Kommunen zeigen keinen Trend, die Mittelaufwendungen für konzeptionelle Vorarbeiten an Gew?ssern erster Ordnung einen quadratisch steigenden, diejenigen für Ma?nahmen des technischen Hochwasserschutzes an Gew?ssern erster Ordnung einen quadratisch fallenden Trend.

Quelle: HMUKLV (Haushaltsrechnung)
 

Zurück zur natürlichen Struktur der Gew?sser

Hochwasser sind natürliche Ereignisse. Menschliche Eingriffe wie die Trennung der Auen vom Fluss, die Begradigung von Flüssen, die Abholzung von Auenw?ldern und die Bebauung von überschwemmungsgebieten führen dazu, dass die Landschaft heute weniger Wasser zurückhalten kann und Niederschlagswasser schneller in die Gew?sser abflie?t. Es wird davon ausgegangen, dass mit dem fortschreitenden ⁠Klimawandel⁠ das Hochwasserrisiko an Flie?gew?ssern ansteigt. Damit gewinnt das ⁠Hochwasserrisikomanagement⁠, das 2007 mit der europ?ischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (HWRM-RL) einen Rechtsrahmen erhielt, weiter an Bedeutung.

Bis Ende 2015 wurden für alle deutschen Flussgebiete erstmals national und international abgestimmte Hochwasserrisikomanagementpl?ne erstellt. Sie müssen alle sechs Jahre von den für die ⁠Hochwasservorsorge⁠ zust?ndigen L?ndern auch unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Auswirkungen des Klimawandels überprüft und fortgeschrieben werden. Hierzu werden für gef?hrdete Gebiete Gefahren- und Risikokarten erstellt und aktualisiert, Ziele zum Umgang mit vorhandenen Risiken formuliert und Ma?nahmenpl?ne zur Zielerreichung erarbeitet und fortentwickelt. Diese Pl?ne enthalten Ma?nahmen des technischen Hochwasserschutzes, der Wiedergewinnung von ⁠Retentionsfl?chen⁠ und der Wiederherstellung naturnaher Gew?sserstrukturen.

Zus?tzliche Ma?nahmen wie die Abgrenzung und Festsetzung von überschwemmungsgebieten oder planerische Vorarbeiten zur Umsetzung operativer Ma?nahmen des Hochwasserschutzes sind im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) verankert. In diese planerischen und konzeptionellen Ma?nahmen sind z. B. in Hessen in den letzten zehn Jahren kumuliert allein 6,85 Millionen Euro ausgegeben worden. Als ganzheitlicher Ansatz kommt aber auch anderen Bereichen wie der Verhaltens- und Bauvorsorge, der Raumplanung, der Verbesserung der Hochwasservorhersage, dem Krisenmanagement und dem risikoangepassten Wiederaufbau eine wichtige Rolle zu.

Technische Hochwasserschutzanlagen wie D?mme, Deiche und Mauern, Regen- und Hochwasserrückhaltebecken, Stauanlagen, Sch?pfwerke und Flutmulden dienen dem Zurückzuhalten, Durchleiten und Umleiten von Wasser. Einige Bundesl?nder wie Baden-Württemberg oder Bayern arbeiten bereits heute bei der Bemessung von Hochwasserschutzanlagen für Flie?gew?sser mit einem ?Lastfall Klima?nderung“. über ?Klima?nderungsfaktoren“ wird auf den derzeit gültigen Bemessungswert, beispielsweise ein hundertj?hrliches Hochwasserereignis, ein Sicherheitsaufschlag berechnet, um auch künftig steigende Hochwasserrisiken abzusichern. Im Fall Hessen sind die Investitionen in den technischen Hochwasserschutz in den letzten Jahren zurückgegangen, da die lange w?hrenden Deichsanierungen an Rhein und Main nun im Wesentlichen abgeschlossen sind.

Zus?tzlich zu den Ma?nahmen des technischen Hochwasserschutzes gewinnen auch nicht-technische Ma?nahmen an Bedeutung, denn natürliche oder naturnahe Gew?sserstrukturen k?nnen Wasser zurückhalten, den Landschaftswasserhaushalt stabilisieren und insbesondere mittlere Hochwasserereignisse an Flie?gew?ssern abmildern. Renaturierungen werden daher – wo immer m?glich – vorangetrieben. M?andrierende Flüsse und B?che verringern die Flie?geschwindigkeit und mindern die Abflussspitzen von Hochwasser. Eine durchl?ssige Gew?ssersohle aus Sanden und Kiesen erlaubt natürlicherweise einen Austausch zwischen Oberfl?chen- und Grundwasser und kann dadurch teilweise Hochwasserspitzen oder Wassermangel abpuffern. An den Gew?sserlauf angebundene Altarme, Auen und überflutungsfl?chen k?nnen einen Teil des Hochwasserabflusses aufnehmen. Auch wenn naturschutzfachliche überlegungen oftmals leitend für die Durchführung vieler Renaturierungsma?nahmen sind, reduzieren diese mehr oder weniger auch das Hochwasserrisiko. So betont auch das im Februar 2017 vom Bundeskabinett beschlossene Bundesprogramm ?Blaues Band Deutschland“ ausdrücklich den gesellschaftlichen Nutzen einer Flie?gew?sserrenaturierung für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Eine der zentralen Herausforderungen des nicht-technischen Hochwasserschutzes bleibt die Bereitstellung zus?tzlicher Retentionsfl?chen, die im Hochwasserfall überflutet werden k?nnen.

Der Bund erstattet den L?ndern im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe ?Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (⁠GAK⁠) 60 % ihrer Ausgaben für den Neubau und die Verst?rkung von Hochwasserschutzanlagen, für die Rückverlegung von Deichen und Ma?nahmen zur naturnahen ⁠Gew?sserentwicklung⁠. Das Nationale Hochwasserschutzprogramm, das nach dem Juni-Hochwasser 2013 im Elbe- und Donaugebiet von Bund und L?ndern gemeinsam erarbeitet wurde, soll die Umsetzung überregional wirkender Ma?nahmen des vorbeugenden Hochwasserschutzes in den Flussgebieten beschleunigen. Der Bund unterstützt die L?nder über den Sonderrahmenplan (SRP) ?Pr?ventiver Hochwasserschutz“ bei der Umsetzung von Ma?nahmen zur Deichrückverlegungen und Wiedergewinnung natürlicher Retentionsfl?che sowie zur gesteuerten Hochwasserrückhaltung über Hochwasserrückhaltebecken und ⁠Polder⁠. Dabei f?rdert der Bund auch erstmalig den Ankauf von Retentionsfl?chen. Für die Umsetzung von Ma?nahmen zum Hochwasserschutz an Gew?sser I. Ordnung wenden die L?nder zus?tzlich zu den GAK- und SRP-Mittel hinaus weitere Haushaltsmittel auf. Zudem geben die L?nder Zuwendungen an Kommunen, die im Rahmen ihrer Zust?ndigkeiten für die Gew?sser II. und III. Ordnung Ma?nahmen umsetzen.

 

Schnittstellen

WW-I-2: Mittlerer Abfluss

BD-I-3: Rückgewinnung natürlicher überflutungsfl?chen

WW-R-3: Uferbewuchs von kleinen und mittelgro?en Gew?ssern – Fallstudie

 

Ziele

Rückgewinnung und Redynamisierung von Flussauen (⁠DAS⁠, Kap. 3.2.3)

Schutz gegen zunehmende Hochwasserrisiken durch Verst?rkung von passiven Sicherungsma?nahmen (insbesondere Freihaltung von Bebauung) und aktive Abflussregulierung; erhebliche Ausweitung der ⁠Retentionsfl?chen⁠ (DAS, Kap. 3.2.14)

Festsetzung von überschwemmungsgebieten (WHG, § 76)